Mika Häkkinen zu Stallorder Ferrari/Mercedes: «Dann werden sie gekreuzigt»
Immer wieder heikle Situationen bei Mercedes und Ferrari zum Reizthema Stallorder. Der zweifache Formel-1-Champion Mika Häkkinen (57) weiss: Die Top-Teams balancieren auf einem schmalen Grat.
Nach der Stallorder ist vor der Stallorder: Zuletzt, beim Grossen Preis der Niederlande, wurde George Russell gebeten, für den näherrückenden Kimi Antonelli Platz zu machen. Wäre nicht nötig gewesen, denn der Italiener war auf frischeren Reifen ohnehin schneller.
Weniger klar war das Bild bei Ferrari, wo Lewis Hamilton am Funk forderte, Leclerc möge gefälligst Platz machen. Wozu der Monegasse keine Lust hatte. Wertvolle Sekunden verstrichen, Hamilton glaubte danach, dadurch sein ein Podestplatz flöten gegangen.
Mika Häkkinen ist nach Monza gekommen. Der 57-jährige Finne hat sich dabei über das heikle Thema Stallorder geäussert und weist darauf hin, dass die Top-Teams da auf einem schmalen Grat wandern.
Der Formel-1-Champion von 1998 und 1999 sagt: «Ich kann gut verstehen, wieso sich Hamilton in Zandvoort aufgeregt hat. In solchen Momenten kochen die Emotionen schnell mal über. Aber hier geht es nicht nur um Emotionen, hier geht es um gesunden Menschenverstand.»
«Was wir alle hin und wieder vergessen: Wir – also von aussen – haben mehr Informationen zur Verfügung als der Fahrer, der sich im Zweikampf befindet. Wir können oft das grössere Bild besser erfassen.»
«Hamilton jagte Leclerc, ihm standen nicht die ganzen Daten zur Verfügung, die von den Ferrari-Spezialisten gewälzt wurden. Und wenn dann die Kommunikation nicht gut läuft, dann wird eben am Funk geschimpft. So weit alles ganz normal.»
Der 20-fache GP-Sieger vertieft: «Der Knackpunkt für mich ist hier jedoch, dass die Rennställe mit Stallorder überaus behutsam vorgehen sollten. Eigentlich müssten sie darauf hin dann zurückgreifen, wenn es wirklich nicht anders geht. Bei der ganzen Diskussion spielt die Kommunikation eine ganz wichtige Rolle. Denn all diese Fahrer haben riesige Fan-Gemeinden, und wenn ein Team wie Ferrari oder Mercedes den einen oder den anderen Piloten bevorzugt, dann laufen sie Gefahr, dass sie von den Fans gekreuzigt werden.»
«Zu meiner Zeit war das etwas anders. Mein Hauptgegner damals war Michael Schumacher im Ferrari, und die Italiener haben Stallorder vom ersten Rennen an verwendet. Sie wussten, dass Schumi der Mann ist, der für sie die meisten Siege holt und die besten Chancen auf den Titel hat. Also hatte er die volle Unterstützung von Ferrari.»
«Wir bei McLaren vertraten eine andere Philosophie. McLaren wollte beiden Fahrern die gleichen Möglichkeiten geben. Stallorder in Sachen WM gab es erst dann, wenn für den einen Piloten der Titel mathematisch nicht mehr möglich war.»
«Heute wollen die Rennställe nicht nur die Fahrer-WM gewinnen, sondern vor allem die Konstrukteurs-WM. Also wird darauf geachtet, dass jedes Mal das beste Mannschaftsergebnis erreicht wird, auch auf die Gefahr hin, dass dies Stallorder für den einen oder anderen Fahrer bedeutet.»
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