WM-Favorit Manuel Gonzalez: «Das erhöht den Druck – ob man will oder nicht»
Der Spanier Manuel Gonzalez (23) ging als Führender der Moto2-Weltmeisterschaft in die Sommerpause. Die erste Saisonhälfte beurteilt er als hervorragend, das steigert automatisch die Erwartungen.
Wie Manuel Gonzalez im entspannten Gespräch erklärt, zeigt sich seine positive Entwicklung nicht nur in den starken Ergebnissen mit dem Team Liqui Moly Dynavolt Intact GP aus Memmingen, sondern auch darin, wie er die Wochenenden angeht, mit dem Druck umgeht und die Rennen versteht. Teil 1 des großen Exklusiv-Interviews von SPEEDWEEK.com.
Manu, wie erlebst du die Pause? Gut. Sie tut mir sehr gut, denn auch wenn die Leute vielleicht das Gegenteil denken, hatten wir sehr viele Rennen hintereinander. Ich nutze die Zeit, um wieder in Ruhe zu trainieren. Letzte Woche habe ich vor allem Konditionstraining gemacht, und diese Woche werde ich wieder aufs Motorrad steigen.
Abgesehen davon, dass du die Weltmeisterschaft anführst, warst du in den letzten Wochen auch wegen allem, was mit deiner Zukunft zu tun hat, sehr präsent. Wie gehst du mit dieser medialen Aufmerksamkeit um? Wenn man eine Meisterschaft anführt, zieht sich das Jahr sehr in die Länge. Man möchte immer, dass es so schnell wie möglich vorbei ist, weil man weiß, dass noch viel vor einem liegt und der Druck da ist. Am Ende gewöhnt man sich daran. Dass über dich aus dem einen oder anderen Grund gesprochen wird, ist eine Folge davon, ganz oben zu stehen. Ich versuche, mich weiterhin auf meine Sache zu konzentrieren und mir nicht zu viele Gedanken darüber zu machen.
Druck ist für dich nichts Neues: Mit 17 Jahren wurdest du Weltmeister in der Supersport 300 und hattest zuvor bereits den European Talent Cup gewonnen. Genau. Ich kämpfe schon seit vielen Jahren um Meisterschaften, diesen Teil kenne ich also bereits. Es ist nur so, dass jede Klasse eine größere Resonanz hat und daher auch der Druck zunimmt. Das ist etwas, das im Laufe deiner Karriere immer größer wird.
Du gingst mit einem Vorsprung von 51,5 Punkten in die Sommerpause, bei nur drei Rennen ohne Podiumsplatz in elf Grands Prix. Wenn du diese erste Saisonhälfte benoten müsstest… ...dann würde ich eine 9,5 von 10 vergeben. Wir haben im Vergleich zum letzten Jahr praktisch alles verbessert, was nötig war. Natürlich gibt es keine Perfektion und es gibt immer Situationen, die sich deiner Kontrolle entziehen, wie es am Sachsenring mit den Rennbedingungen der Fall war. Aber ich kann mich nicht darüber beschweren, wie der erste Teil der Meisterschaft verlaufen ist.
Ausgerechnet der Sachsenring brachte euer schlechtestes Ergebnis vor der Pause. Hat das einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen? Ja, vor allem, weil es das Heimrennen des Teams war. Jürgen Lingg hat mich vor dem Wochenende daran erinnert, dass es eine der wenigen Rennstrecken ist, auf der wir noch nie gewonnen haben, und das erhöht – ob man will oder nicht – den Druck. Wir wollten es unbedingt schaffen, aber es hat nicht funktioniert.
Wenn du dir den verbleibenden Kalender ansiehst: Gibt es Strecken, bei denen du denkst, dass du angreifen musst, und andere, auf denen du dich verteidigen musst? Ich weiß, dass ich praktisch auf allen um das Podium kämpfen kann, aber es stimmt, dass es einige gibt, auf denen ich mich besonders stark fühle. Silverstone, Portimao oder Indonesien sind Strecken, die mir sehr gefallen und auf denen ich glaube, dass ich den Unterschied ausmachen kann. Dagegen tue ich mir in Österreich oder Misano immer etwas schwerer. Trotzdem ist es das Ziel, auf allen Strecken konkurrenzfähig zu sein.
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