JiR-Team als Favorit für das zweite Yamaha-Team

Von Günther Wiesinger
Superbike-WM
Luca Montiron von Japan Italy Racing (JiR): SBK-Deal mit Yamaha

Luca Montiron von Japan Italy Racing (JiR): SBK-Deal mit Yamaha

Seit einigen Monaten wird in der Superbike-WM gerätselt, ob Yamaha 2017 ein zweites Team einsetzt und wer es betreiben könnte. Es gibt nur einen seriösen Anwärter: Luca Montiron und sein JiR-Team.

Moto2-Rennstallbesitzer Luca Montiron zog sich im Herbst 2015 nach sechs Jahren aus der Moto2-WM zurück. Mit TSR und Alex De Angelis hat er in dieser Rennserie immerhin zwei GP-Siege gefeiert.

Die Moto2-WM-Saison 2015 nahm für das Japan Italy Racing-Team (JiR) von Gianluca «Luca» Montiron ein versöhnliches Ende. Der Schweizer Randy Krummenacher, jetzt Supersport-WM-Zweiter auf der Puccetti-Kawasaki, steuerte die 2014-Kalex in Motegi und Phillip Island jeweils auf den zehnten Platz.

Wenn sich unsere Recherchen bewahrheiten, dann werden sich Luca Montiron und Randy Krummenacher im Superbike-Paddock 2017 wieder öfter über den Weg laufen.

Denn es ist längst kein Geheimnis mehr, dass Yamaha Motor Europe ein zweites SBK-Team installieren will. Sylvain Guintoli, der Weltmeister von 2014, gilt als heisser Kandidat.

Gleichzeitig dürften die genannten Teams wie der Langstrecken-Rennstall GMT94 sowie Guandalini nicht die hohen SBK-Anforderungen von Eric de Seynes erfüllen, dem französischen Chef von Yamaha Motor Europe, der seinen Landsmann Guintoli bei der Stange halten will.

Bei JiR steht hingegen eine perfekte Infrastruktur zur Verfügung inklusive Rennhauptquartier an der Supermoto-WM-Piste und Kart-Strecke Castelletto di Branduzzo, die JiR-Chef Montiron seit Jahren betreibt.

Montiron ist aus der Moto2-WM ausgestiegen, weil er wieder eine enge Zusammenarbeit mit einem Werk suchte – wie einst in der MotoGP-WM mit Honda (und Bridgestone) und nachher im Superstock-1000-Cup, wo er das Aprilia-Werksteam bildete.

Die besten Zeiten erlebte JiR in den goldenenen Konica-Minolta-Honda-Jahren mit Tamada und Nakano in der MotoGP-Klasse. Damals entstand auch der neue Teamname Japan Italy Racing (JiR), weil der italienische Teamchef eng mit Sponsoren und Herstellern aus Japan zusammenarbeitete.

Die Bezeichnung JiR hatte auch später in der Moto2-WM jahrelang ihre Berechtigung, weil Montiron auf japanische TSR-Chassis setzte. Nur 2015 folgte JiR dem allgemeinen Trend – und stieg auf Kalex um.

Als sich bei JiR für 2016 keine vielversprechenden Projekte anboten, kündigte Luca Montiron den Wechsel in die Superbike-WM an. Er verhandelte zum Beispiel mit Suzuki, aber die Japaner steigen erst 2018 wieder ein. So lange kann JiR die Infrastruktur nicht brach liegen lassen.

JiR stand schon längere Zeit mit Yamaha in Kontakt. Montiron bot seine Infrastruktur den Japanern auch an, als das Forward-MotoGP-Team vor einem Jahr kollabierte.

Yamaha Motor Europe-Chef Eric de Seynes verfolgt eine klare Strategie, er will auch das Kundenteam eng an sich binden, was sich absolut mit den Absichten von Montiron deckt.

Von der Dorna ist zu hören: Auch die neue 300-ccm-Klasse könnte zwischen Yamaha und JiR ein Thema werden.

Japan Italy Racing: Ansehnliche GP-Erfolge

Montiron agierte jahrelang mit Jan Witteveen und Carlo Pernat als Koordinator bei Aprilia, ehe er sich selbstständig machte. Luca Montiron betreute 2002 zuerst Tetsuya Harada auf Honda in der 500er-WM und brachte danach Bridgestone in die MotoGP-WM. Er bildete zuerst ein Honda-Team, Pramac war als Sponsor dabei, Makoto Tamada sorgte 2004 im JiR-Team auf einer Honda RC211V in Rio/Brasilien für den ersten Bridgestone-Sieg in der Königsklasse.

Es folgten ab 2005 drei lukrative Jahre mit Konica Minolta, Honda, Tamada und Nakano. Für 2008 vereinbarten JiR und Scot-Honda ein Joint Venture. So wurde der 250-ccm-WM-Zweite Andrea Dovizioso in die MotoGP-WM geholt – er wurde WM-Fünfter und dann von Repsol-Honda engagiert. 2009 setzte Montiron, der seine Wurzeln bei Aprilia hat und dort die goldenen Jahre von Jan Witteveen mit Capirossi, Biaggi und Rossi miterlebte, im Superstock-1000-FIM-Cup zwei Aprilia ein. 2010 kehrte er mit TSR-Chassis in den GP-Sport zurück – wegen der neuen Moto2-WM.

Um dem Teamnamen Japan Italy Racing alle Ehre zu geben, vertraute JiR als einziger Rennstall jahrelang auf japanische TSR-Chassis. Im Herbst 2014 wurde auch mit japanischen NTS-Chassis experimentiert, für Krummenacher wurden dann Kalex-Fahrwerke besorgt.

Für die grössten JiR-Moto2-Erfolge sorgte Alex De Angelis, der auf der TSR 2010 und 2011 die WM-Rennen auf Phillip Island gewann. Simone Corsi gelangen Podstplätze in Le Mans und Mugello. 2012 gewann Johann Zarco bei JiR den «Rookie of the Year Award», er wurde WM-Neunter.

In der Zwischenzeit hat JiR auch andere Geschäftszweige eröffnet. Montiron betreibt zum Beispiel das «Motor City Village» in Castelletto di Branduzzo bei Mailand, wo auch schon Supermoto-WM-Läufe ausgetragen wurden und wo drei Pisten für Motorräder, Go-Karts und Jet-Ski vorhanden sind.

Was die Saison 2017 betrifft, will Luca Montiron will mit der Sprache noch nicht herausrücken. «JiR hatte im GP-Sport einen Zehn-Jahres-Plan von 2005 bis 2015», erläuterte Montiron aber bereits bei seinem Moto2-Rückzug 2015. «Jetzt bereite ich den nächsten Schritt vor. Es wird eine Zusammenarbeit mit einem Hersteller entstehen, was seit langer Zeit mein Ziel war. Es wird ein langfristiges Projekt.»

Schon nach dem WM-Finale in Valencia 2015 wollte Montiron Details dazu verraten. Aber es wurde still um JiR. Fast zehn Monate später werden jetzt neue Aktivitäten entfaltet,

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