EWC Bol d'Or: YART auf WM-Kurs, aber BMW-Power bereitet Neukirchner Sorgen
YART reist als WM-Leader zum Saisonfinale der Langstrecken-WM nach Südfrankreich. In Le Castellet bereitete sich die Mannschaft auf das Bol d’Or vor. Max Neukirchner liefert SPEEDWEEK.com Einblicke.
Für das Yamaha Austria Racing Team (YART) geht es beim Bol d’Or um die erfolgreiche Titelverteidigung und den vierten Titel nach 2009, 2023 und 2025. Die Ausgangslage für die österreichische Mannschaft ist vielversprechend: Mit 19 Punkten Vorsprung kommt YART als Tabellenführer zum Saisonfinale auf den Circuit Paul Ricard.
Bereits am 1. und 2. September war das Team in Le Castellet im Einsatz, um sich mit einem zweitägigen Test auf das 24-Stunden-Rennen vorzubereiten. Bei Marvin Fritz, Karel Hanika und Leandro Mercado lag der Fokus weniger auf einzelnen schnellen Runden als vielmehr auf längeren Runs und der Arbeit an der Abstimmung für die Renndistanz.
«Wir haben an beiden Tagen sehr konzentriert gearbeitet und konnten unsere Basis noch einmal verbessern», zog Crewchief Max Neukirchner bei SPEEDWEEK.com Bilanz. Besonders zufrieden zeigte sich der ehemalige GP- und Superbike-Pilot mit der Ausgeglichenheit seiner drei Fahrer: «Marvin, Karel und Leandro sind momentan sehr gut drauf und können auf einem sehr ähnlichen Niveau ihre Rundenzeiten abfahren. Genau das brauchst du für ein 24-Stunden-Rennen.»
Die Bedingungen lieferten YART zudem die Gelegenheit, das Motorrad bei großer Hitze zu erproben. Am zweiten Testtag wurden am Nachmittag rund 32 Grad Luft- und 45 Grad Asphalttemperatur gemessen.
Neben der Elektronik stand vor allem das Fahrwerk der Yamaha im Mittelpunkt. «Wir haben über die zwei Tage sehr viele Kilometer gesammelt und konnten verschiedene Dinge am Fahrwerk und an der Elektronik ausprobieren», erklärte Neukirchner. «Gegenüber dem vergangenen Jahr haben wir beim Fahrwerk noch einmal einen Schritt gemacht. Natürlich gibt es immer Kleinigkeiten, die man noch verbessern möchte, aber wir haben jetzt eine sehr gute Basis, mit der wir in die Rennwoche starten können.»
WM-Führung sorgt nicht für Entspannung
Der Vorsprung von 19 Punkten bringt YART vor dem Finale in eine günstige Position, verleitet die Mannschaft aber keineswegs dazu, beim Bol d’Or auf Sicherheit zu fahren. Zu viele Punkte sind beim 24-Stunden-Klassiker noch zu vergeben.
«Natürlich sind 19 Punkte Vorsprung besser als 19 Punkte Rückstand», schmunzelte Neukirchner. «Aber wir dürfen deshalb nicht glauben, dass wir entspannt zum Bol d’Or fahren und nur noch ins Ziel kommen müssen. Unser Ziel ist ganz klar: Wir wollen wieder Weltmeister werden.»
Für den Crewchief besteht eine der Herausforderungen darin, den Druck vor dem entscheidenden Wochenende nicht zu groß werden zu lassen. «Bei einem WM-Finale entsteht automatisch Druck. Auch wir haben Druck, weil wir etwas zu verlieren haben und weil wir dieses große Ziel erreichen wollen», weiß der 43-Jährige.
«Für mich als Crewchief ist es wichtig, dass daraus keine unnötige Nervosität entsteht. Jeder muss konzentriert seinen Job machen, aber gleichzeitig müssen wir als Team ruhig bleiben. Genau das hat bei diesem Test sehr gut funktioniert. Die Stimmung war entspannt, jeder war fokussiert und alle haben sehr professionell gearbeitet.»
Mistral-Gerade spielt BMW in die Karten
Eine der besonderen Herausforderungen für YART ist das Streckenlayout in Le Castellet. Auf der rund 1,8 Kilometer langen Mistral-Gerade ist Motorleistung gefragt – und genau dort sieht Neukirchner einen Vorteil für die Konkurrenz aus München.
«Wir wissen, dass die BMW auf der langen Geraden extrem stark ist und dort wahrscheinlich das schnellste Motorrad im Feld sein wird», räumte der Sachse ein. «Für uns ist es schwierig, diesen Vorteil auf der Geraden komplett auszugleichen. Deshalb müssen wir unsere Stärken an anderen Stellen nutzen.»
Für YART wird es deshalb darauf ankommen, über die kompletten 24 Stunden die Qualitäten des Gesamtpakets auszuspielen. Mit Fritz, Hanika und Mercado verfügt das österreichische Team über drei schnelle und erfahrene Langstrecken-Piloten, die beim Test mit konstanten Rundenzeiten überzeugten.
«Das Motorrad funktioniert gut, unsere drei Fahrer sind schnell und vor allem sehr konstant», unterstrich Neukirchner. «Bei einem 24-Stunden-Rennen zählt am Ende sowieso nicht nur die Höchstgeschwindigkeit. Das Gesamtpaket muss funktionieren.»
Nach den beiden Testtagen sieht der Crewchief seine Mannschaft für den Showdown gerüstet. «Die Fahrer sind fit, schnell und motiviert. Das Team funktioniert, wir haben eine gute Basis und wissen, in welche Richtung wir gehen wollen. Jetzt müssen wir in der Rennwoche ruhig und konzentriert weiterarbeiten.»
Was am Ende des Bol d’Or auf der Habenseite stehen soll, formuliert Neukirchner unmissverständlich: «Unser Ziel ist klar: Wir wollen am Sonntagabend Weltmeister sein.»
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