Der neue Madring: Viele Hintergründe zum Comeback des Spanien-GP in Madrid
Die Formel 1 ist zurück in der spanischen Hauptstadt, und die Madrilenen wollen den Renn-Fans eine Strecke präsentieren, die es in sich hat – was Sie beim Grand Prix Spanien auf dem Madring erwartet.
Der Madring ist brandneu, aber der Grosse Preis von Spanien ist ein gut gealterter Klassiker: Im Rahmen der Formel-1-WM fand bereits 1951 ein Grand Prix von Spanien statt (Strassenkurs in Pedralbes/Barcelona), doch die Anfänge des Spanien-GP gehen sogar bis auf 1913 zurück.
Was damals vollmundig als «Grosser Preis» angepriesen und in Guadarrama bei Madrid ausgetragen wurde, das war eine echte Mogelpackung – ein Rennen unter Tourenwagen-Regeln! Es siegte Rolls-Royce-Fahrer Carlos de Salamanca.
Noch davor gab es den Katalonien-Cup von 1908 und 1909 in Sitges (bei Barcelona). Ein richtiger Spanien-GP war das auch nicht, obschon ein echter Monoposto-Haudegen gewann – Jules Goux.
Und damit kommen wir zur Frage für die spanische Version von «Wer wird Millionär?»: Wie lautete der Name der ersten permanenten Rennstrecke in Spanien?
Genau, «Autódromo Nacional de Terramar» in Sitges, ein – Oval!
Das Layout mit bis zu 66 Grad überhöhten, spektakulären Steilkurven!
Das ist eine schöne Parallele zu heute, denn die modernen Vollgas-Artisten finden auf dem Madring ebenfalls eine Steilkurve, wenn auch nicht 60 Grad: la Monumental, eine schier endlose Rechts mit Stadion-Feeling.
Wie steil ist die Monumental im Formel-1-Vergleich? Gucken wir mal …
Indianapolis-Kurve 13: 9 Grad. Zandvoort-Hugenholtz: 19 Grad. Nürburgring-Karussell: 20 Grad. Madring-La Monumental: 24 Grad. Monza-Steilwand: 37 Grad. Avus-Steilwand: 43 Grad.
Madring stellt also gewiss keinen neuen Rekord auf, aber sie wird dennoch ein echter Hingucker sein.
Einen Barcelona-GP gab es in vier verschiedenen Formen: Im Oval von Sitges und auf dem Kurs von Pedralbes, wie erwähnt, dazu am Berg Montjuich sowie auf der heutigen Rennstrecke bei Montmelo, dem Circuit de Barcelona-Catalunya.
Montjuich war malerisch, aber brandgefährlich: 1969 führten Flügelbrüche an den Lotus von Graham Hill und Jochen Rindt dazu, dass der Autosportverband einschritt und die Flügelauswüchse von heute auf morgen verbot. Der schwere Unfall von Rolf Stommelen 1975 schickte den Strassenkurs von Montjuich in Rente.
Von 1968 bis 1975 fand das Rennen abwechslungsweise in Montjuich und 30 km nördlich von Madrid statt, in Jarama.
Besonders eindrucksvoll, wie 1981 Gilles Villeneuve in Jarama seine Gegner hinter sich hielt. Sein einziger Vorteil war der Speed auf der Start/Ziel-Geraden. Dort fuhr der Kanadier exakt so schnell und platzierte seinen Wagen derart geschickt, dass er 28 Runden lang einen D-Zug von Rivalen im Rückspiegel halten konnte. Mehrfach lag Ligier-Fahrer Jacques Laffite gleichauf, aber es reichte nicht. Die ersten Fünf Gilles Villeneuve, Jacques Laffite, John Watson, Carlos Reutemann und Elio de Angelis lagen innerhalb von nur 1,24 Sekunden!
Zurück in die Gegenwart: Die Madrilenen haben mit der Formel 1 einen Vertrag zur Ausrichtung des Grossen Preises von Spanien 2026 bis 2035 unterzeichnet. In Barcelona wird weiter gefahren, aber das Rennen heisst nun Grosser Preis von Katalonien.
Die Formel 1 hat seit Beginn der Gespräche mit IFEMA und deren Vertretern eine Reihe von Streckenvarianten durchgearbeitet, die zum aktuellen Entwurf führten – mit einer geschätzten Qualifying-Rundenzeit von rund 1 Minute und 30 Sekunden.
«Von der allerersten Idee bis zur heutigen Bahn gab es 24 Streckenmodelle, aber darüber hinaus auch zahlreiche Untersuchungen von Untervarianten und verschiedene Detailfragen», so Craig Wilson, Leiter der Fahrzeug-Performance bei der F1, der von Anfang an in den Prozess eingebunden war.
Das Layout bietet alles, von schnellen Schwüngen über enge Schikanen bis hin zu langen Geraden und kurzen Vollgas-Passagen – ein abwechslungsreiches Erlebnis für alle, die am Steuer sitzen. «Ich denke, es wird eine schöne Herausforderung für die Fahrer», glaubt Wilson.
Die Strecke nutzt sowohl öffentliche Strassen als auch privates Gelände, sodass einige Abschnitte eher wie ein Stadtkurs und andere eher wie eine permanente Anlage wirken – ähnlich wie beim Miami International Autodrome, um ein Beispiel aus dem aktuellen Formel-1-Kalender zu nennen.
Über das Gelände verläuft eine Hochstrasse, was bedeutet, dass die Streckenführung zwei kurze Tunnelabschnitte umfassen wird, um vom Recinto-Ferial-Komplex zum Erweiterungsgebiet Valdebebas und umgekehrt zu gelangen.
Klar ist La Monumental die Vorzeige-Passage, mit 550 Metern Länge (und SAFER-Prallschutz, wie in der IndyCar-Serie), aber die anderen Kurven haben es auch in sich.
T1: Eine der besten Überholmöglichkeiten, die Autos kommen aus einer 523 Meter langen Geraden. Abstand von der Pole zum Anbremspunkt für die erste Kurve: 252 Meter.
T2: Niedrigster Punkt der Strecke (671,05 Meter über Meer)
T3: Die Hortaleza, eine schnelle Rechts, welche in die schnellste Passage der Bahn mündet.
T4: Eine Highspeed-Rechts, die fast voll gehen sollte.
T5/6: Hartes Anbremsen notwendig, technische Finesse gefragt.
T6/7: Hier geht es hoch, um stattliche 8,3 Prozent, bis an Kurve 7 mit 696,7 Metern der höchste Punkt der Bahn erreicht wird. Nach der 6 geht es unter der Autobahn M11 durch.
T8: Der Bunker – wieder eine sehr technische Passage, es geht um bis zu 5,3 Prozent bergab. Wieso der Bunker? Weil sich hier zwei Bunker von 1936 aus der Zeit des Bürgerkriegs befinden.
T9: Ein leichter Knick, der von den meisten Piloten nicht als Kurve wahrgenommen werden wird.
T10/11: Schikane, die vor der Monumental ein wenig Tempo rausnimmt.
T12: La Monumental, DIE Kurve des Madring, mit bis zu 24 Grad Überhöhung, 550 Meter lang.
T13: Überholmöglichkeit nach der Geraden im Anschluss an die Monumental.
T14/15/16: Schnelle, fliessende Passagen.
T17: Hartes Bremsmanöver.
T18: Norte, gleich nach dem Tunnel, der Valdebebas mit der IFEMA verbindet.
T19: Wieder eine schnellere Rechts.
T20: Hier beginnt der langsamste Teil der Strecke, um die Messehallten 14 und 12 herum.
T21/22: Zwei 90-Grad-Kurven, bevor es wieder zurück auf Start und Ziel geht.
Der Madring wird für den Grossen Preis von Spanien 57 Mal umrundet.
Oft im Bild zu sehen wird die spanische Flagge sein, angeblich die grösste des Landes, mit 416 Quadratmetern Fläche, an einem 54 Meter hohen Mast.
Das Formel-1-Rennen wird den Tourismus in Madrid weiter ankurbeln: Die spanische Hauptstadt (3,5 Millionen Einwohner) hatte 2025 11,2 Millionen Besucher zu Gast, 59% davon kamen aus dem Ausland.
Die Madrilenen brüsten sich damit, wie gut das Messegelände via U-Bahn mit dem Stadtzentrum verbunden sei. Kein Vergleich zu Jarama vor 45 Jahren.
Schon gesehen?
Newsletter
Motorsport-News direkt in Ihr Postfach
Verpassen Sie keine Highlights mehr: Der Speedweek Newsletter liefert Ihnen zweimal wöchentlich aktuelle Nachrichten, exklusive Kommentare und alle wichtigen Termine aus der Welt des Motorsports - direkt in Ihr E-Mail-Postfach



