1. Training Mexiko-GP: Leclerc vor Antonelli, Hamilton P4, Hülkenberg P13
Ungewöhnliches Training 1 in Mexico-City: Zehn Nachwuchsfahrer im Einsatz, Red Bull-Fahrer Nikola Tsolov mit seltenem Problem. Bestzeit für Leclerc und Ferrari, die F1-Neulinge bezahlten Lehrgeld.
Das hat es in der Formel 1 noch selten gegeben: Fast das halbe Feld im ersten freien Training besteht aus Nachwuchspiloten, zehn Rennställe setzten junge Fahrer ans Lenkrad, nun Ferrari rückte mit den Stammpiloten Lewis Hamilton und Charles Leclerc aus.
Die Ausgangslage: Bei Red Bull Racing guckt Max Verstappen zu, für ihn fährt der Japaner Ayumu Iwasa. Bei Mercedes setzt George Russell aus, am Lenkrad sitzt der Däne Frederik Vesti. Bei McLaren hat Weltmeister Lando Norris Pause, mit seinem Auto rückt der Italiener Leonardo Fornaroli aus.
Weitere Änderungen: Der Italiener Gabriele Mini bei Alpine für Franco Colapinto; der Bulgare Nikola Tsolov bei den Racing Bulls für Liam Lawson; der Japaner Ryo Hirakawa bei Hass für Esteban Ocon; der US-Amerikaner Jak Crawford bei Aston Martin für Lance Stroll; der Engländer Luke Browning bei Williams für Alex Albon, der Engländer Freddie Slater bei Audi für Gabriel Bortoleto sowie der US-Amerikaner Colton Herta bei Cadillac für Valtteri Bottas.
Das Training begann bei freundlichem Wetter, moderate 22 Grad, die Bahn bei 43 Grad. Das ist nicht selbstverständlich in Mexiko-Stadt. Noch wenige Tage zuvor hatten brachiale Niederschläge ganze Strassenzüge überflutet und den (ohnehin schon chaotischen) Verkehr zum Erliegen gebracht.
Was haben die Teams an neuen Teilen im Gepäck? McLaren, Ferrari, die Racing Bulls und Red Bull Racing mit grösseren Abluftkiemen, typisch für das Rennen in Mexiko, dazu RBR mit neuen Luftleit-Elementen am unteren Ende des Seitenkasten-Eingangs. Audi mit anderen Luftleit-Elementen an den hinteren Bremskühl-Einlässen, Alpine mit einem geänderten Auspuff-Endrohr,
Ohne neue Teile: Mercedes, Williams, Aston Martin, Haas und Cadillac.
Ferrari-Superstar Lewis Hamilton sofort auf der Bahn, mit Messrechen, um zu erkunden, was der verbesserte Frontflügel bewirkt. Hamilton dann nach einem Aero-Lauf wieder an der Box, um den Fronflügel zu verstellen, danach ein neuer Lauf, zum Vergleich.
Gemessen am Aufbau bei Aston Martin war der Rechen am Ferrari von Hamilton lächerlich: Jak Crawford rückte mit einem Messrechen am Aston Martin aus, der vermutlich auch als Aufbau eines Zehnmann-Zelts dienen könnte.
Auch F1-Neuling Freddie Slater im Audi mit Aero-Messungen beschäftigt, die Deutschen konzentrierten sich dabei auf die Vorderachse.
Immer wieder werden wir gefragt, was es mit diesen teilweise skurril aussehenden Gittern zu tun hat, also erklären wir es gerne noch einmal: Die Gitter messen den Luftdruck und die Luftströmungen in kritischen Bereichen, beispielsweise in den Verwirbelungen um die Räder herum oder beim Einlass der Seitenkästen. Die Gitter sind dafür mit so genannten Pitot-Rohren ausgerüstet.
Das Rohr ist benannt nach dem Franzosen Henri de Pitot (1695–1771), einem Wasserbauingenieur, gelerntem Mathematiker. Er war von den Strömungen in Flüssen und Kanälen fasziniert. Früher herrschte die Annahme, die Fliessgeschwindigkeit eines Gewässers würde mit der Tiefe zunehmen. Henri de Pitot erfand ein Gerät, um diese Geschwindigkeit zu messen – die einfach-geniale Vorrichtung heisst nach ihm Pitot-Rohr, ein gerades oder L-förmiges, einseitig offenes Rohr zur Messung des Gesamtdruckes von Flüssigkeiten oder Gasen, in unserem Falle Luft. Es dient vorrangig bei Flugzeugen und Hubschraubern zur Geschwindigkeitsmessung, aber eben auch bei Formel-1-Rennautos.
Bei den Racing Bulls konnte sich Formel-2-Könner Nikola Tsolov hingegen ganz aufs Fahren beschränken – ohne Aero-Versuche. Dem ersten F1-Bulgaren fiel auf: «Etwas raucht hier.» Antwort vom Kommandostand: «Die vorderen Bremsen sind ein wenig heiss, aber kein Anlass zur Sorge.»
Bald-Weltmeister Kimi Antonelli mit früher Bestzeit vor Ferrari-Ass Charles Leclerc. Die Bilder zeigten: Die Fahrer hatten alle Hände voll zu tun, vor allem auf den frisch asphaltierten Bereichen von Kurve 7 bis nach Kurve 1. Antonelli ruderte über einen Randstein neben die Bahn, aber nichts passiert. Zahlreiche Fahrer mit Verbremsern und rauchenden Reifen.
Red Bull Racing-Pilot Isack Hadjar meldete sich: «Da stimmt etwas mit dem Motor nicht, ich habe keine Leistung. Was ist da los?» Der Pariser brachte den Wagen in langsamer Fahrt an die Boxen zurück. Das Team bestätigte: Es gibt ein Problem mit der Antriebseinheit.
Nach knapp zehn Minuten gelbe Flaggen: Cadillac-Pilot Colton Herta neben der Bahn. Der US-Amerikaner musste mit diesem freien Training in Form von 100 Kilometern den letzten notwendigen Punkt für den F1-Führerschein namens Superlizenz einbringen, dies in Form von 23 Runden.
Stand nach einer Viertelstunde: Leclerc vor Antonelli, Alonso und Hülkenberg. Bester Rookie – Verstappen-Ersatz Ayumu Iwasa auf Platz 9.
McLaren-Reservist Leonardo Fornaroli in der schnellen Kurve 11 mit einem üblen Quersteher. Der italienische F3- und F2-Champion meldete sich am Funk: «Das war haarig. Könnt ihr mal nachgucken, was da passiert ist?»
Fornaroli in guter Gesellschaft: Kurz darauf auch Superstar Lewis Hamilton an fast der gleichen Stelle mit einem ausbrechenden Heck seines Rennwagens.
Patzer bei Audi: Freddie Slater wurde mit einem Ventilator vor dem rechten Seitenkasten-Einlass auf die Bahn geschickt. Das wird noch eine Busse der FIA-Regelhüter geben, in der Regel in der Region von 20.000 Euro.
Nur eine Runde später wurde Slater erneut an die Box geholt. Nach nur sechs Runden, dies ohne fliegende Runde, also ohne Zeit, musste Audi den Einsatz mit dem jungen Engländer unterbrechen.
Stand nach einer halben Stunde: Hamilton vor Leclerc, Antonelli, Lindblad, Iwasa, Hülkenberg, Alonso und Tsolov.
Cadillac informierte: Der Finne Valtteri Bottas wird den Mexiko-GP vom Ende aufnehmen, weil sein Auto frische Motorteile braucht.
Auf weichen Reifen übernahm Charles Leclerc nach 35 Minuten wieder das Kommando, der Ferrari-Fahrer nunmehr auf weichen Pirelli-Reifen. Der Monegasse hatte im ersten Mexiko-Training 2025 schon die Nase vorn.
Lewis Hamilton versemmelte bei seinem Versuch auf weichen Walzen die Runde.
Auch Nico Hülkenberg mit einem Fehler: wilder Ritt über einen Randstein.
Dann gelbe Flaggen: Der Aston Martin-Honda von Jak Crawford war in Kurve 2 stehengeblieben, virtuelle Safety Car-Phase, der US-Amerikaner fädelte sich aus dem Rennwagen.
Nikola Tsolov hatte andere Probleme: «Mein rechtes Bein ist eingeschlafen, da ist kein Blutfluss, der Sitz passt einfach nicht.» Der Bulgare war zu sehen, wie er kaum aufrecht in seinem Sitz stehen konnte. Er schüttelte das Bein, um wieder einsatzfähig zu werden.
Der Formel-2-Pilot zeigte ein gutes Training, wir werden ihn zweifellos wiedersehen im Racing Bulls-Cockpit.
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