Mythos Monaco: Wie Olivier Panis (Ligier) vor 30 Jahren seinen Sieg einfuhr
Am 19. Mai 1996 gewann Olivier Panis mit Ligier sensationell den Grossen Preis von Monaco. Dann musste «La Grande Nation» unfassbare 24 Jahre lang auf einen neue GP-Sieger warten.
19. Mai 1996: Der Franzose Olivier Panis gewinnt den prestigeträchtigsten aller Grands Prix – in den Strassen von Monte Carlo. Es sollte der einzige GP-Triumph des Rennfahrers aus Ouillins bei Lyon bleiben.
2018 sagte Panis vor dem Rennwochenende in Monaco: «Als ich hier die Piste abstiefelte, schoss mir durch den Kopf – mein Sieg liegt mehr als 20 Jahre zurück! Verrückt, wie schnell die Zeit verfliegt. Klar hätte ich im Laufe meiner Karriere gerne mehr Grands Prix gewonnen als nur einen, aber ich bin immerhin Monaco-GP-Sieger. Das können nicht viele von sich behaupten. Wenn schon nur einen, dann der hier.»
2017 gab es erste Zeichen der Hoffnung für die französischen GP-Fans: Pierre Gasly erhielt eine Chance bei Toro Rosso (heute die Racing Bulls), Esteban Ocon zeigte bei Force India gute Rennen. Beide sind heute GP-Sieger: Gasly gewann den Grossen Preis von Italien 2020, Ocon den Grand Prix von Ungarn 2021.
Im aktuellen Rennprogramm des Monaco-GP sagt Panis über seinen Märchensieg vor 30 Jahren: «Wir waren das ganze Wochenende lang bei der Musik damals. Doch ein technisches Problem bedeutete Startplatz 14. Im Warm-Up von Sonntagmorgen fuhr ich dann Bestzeit.»
«Jeder sagte danach, ich sei mit wenig Sprit unterwegs gewesen. Aber das stimmt nicht, und wir waren uns ganz sicher, dass wir ein gutes Ergebnis herausfahren würden.»
So preschte Panis zum Sieg
Panis stiess im Grand Prix aggressiv vor und kam – ganz entscheidend – sehr früh zum Nachtanken an die Box.
Klar profitierte Panis auch von Ausfällen der Gegner. Olivier: «Die Autos waren damals viel defektanfälliger als heute, und Monaco war jedes Jahr ein richtiges Desaster in Sachen Standfestigkeit. Zudem waren die Regeln im Zweikampf viel lascher, alleine in der letzten Runde gab es vier Kollisionen!»
Bei einem so frühen Stopp stellte sich die Frage, ob der Sprit bis ins Ziel reichen würde. Panis weiter: «Ich hörte zum Schluss des Rennens Geräusche, die nicht da waren. Die Lage war kritisch, aber ich fühlte keine Furcht, ganz im Gegenteil war ich zuversichtlich, dass ich ein Spitzenergebnis einfahren würde.»
Nur drei Fahrer sahen die Zielflagge: Sieger Panis, der zweitplatzierte David Coulthard (McLaren) und Johnny Herbert im Sauber. Es war der erste Ligier-Sieg seit 15 Jahren und der letzte der französischen Rennwagenmarke.
Panis ist bis heute der letzte Franzose mit einem Sieg in Monaco: «Das ist gleichermassen eine Ehre und ein Stich ins Herz, denn Frankreich hatte immer herausragende Fahrer.»
Der 158-fache GP-Teilnehmer (WM-Achter von 1995) zum GP-Wochenende 2026: «Ich sehe Mercedes vorne, aber ich sähe es gerne, wenn Lewis Hamilton ein gutes Ergebnis gelingt mit Ferrari. Es wäre fabelhafte, den ersten Hamilton-Sieg in Ferrari ausgerechnet in Monaco zu erleben.»
Die grosse Krise in Frankreich
Aber wieso musste "La Grande Nation" von Panis bis Gasly mehr als 24 Jahre lang auf einen neuen GP-Sieger warten?
Antwort: Weil die gezielte Nachwuchsförderung vernachlässigt wurde, ein Problem, das Frankreich mit Italien teilt.
In den 1960er Jahren war die Rennfahrerschule Winfield legendär, die zunächst in Magny-Cours, dann in Le Castellet zuhause war. Wer das «Volant Winfield» gewann, also das Lenkrad von Winfield, wurde gezielt gefördert und durfte sich Hoffnungen auf eine erfolgreiche Rennkarriere machen.
Bis in die 1980er Jahre schien Frankreich ein scheinbar unerschöpflicher Quell an Renntalenten zu sein. Die grandiose Nachwuchsförderung von François Guiter als Motorsportchef des Mineralölkonzerns «elf» war massgeblich, warum wir uns über das gesammelte Talent von Jean-Pierre Beltoise, Henri Pescarolo, François Cevert, Patrick Tambay, Alain Prost, Didier Pironi, Erik Comas, Olivier Panis und so fort freuen durften.
François Guiter, in den 1950er Jahren Mitglied einer Spezialeinheit des französischen Geheimdienstes, wurde 1967 Marketing-Chef von elf, mit dem Auftrag, das etwas verstaubte Image des Konzerns aufzumöbeln. Guiter entschloss sich zum Engagement im Rennsport.
Elf wurde ein fester Partner von Matra, von Tyrrell, François Guiter gründete das «Volant elf», eine Rennfahrerschule, aus der zahlreiche Grand-Prix-Piloten hervorgingen. Guiter arbeitete dabei mit der Rennfahrerschule Winfield zusammen.
Mit Matra gewann elf bei den 24 Stunden von Le Mans, mit Jackie Stewart und Tyrrell in der Formel 1. Elf ging später eine langjährige, ebenfalls sehr erfolgreiche Partnerschaft mit Renault ein, die zu Siegen in Le Mans und in der Formel 1 führte.
Elf fusionierte 2000 mit TotalFina zu dem neuen Unternehmen TotalFinaElf, das seit 2003 Total heisst. Der Name hat mit der Zahl 11 übrigens nichts zu tun und steht vielmehr für «Essence et Lubrifiants de France». Das Logo stellt einen stilisierten Bohrmeissel mit einer blauen und einer roten Seite dar, der in der Mitte weiss bleibt, Symbol der französischen Flagge.
Schon gesehen?
Newsletter
Motorsport-News direkt in Ihr Postfach
Verpassen Sie keine Highlights mehr: Der Speedweek Newsletter liefert Ihnen zweimal wöchentlich aktuelle Nachrichten, exklusive Kommentare und alle wichtigen Termine aus der Welt des Motorsports - direkt in Ihr E-Mail-Postfach