Schleiz: Racing-Rentner Jörg Teuchert fährt mit der Yamaha R1 aufs Podest
In der Klasse Superbike open der Internationalen Bike Promotion Meisterschaft IBPM mischte sich der Ex-Weltmeister und ehemalige IDM-Champion mal wieder unter das fahrende Volk.
Jörg Teucherts Hauptthema ist nach dem Ende seiner Motorsport-Karriere eigentlich das Fahrrad. Doch gelegentlich treibt es den Endfünfziger auch mit dem Motorrad auf die Strecke, wo er sein Wissen als Instruktor weitergibt. Dort geht es dann allerdings mehr um so Dinge wie Bremsverhalten und Kurven-Scheitelpunkte. Als nun am vergangenen Wochenende die Internationale Bike Promotion Meisterschaft auf dem Schleizer Dreieck Station machte, entschied sich Teuchert, die Rolle des Fan-Boys gegen die des Racing-Rentners zu tauschen.
Mit seiner Yamaha R1 trat der Franken die kurze Reise von Hersbruck nach Schleiz in Thüringen an. Seine Frau Uli übernahm derweil das Fahrrad-Geschäft und die Töchter Sina und Jenny hatten Wichtigeres zu tun, als dem Herrn Papa zuzujubeln. Daher managte Teuchert den Renneinsatz als eine One-Man-Show. «Catering kann ich selber», versicherte er, «und zum Schrauben gab es nicht viel. Ich wollte nur mal wieder Motorrad fahren, es ging nicht um das perfekte Set-up.»
Nach dem Training reihte sich Teuchert, dessen Weltmeistertitel nun auch schon 26 Jahre her ist, mit der sechstbesten Zeit in Reihe 2 ein. Und wer Jörg Teuchert kennt, der weiß, dass dieser nicht nur aus Jux und Dollerei mitfährt. Ein Pokal sollte nach Möglichkeit schon drin sein. Am Ende wurden es zwei. Für den dritten Platz in Rennen 1 hinter Freddie Heinrich und Norick Tschauder. Heinrich wurde in Rennen 2 wegen unsportlichen Verhaltens aus der Wertung genommen und Tschauder fuhr einem ungefährdeten Sieg heraus. Teuchert hatte sich vor Kevin Michel auf den zweiten Rang platziert.
Der Geist war willig, aber der Körper war zu schwach.Jörg Teuchert
«Am Tag danach tun einem natürlich die Gräten weh», erklärte Teuchert nach dem Wochenende. «Ich wäre schon gern noch etwas schneller gefahren. Der Geist war willig und weiß ja auch, wie sich eine 1.26 min in Schleiz anfühlt, aber der Körper war zu schwach. An Tschauder konnte ich drei Kurven dranbleiben. Aber für die Passage nach dem Buchhübel fehlte mir einfach die Kraft. Spätestens als es Richtung Stadt runterging, wurde mir bewusst, wie scheisse anstrengend das ist. Man kann sich auf der Strecke nicht eine Sekunde erholen. Dagegen ist zum Beispiel Oschersleben die pure Entspannung. Dann der ständige Richtungswechsel unter vollem Zug. Das geht sicherlich noch eine Sekunde schneller, aber nicht mit meinem Körper.»
Erinnerungen an die IDM-Jahre werden wach
«Im Jahr 2012 bin ich bei der IDM mit der BMW 1.26 min gefahren», so Teucherts Erinnerungen an diverse Schleiz-Rennen. «Im Jahr 2004 war ich ähnlich schnell wie jetzt. Und das ist jetzt auch schon über 20 Jahre her. Die Ü50-Wertung habe ich jetzt am Wochenende mit Abstand gewonnen. Aber nein, an ein Comeback irgendwelcher Art denke ich nicht. Ich hatte extra für Sonntag noch neue Reifen dabei, aber das hat genau nichts gebracht. Ich habe im ersten Training mit einer 1.31 min angefangen und am Ende war es eine 1.29,8 min. Und das war’s, schneller ging es nicht. Ich habe das ja auch für mich gemacht und muss nichts beweisen. Wenn man montags wieder im Laden stehen muss, fährt natürlich auch die Vernunft mit.»
Viel zu tun hatte Teuchert in Schleiz nicht. Ein wenig putzen und alles durchkontrollieren. Mehr nicht. «Am Sonntag habe ich mir beim Vater von Tim Holtz noch Werkzeug ausgeliehen, um die Bremse zu entlüften», erzählt er. «Das hat ein wenig was gebracht. Aber ich hatte so Endurance-Bremsbeläge drauf und musste beim Bremsen ziehen wie ein Ochse. Durch die schnellen Ecken durch dachte ich, ich reiß den Hebel ab.»
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