Formel 1

52.500 Kilogramm: Bremsen beim Kanada-GP im Fokus

Von - 06.06.2017 15:45

Nur wenige Strecken im Rennkalender stellen die Bremsleistung eines Formel 1-Autos so auf die Probe wie Montréal. Die Fahrer fahren 60% einer Runde auf der schnellen, halbpermanenten Straßenstrecke mit Volllast.

Dazwischen treten sie an mehreren starken Bremspunkten heftig in die Eisen. Das macht Montréal zu einer der forderndsten Strecken für die Bremsen im gesamten Kalender. 

Der Circuit Gilles Villeneuve stellt eine nahezu perfekte Mischung aus schnellen Geraden und engen Kurven dar. Dabei treten die Fahrer im Durchschnitt pro Runde mit einer Kraft von mehr als 750 kg auf die Bremse. Über die 70 Rennrunden entspricht das einer durchschnittlichen Pedalkraft von 52.500 kg. Der höchste Wert wird mit 120 kg in Kurve 13 erreicht. 

Der Bremseffekt wird durch den schnellen Streckencharakter verstärkt. Denn dieser sorgt dafür, dass die Teams ihre Autos in Montréal mit einem geringen Luftwiderstand auf die Strecke schicken. Sie wollen auf den langen Geraden hohe Geschwindigkeiten erreichen, was dazu führt, dass die Autos mit wenig Strömungswiderstand aus noch höheren Speeds abbremsen müssen. Dies wird erschwert, wenn auf den beiden langen Geraden Rückenwind herrscht. Dann erreichen sie Top-Speeds von mehr als 327 km/h. 

Die Strecke in Montréal besitzt sieben starke Bremszonen. Die stärkste ist Kurve 13 - eine scharfe Rechtskurve durch die Schikane, die dann auf die Gerade entlang der berüchtigten «Wall of Champions» führt. Die Fahrer kommen an der letzten Schikane mit einer Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h an. Dann steigen sie auf das Bremspedal und verzögern in nur 90 Metern auf 140 km/h. 

Im langsamsten Streckenteil bremsen die Fahrer in Kurve 10 (der Haarnadel) in ungefähr 120 Metern von 300 km/h auf 65 km/h ab. Beim Großen Preis von Kanada 2016 mussten die Fahrer einer durchschnittlichen Verzögerung von 4,3 G standhalten. Durch den zusätzlichen Abtrieb und die breiteren Reifen dürfen wir 2017 Verzögerungskräfte von mehr als 5 G erwarten - eine unglaubliche Zahl. 

Die Bremspunkte kommen in Montréal rasch hintereinander. Der Fahrer steht für 19% einer Runde auf der Bremse. Diese hohe Frequenz, nicht nur die Härte der vielen Bremszonen, setzen die Teams beim Umgang mit dieser riesigen Menge Energie zusätzlich unter Druck. 

Pro Rennen werden 149 kWh an Energie abgeleitet. Diese Energie wird in Hitze umgewandelt. Dabei erreichen die heutigen F1-Bremsen in einer einzigen Bremszone Temperaturen von bis zu 1.000 Grad Celsius. Diese enorme Hitze hat auch Einfluss auf die Reifen, die Bremszylinder und die Sensoren. Die Temperaturen müssen kontrolliert werden. Die Fahrer scheren deshalb oft aus dem Windschatten aus, um ihre Bremsen zu kühlen, bevor sie in die nächste Bremszone kommen oder die berüchtigte «Lift-and-Coast»-Taktik während des Rennens anwenden. 

In Montréal ist es entscheidend, die Temperaturen im Verkehr zu kontrollieren. Das liegt an einem warmen Wochenende oft auch an den Umgebungstemperaturen. Sobald ein Fahrer seine Bremsen überhitzt, nutzen sie sich extrem stark ab, was wertvolle Performance kostet. Das Rennen ist ein Kampf über 70 Runden, um die Temperaturen im Griff zu behalten. In jedem Jahr erleben wir, dass nicht jeder als Sieger aus diesem Kampf hervorgeht. 

Um diese einzigartigen Herausforderungen zu bezwingen, bereiten sich die Teams besonders vor. Sie führen vor dem Kanada Grand Prix eine Reihe an Simulationen durch, um die involvierten Bremsenergien genau zu verstehen und sicherzustellen, dass die Kühlung des Autos ausreichend ist. Gleichzeitig bringen sie die dicksten Bremsscheiben und -beläge für das Wochenende mit. 

Wie auch immer der Kanada Grand Prix an diesem Sonntag ausgehen wird, Montréal wird für die linken Füße von Lewis und Valtteri sicher ein gutes Fitnesstraining darstellen... 

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