Wer hat derzeit den schwierigsten Job im Formel-1-Fahrerlager?
Für die F1-Fans waren die Duelle der Mercedes-Piloten Kimi Antonelli und George Russell in Montreal beste Unterhaltung. Für einen Protagonisten im Fahrerlager sind sie hingegen ein Grund zur Sorge.
Wer hat den schwierigsten Job im Fahrerlager? Manch einer würde sagen, es sind die fleissigen Helfer hinter den Kulissen. Hunderte von Teammitglieder reisen bereits an, wenn die meisten Fahrer, Teamchefs und GP-Beobachter zuhause noch die Koffer packen. Es sind jene fleissigen Mitarbeiter, die auch nach dem Rennen als Letzte die Strecke verlassen.
Viele GP-Experten waren sich in den letzten Jahren dennoch einig, dass ein ganz bestimmter Fahrer im Formel-1-Feld den schwierigsten Job im Formel-1-Paddock hat – nämlich jener, der an der Seite von Ausnahmekönner Max Verstappen bestehen muss. Belege dafür, dass es alles andere als einfach ist, als Teamkollege des Red Bull Racing-Stars anzutreten, gibt es zuhauf. Die Liste der Fahrer, die sich am vierfachen Champion die Zähne ausgebissen haben, ist lang.
Nervenprobe für Toto Wolff
Dies könnte sich in diesem Jahr aber ändern, und das liegt nicht nur daran, dass Verstappen mit Isack Hadjar einen Stallgefährten bekommen hat, der sich zuletzt wacker geschlagen hat. Sondern auch an der Tatsache, dass die Saison 2026 für einen ganz anderen Fahrerlager-Dauergast zum Belastungstest werden könnte. Denn die Dominanz von Mercedes in diesem Jahr hat zur Folge, dass der Spitzenkampf grösstenteils von den beiden Sternfahrern Kimi Antonelli und George Russell ausgetragen wird.
Und wenn zwei ehrgeizige Fahrer aufeinandertreffen, ist hartes Racing garantiert. Das zeigte sich in Kanada gleich zweimal – sowohl im Sprint als auch im Grand Prix am Sonntag schenkten sich die beiden Teamkollegen nichts. Enge Rad-an-Rad-Duelle liessen die Zuschauer den Atem anhalten und sorgten für versteinerte Mienen am Mercedes-Kommandostand.
Nach dem Grand Prix, in dem sich die beiden Teamkollegen in einer Neuauflage des tags zuvor im Sprint ausgetragenen Spitzenkampfes knapp 30 Runden lang um die Führungsposition stritten, sagte Teamchef Toto Wolff, dass der Fight «gerade noch akzeptabel» war.
Déjà-vu für den Mercedes-Teamchef
Die Situation ist für den Kopf des Werksteams der Sternmarke nicht neu. Bereits vor zehn Jahren erlebte er einen Titelkampf, der seine Geduld und seine Nerven gleichermassen auf die Probe stellte. Damals stritten sich Lewis Hamilton und Nico Rosberg um die WM-Krone, und schenkten sich dabei nichts. Das Duo ging ans Limit, und manchmal darüber hinaus, und brachte den Wiener damit an den Rand der Verzweiflung.
Der clevere Österreicher griff mit ungewöhnlichen Massnahmen ein, um seine Schützlinge davor zu bewahren, in jedem Rennen aneinander zu geraten. So liess er sie – wie Rosberg später offenbarte – die Kosten für den Crash im Spanien-GP 2016 aus eigener Tasche berappen, beide mussten eine sechsstellige Summe abdrücken, und das zeigte Wirkung. Rosberg erklärte rückblickend: «Wir haben danach definitiv sichergestellt, dass wir nicht mehr aneinander geraten.»
Wolff liess in jenem Jahr auch ein paar Änderungen an den Boxencrews der beiden Mercedes-Piloten vornehmen, jeweils fünf Mechaniker wechselten auf die andere Seite der Box. Das sorgte für viel Wirbel und Kritik, und der Teamchef räumte später ein, dass diese Personalentscheidung durchaus psychologische Auswirkungen haben kann. Allerdings ginge es dabei auch um die Entwicklung des Personals, beteuerte er, und betonte: «Wir halten die Dinge in der ganzen Organisation nicht statisch, es ist eine dynamische Struktur, und dasselbe gilt für die Box.»
Sorgenfalten für den Teamchef, Spannung für die Fans
Welche Massnahmen Wolff in dieser Saison ergreifen wird, um seine Fahrer zu disziplinieren, wird sich zeigen. Der 54-Jährige hat schon vor dem Rennwochenende in Kanada beteuert, dass er in den vergangenen zehn Jahren viel dazugelernt hat, und er nun besser wisse, wie man mit solchen Situationen am besten umgeht. Dazu gehöre aber auch, beide Fahrer gegeneinander kämpfen zu lassen, und anzuerkennen, dass die Teamkollegen gleichzeitig die grössten Konkurrenten sind.
Gleichzeitig stellte der Teamchef klar: «Das Team ist immer grösser als der Fahrer.» Und er ist sich sicher, dass sowohl Antonelli als auch Russell wissen, wo sie die Grenze im Duell gegen den eigenen Stallgefährten ziehen müssen. Es ist ein schmaler Grat, und die Aufgabe, die Wolff dabei zukommt, ist alles andere als einfach. Sicher ist, dass die beiden ehrgeizigen Mercedes-Piloten auch weiterhin um jeden Zentimeter Strecke kämpfen und Wolff die eine oder andere Sorgenfalte bescheren werden. Für die Formel 1 und ihre Fans ist das Duell der Sternfahrer ein Segen, denn dank des Spitzenkampfs der Sternfahrer ist Spannung auf der Strecke garantiert
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