Kurios: Ferrari-Junior Rafael Câmara (Haas) ohne Autorennen in Brasilien
Rafael Câmara (21) wird ausgerechnet mit einem Heimrennen zum 34. Brasilianer in der Königsklasse. Der Ferrari-Zögling sagt vor seinem Einsatz: «Ich bin hier noch nie ein Autorennen gefahren.»
Brasilien erhält einen weiteren GP-Piloten. Der US-amerikanische Rennstall Haas wollte 2027 ohnehin mit den beiden Ferrari-Schützlingen Oliver Bearman (bisher) und Rafael Câmara (neu) fahren, nach der Trennung von GP-Sieger Esteban Ocon wird das Debüt von Câmara vorgezogen.
Das bedeutet für den kommenden WM-Lauf auch: Brasilien hat erstmals seit zehn Jahren wieder zwei Fahrer im Formel 1-Feld. 2016 waren das Felipe Massa und Felipe Nasr, nun sind es Gabriel Bortoleto und Câmara.
Rafael «Rafa» Chaves Câmara, geboren am 5. Mai 2005 in Recife (an der Ostküste von Brasilien), als Sohn eines Anwalts (Amaro Câmara) und einer Geschäftsfrau (Paul Chaves).
Witziges Detail: Niége Rossiter, die Oma mütterlicherseits von Câmara, gilt in Brasilien als Motorsport-Pionierin – sie war im Bundesstaat Pernambuco in den 60er Jahren die erste Rennfahrerin!
Rafa kletterte die klassische Rennleiter hoch: Mit sechs Jahren im Kart, elf Jahre Kartsport, bei dem er so gut wie alle regionalen und nationalen Titel abräumte. 2019 wurde er in Finnland WM-Zweiter hinter dem Niederländer Thomas ten Brinke.
2022 stieg Câmara in den Automobilsport ein, im gleichen Jahr nahm ihn Ferrari in das Förderprogramm namens «Ferrari Academy» auf (lustigerweise zeitgleich mit dem heutigen Haas-Teamgefährten Oliver Bearman).
Das Talent von Rafa war offensichtlich: Zweiter der Formel 4-Meisterschaft der Vereinigten Arabischen Emerirate 2022, Dritter in der italienischen und deutschen F4. 2023 Wechsel in die Formel Regional, erneut Gesamtdritter (Mittlerer Osten), Gesamtfünfter in Europa.
2024 drehte Rafa auf: Meister der europäischen Formel Regional, 2025 wurde er auf Anhieb Formel 3-Meister, 2026 führt der die Meisterschaft in der Formel 2 an (mit drei Siegen, fünf Pole-Positions, sechs besten Rennrunden und sieben Podestplazierungen).
Câmara fällt in seinen Rennen durch eine hervorragende Mischung aus Aggressivität und Rennintelligenz auf. Er hat zahlreiche Rennen gewonnen, nicht weil er schneller als jeder andere Fahrer im Feld war, sondern weil er cleverer agierte.
Nun also in Interlagos das Debüt in der Königsklasse. Brillenträger Câmara sagt dazu: «Ich bin überglücklich, ein ganz besonderes Wochenende für mich. Es gibt natürlich einen Riesenrummel, wenn du deinen ersten Grand Prix ausgerechnet vor eigenem Publikum fährst, aber ich will das auch geniessen können.»
Rafa enthüllt: «Ich bin noch kein Autorennen in Interlagos gefahren! Das letzte Rennen, das ich in Brasilien fuhr, war ein Kartrennen.»
«Die Vorbereitung war ein wenig seltsam. Als die Nachricht kam, dass ich den ersten Grand Prix fahren werde, war ich schon in Brasilien, aber ich hatte zuvor im Ferrari-Simulator die Möglichkeit, die Interlagos-Rennbahn virtuell zu fahren.»
«Zum Glück haben wir in diesem Jahr Interlagos nicht als Sprint-Wochenende! Der normale Ablauf mit den drei freien Trainings wird es mir erleichtern, mich ans 2026er Auto zu gewöhnen. Ich habe ja zuvor nur den letztjährigen Wagen bewegt.»
«Mein Ziel besteht darin, so viel als möglich zu lernen. Ich weiss, dass sehr viel auf mich zukommt, ich muss eine Menge verstehen, in kurzer Zeit. Aber ich will mir auch Mühe geben, dieses erste GP-Wochenende zu geniessen.»
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