Ziel erreicht – aber: Lachnummer ECU-Kostendeckel

Von Ivo Schützbach
Superbike-WM
Ein elektronisches Steuergerät (ECU) von Magneti Marelli

Ein elektronisches Steuergerät (ECU) von Magneti Marelli

Seit 2015 gibt es in der Superbike-WM einen vorgeschriebenen Maximalpreis für die ECU. Schaut man sich die ausgefeilte Technik an, muss man von Subventionen durch die Hersteller ausgehen. Einige geben das sogar zu.

Um die technischen Kosten in der Superbike-WM zu senken, führte Promoter Dorna Kostendeckel für Bremsen, Federelemente und Elektronik ein.

Bei den Bremsen und Federelementen lässt sich der vorgegebene Kostenrahmen leicht einhalten, Firmen wie Brembo, Nissin, Öhlins und Showa wollen Geld verdienen. Sie haben kein Interesse daran, die Teams zu subventionieren.

Bei der Elektronik verhält es sich anders, da diese von den Motorradherstellern gestellt werden muss. Jeder Hersteller homologiert eine ECU mit Sensoren und Dashboard, ein Kundenteam hat die gleiche Hard- und Software zur Verfügung wie ein Werksteam, nur für die Bedatung muss es selbst sorgen.

Obwohl das elektronische Steuergerät (ECU) mit den funktionsnotwendigen Anbauteilen ein Team pro Motorrad maximal 8000 Euro kosten darf, ist die Elektronik in der Superbike-WM inzwischen sehr ausgereift.

Cal Crutchlow sagt, die Elektronik in der Superbike-WM sei fortschrittlicher als die Einheits-Software von Magneti-Marelli in MotoGP: «Wer jetzt von den Superbikes in die Königsklasse kommt, macht bei der ECU einen Rückschritt.»

Experten wie Kritiker fragen sich, wie technischer Fortschritt und Kostendeckel zusammenpassen. Sicher, die Hauptkosten liegen in der Entwicklung der ECU, diese Investitionen wurden die letzten Jahre getätigt. Die Elektronik von Aprilia und Ducati etwa, wurde von MotoGP auf Superbike adaptiert.

Während MV Agusta, Ducati, Kawasaki und Yamaha auf Elektronik von Magneti Marelli zurückgreifen, haben BMW und Aprilia hausintern eine eigene entwickelt, Honda bezieht seine von Cosworth.

«Wir verlieren Geld mit der Elektronik», gab Steve Guttridge, Racing-Manager von Kawasaki Europe, gegenüber SPEEDWEEK.com zu. «Für die meisten Teile mit Kostendeckel oder Kit-Parts haben wir die Philosophie, nichts damit zu verdienen. Wir wollen es den Teams ermöglichen, ihren Job zu gering möglichen Kosten zu erledigen, wir wollen nichts daran verdienen.»

«Was zu einer Farce geworden ist, ist das Thema Elektronik», kritisiert BMW-Rennchef Berthold Hauser. «Dieses Reglement mit dem Preisdeckel, da lacht die Koralle. Mir braucht keiner erzählen, dass die heutige Aprilia-Elektronik eine Kundenelektronik ist, die man für 8000 Euro im gesamten Umfang kaufen kann. Die jetzige Regel ist zur Absurdität verdammt und wird es bleiben. Ich lade jeden gerne ein, unsere Philosophie zu prüfen. Wir haben ein Paket geschnürt, das für jeden Kunden verfügbar ist. Das ist Kundensport.»

Der Grundgedanke der Regeländerung war Geld sparen. Ist es heute günstiger? Hauser: «Nein, behaupte ich. Die Personalkosten sind nicht weniger geworden, das mit den Elektronikkosten ist eine Lachnummer.»

Der Dorna ist das egal, sie hat ihr Ziel erreicht: Die Teams müssen nicht mehr so viel Geld wie früher ausgeben.

Wird dem Treiben einiger Hersteller kein Einhalt geboten, geht der Schuss mittelfristig trotzdem nach hinten los. In keinem gewinnorientierten Unternehmen werden Kitparts für Kundenteams auf Dauer subventioniert.

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