Mythos Sommerpause: Keine Arbeit bei den Formel 1-Rennställen? Von wegen!
Sie gehört zu den Mythen der Formel 1: die Sommerpause; wenn die Arbeit zwischen Rennen Ende Juli und Ende August ruht. Das Ganze hat nur einen Fehler, denn die Arbeit ruht durchaus nicht.
Am 26. Juli fand der Grosse Preis von Ungarn statt, am Freitag, 21. August, nimmt die Königsklasse dann wieder Fahrt auf, mit dem Sprint-Wochenende von Zandvoort in den Niederlanden.
Wir befinden uns in der Sommerpause, von welcher die meisten Fans glauben: Die Mitarbeiter der Rennställe machen zwei Wochen Ferien, die Arbeit im Rennwagenwerk ruht. Aber so ganz genau stimmt das nicht. Die Formel-1-Sommerpause ist ein Mythos.
Der langjährige Haas-Teamchef Günther Steiner hat das so erklärt: «Im Grunde ist es ganz einfach. Alle Arbeiten am Wagen sind während der Pause untersagt. Es gibt keine Entwicklung. Es gibt keine Herstellung. Aber die administrative Seite ruht natürlich nicht. Immerhin musst du ja weiterhin Rechnungen bezahlen und dich um die Gehälter der Angestellten kümmern.»
Ebenfalls nicht davon betroffen sind beispielsweise Reifentests, wie sie Pirelli im Anschluss an den Grand Prix auf dem Hungaroring durchgeführt hat (mit Audi, Alpine und Aston Martin).
Weiter ausgeschlossen sind Testfahrten mit jungen Piloten zur Ausbildung, die so genannten TPC (testing with previous cars), die mit Rennwagen früherer Jahre absolviert werden.
Die Sommerpause wurde eingeführt, um den geschundenen Mitarbeitern eine Verschnaufpause zu gönnen und ihnen Zeit mit ihren Liebsten zu lassen. Vor Jahren hat die damalige FOTA (Formula One Team Association) eine Selbstbeschränkung eingeführt, die Werke machten so gut wie dicht, seit 2014 ist die Sommerpause im Sportreglement der Formel 1 verankert.
Um die Aussagen von Günther Steiner zu verfeinern: Alles, was mit dem Einsatz eines Rennwagens oder dessen Leistungsfähigkeit zu tun hat, ist untersagt. Es werden keine Teile hergestellt, auch nicht bei Drittfirmen. Es dürfen keine Autos aufgebaut werden. Es gibt keine Windkanalarbeiten für diesjährige oder künftige Rennautos, die Computer für Flussberechnungen hören auf zu surren. Das Management darf keine Arbeiten vornehmen, was den Einsatz des Teams am Rennort betrifft, wie etwa Flug- oder Hotelbuchungen.
Und was ist erlaubt? Fremdaufträge von Kunden im eigenen Windkanal sind gestattet. An der Infrastruktur darf ebenfalls gearbeitet werden – an Gebäuden oder im Bereich IT, auch am Windkanal. Dazu alle Administrativ-Arbeiten über den Bezug zum Rennbetrieb hinaus, wie sie der Südtiroler Steiner erläutert hat.
Gemäss Reglement ist also klar, was getan werden darf und was nicht. Einige SPEEDWEEK.com Leser spinnen den Faden weiter und fragen, naheliegend: Aber wer kontrolliert das eigentlich?
Also habe ich vor einigen Jahren bei der FIA nachgehakt. Ein ranghoher Funktionär sagte mir damals: «Niemand. Es gibt keine Stichproben, es gibt keine Einsicht ins Werk. Wir vertrauen darauf, dass sich die Teamchefs als Verantwortliche ans Reglement halten.»
Ein Team-Manager, der es vorzieht anonym zu bleiben, vertiefte: «Natürlich habe ich Zweifel, dass sich alle komplett an die Sommerpause halten. Selbst wenn es Stichproben im Werk gäbe – wer will denn kontrollieren, was Mitarbeiter zuhause machen?»
«Aber hier zu tricksen, birgt grosse Risiken. Die grösste Gefahr, erwischt zu werden, sind für mich die so genannten Whistleblower. Zwischen den Rennställen kommt es fortlaufend zu zahlreichen Wechseln beim Personal, und da kann es leicht mal einen Mitarbeiter geben, der die Firma im Groll verlässt und sein früheres Team verpfeifen könnte.»
«Oder es könnte ein Leck bei Drittfirmen entstehen, bei Unternehmen, die für verschiedene Rennställe arbeiten. Erwischt zu werden, wäre für die ganze Formel 1 und ganz besonders fürs betreffende Team überaus peinlich. Potenzielle Whistleblower sind für die FIA die beste Garantie, dass sich die Rennställe an die Vorschriften halten.»
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