WRC

Rallye Mexiko: Was wir daraus gelernt haben

Von Christian Schön - 10.03.2016 11:51

Von nicht erfüllten Erwartungen der «Monster-WP», einem unerwarteten Tabellenzweiten und einer deutschen Überraschung

Länge alleine reicht nicht

Seit Wochen wurde über die 80 Kilometer lange Wertungsprüfung Guanajuato berichtet, spekuliert, analysiert und prognostiziert. Dann war sie gelaufen. Anzahl der besonderen Vorfälle: null.

Dem Veranstalter gebührt Respekt für die Idee, das neue Maximum an WP-Kilometern auszunutzen. Um aber den Wettbewerb nicht allzu stark zu verzerren – Tabellenführer Sébastien Ogier (Volkswagen) kann zum Thema «Startposition» einen Vortrag beliebiger Länge halten –, packten sie die «Monster-WP» in den Sonntag. Dafür verdient der Veranstalter außerdem einen Fairness-Preis.

Wie mittlerweile bei fast allen WM-Rallyes waren zur Schlussetappe allerdings längst sämtliche Entscheidungen gefallen. Das hatte zur Folge, dass alle Spitzenfahrer den 80-km-Marathon mit gebremstem Tempo angingen. Es keine Reifenschäden, von überhitzten Bremsen abgesehen keine technischen Probleme. Und die meisten Piloten wirkten im Ziel nicht viel erschöpfter, als nach der einen Kilometer langen Super-WP in der Altstadt von Guanajuato direkt nach dem Start.

«Vier Mal 20 Kilometer wären spannender gewesen als einmal 80 Kilometer», fasste Sieger Jari-Matti Latvala (Volkswagen) zusammen. Leider hatte er Recht.

Wenn schon eine extra-lange Prüfung, dann muss sie zu Beginn einer WM-Rallye auf dem Programm stehen. Was wirklich fair nur gegen Saisonende wäre, wenn alle Titelkandidaten in der Tabelle benachbart sind und keiner einen entscheidenden Vorteil aus seiner Startposition zieht.

Mads Østberg im Eichhörnchen-Modus

Er hat noch keine Rallye gewonnen, noch nicht einmal eine einzige Wertungsprüfung. Trotzdem steht Mads Østberg (Ford) auf Rang zwei in der Fahrerwertung. Hat der Norweger das verdient?

Østberg war bei der Rallye Monte Carlo Vierter, in Schweden Dritter und erbte in Mexiko durch die Zeitstrafe für Hyundai-Pilot Dani Sordo (einen Reifen mehr als erlaubt verwendet) Platz drei. Østberg konnte vom Start weg dem Tempo der Volkswagen und Hyundai nicht folgen. Statt zu jammern, machte er das Beste daraus und fuhr konzentriert ins Ziel. So gesehen hat er sich seinen Tabellenrang redlich erarbeitet.

Østberg kann schließlich nichts dazu, dass offensichtlich schnellere Piloten sich selbst im Weg stehen. Jari-Matti Latvala (Volkswagen) hat nach drei Rallyes zwei Nuller auf dem Konto. Andreas Mikkelsen (Volkswagen) und Thierry Neuville (Hyundai) hatten ebenfalls einen durchwachsenen Saisonstart. Selbst schuld.

Ironischerweise profitierte Østberg schon zum zweiten Mal maßgeblich von Fehlern der Konkurrenz. Seinen bisher einzigen WM-Sieg bei der Rallye Portugal 2012 hat er der Disqualifikation des damaligen Citroën-Werkspiloten Mikko Hirvonen zu verdanken, in dessen Auto eine illegale Kupplung gefunden wurde.

Sébastien Ogier kann das Jammern nicht lassen

Sébastien Ogier (Volkswagen) bot in Mexiko eine grandiose Leistung. Von Startplatz eins auf Rang zwei zu fahren, ist aller Ehren wert und hätte von den Konkurrenten wahrscheinlich keiner geschafft. Dass Teamkollege Jari-Matti Latvala von Startposition acht einen immensen Vorteil hatte, wusste spätestens nach der ersten «richtigen» Wertungsprüfung am Freitag jeder.

Warum also musste Ogier bis zur Siegerehrung am Sonntag sich – wieder einmal – bei jeder Gelegenheit darüber beschweren, dass er das sowas von ungerecht findet? Warum den Veranstalter, einen der der besten im WM-Kalender, mit der Aussage «Die langweiligste Rallye aller Zeiten» brüskieren? Was Rallyefans von Ogiers Kommentaren halten, kann man in den einschlägigen Internetforen nachlesen.

Ich würde mir vom Weltmeister wünschen, dass er in diesem Punkt Größe zeigt. Wie wär’s mit: «Ich weiß, dass ich nicht gewinnen kann. Aber das ist nun einmal so, wenn man Tabellenführer ist. Ich muss schließlich nicht jede Rallye gewinnen.» Séb, Du wirst auch 2016 wieder Weltmeister, keine Angst. Gönn‘ den anderen doch auch mal was.

Hyundai im Nominierungsdilemma

Hyundai entscheidet für jede WM-Rallye neu, welcher der drei Werksfahrer für Herstellerpunkte nominiert wird. Teamchef Michel Nandan hatte damit schon zweimal ein gutes Händchen. Bei der Rallye Monte Carlo punkteten Thierry Neuvile und Dani Sordo, Hayden Paddon hätte einen Nuller abgeliefert. In Schweden steuerten Paddon und Sordo Herstellerpunkte bei, der nicht nominierte Neuville hätte keine Punkte geholt. Nur in Mexiko lag Nadan daneben. Hätte er Paddon statt Neuville neben Sordo ausgewählt, hätte Hyundai jetzt zehn WM-Punkte mehr auf dem Konto.

Bei zwei von bisher drei Rallyes in der Saison 2016 stand der nominell als Nummer eins verpflichtete Neuville im Schatten seiner Teamkollegen. In Mexiko hatte er die beste Startposition aller Hyundai-Fahrer und wurde sogar als Siegfavorit gehandelt. Nach einem Ausrutscher am Freitag und einen heftigen Abflug am Samstag inklusive Check im Krankenhaus musste der Belgier erneut eine Nullrunde verbuchen. Wie lange wird sich das Teamchef Nandan noch anschauen?

Armin Kremer ist ein Phänomen

Er testet nicht. Während einer Rallye verbringt er viel Zeit damit, sich telefonisch um sein Unternehmen (Geflügelzucht) zu kümmern. Trotzdem gehört Armin Kremer zu den Schnellsten in der Kategorie WRC2, fährt dort der einen oder anderen Nachwuchshoffnung um die Ohren.

Nach Rang drei bei der Rallye Monte Carlo schob der Skoda-Pilot aus Mecklenburg kurzfristig den taktischen Start in Mexiko ein. Dort war aus der WRC2-Spitzengruppe außer ihm nur noch Markenkollege Teemu Suninen am Start. Wären sichere WM-Punkte gewesen. Nur Michel Fabre hatte eine noch bessere Ausgangssituation – der 61-jährige Citroën-Pilot war in der Kategorie WRC3 sogar der einzige Starter.

Aber so ganz ohne Testen fehlt dann doch die Routine. Bei seiner ersten Schotter-Rallye seit Herbst 2015 kam Kremer mit der rutschigen Strecke nicht so ganz zurecht und musste gleich zweimal wegen beschädigter Radaufhängung aufgeben. Dass er am Ende trotz über einer Stunde Rückstand die WM-Punkte für Rang fünf kassieren durfte, ist nur Beweis dafür, dass Kremer die taktische Situation richtig eingeschätzt hatte. Wann er das nächste Mal antritt, steht noch nicht fest.

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