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Le Mans-Legende Tom Kristensen zur F1: «Wer das nicht kann, ist erledigt»

Der Däne Tom Kristensen (59) hat das legendärste Sportwagenrennen der Welt neun Mal gewonnen – die 24 Stunden von Le Mans. Der Audi-Botschafter analysiert der Stand der Dinge in der Formel 1.

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Dänemark hat überschaubar viele Formel-1-Piloten hervorgebracht, nämlich fünf. Ein weiterer hat zwar F1-Rennwagen getestet, stand aber nie am Start eines Grand Prix. Ab und an frage ich mich: Wie es wohl gekommen wäre, hätte die Karriere von Tom Kristensen einen anderen Verlauf genommen?

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Für mich ist der neunfache Sieger des 24 Stunden-Rennens von Le Mans ein Talent, das in der Formel 1 nie angemessen gewürdigt worden ist. Vor der Sommerpause ist Tom als Markenbotschafter von Audi zum Hungaroring gereist und hat sich die Zeit genommen, mit SPEEDWEEK.com über zahlreiche Aspekte der Königsklasse zu sprechen.

Tom, wie siehst du die Formel 1 der Generation 2026 – was findest du gut, was gefällt dir weniger? Die Autos sind kompakter und leichter geworden, und das sieht man auch; darüber bin ich sehr froh. Ich finde, diese Rennwagen sehen wirklich cool aus. Die Renner sind agiler, und das ist für die Formel 1 die richtige Richtung.

Was das grössere Bild angeht, so ist es elementar, dass der Motorsport relevant bleibt. Nun ist diese neue Rennwagengeneration vor vier oder fünf Jahren aufgegleist worden. Aber die Dinge ändern sich schnell in der Formel 1, mit sehr vielen sehr hellen Köpfen im Hintergrund.

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Was ich damit meine: Ein Reglement kann mit guten Absichten entworfen werden, aber die Entwicklung bei den Motorherstellern und bei den Rennställen verläuft so rasant, dass die ursprünglichen Absichten überholt werden. Wir haben das im Laufe der Jahre einige Male gesehen.

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Dennoch haben wir es erlebt, dass sich die Motorenhersteller beim Umgang mit diesen Antriebseinheiten schwertun, Stichwort Energie-Management, da sind nicht von Anfang an alle Hürden überwunden worden. Und das sage ich jetzt aus der Perspektive der Piloten und als ehemaliger Rennfahrer. Das zeigt sich auf einigen Strecken markanter als auf anderen.

Am Hungaroring war das viel weniger ein Thema als zuvor in Spa oder Silverstone, und wir hatten ein gutes Rennen. Die Fahrer hatten mehr Spass am Fahren als in Belgien oder England.

Grundsätzlich finde ich dieses Reglement interessant, aber es ist bald klargeworden, dass im Detail nachgebessert werden musste, und die Formel 1 hat das zusammen mit der FIA ja auch bereits getan.

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Stars wie Verstappen oder Alonso sagen: Überholmanöver mit diesem ganzen Energie-Management sind beliebig geworden. Was meinst du? Nun, die Aufgabe hat sich nicht geändert, du musst es schaffen, als Erster ins Ziel zu kommen, dazu musst du auch überholen können, und als moderner Rennfahrer musst du dich den Gegebenheiten anpassen können.

Wir haben das Jahre vorher im Langstreckensport getan, als bei uns die Hybrid-Rennwagen eingeführt wurden. Du brauchst die Fähigkeit, aus allem das Beste zu holen, nicht nur aus dem Auto, auch aus deinem Talent.

Ich finde es falsch zu argumentieren, dass es in einer perfekten Welt nur Gas, Bremse und Lenkrad gibt. So funktioniert das heute nicht. Die Dinge sind nun mal ein wenig komplexer als früher, und nun ist es ganz wichtig, dass sich ein Fahrer dem anpassen kann. Wenn du das nicht kannst, dann bist du erledigt.

Nun gibt es noch den Aspekt: Wenn du gewinnst, dann ist alles auf Rosen gebettet, wenn du nicht gewinnst, dann ist alles ein wenig ärgerlich. Aber die Kritiker unter den Piloten haben durchaus auch ihre Punkte – besonders im ersten Teil der Saison und auf gewissen Strecken wirkt das alles ein wenig künstlich.

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Der Sport ist nicht besser oder schlechter als früher, er ist einfach anders. Und unter den Besten sind noch immer jene Piloten, die anpassungsfähig sind. Es ist so schwierig wie einst, die Nase vorn zu haben.

Wie siehst du die Entwicklung von WM-Leader Kimi Antonelli? Er hat sich brillant entwickelt. Ich erinnere daran, welche Mühe er in seiner ersten Saison 2025 während einiger europäischer Rennen hatte. (Vom Red Bull Ring bis Zandvoort holte Kimi an fünf Wochenenden gerade mal einen Punkt. M.B.)

Ich finde es faszinierend zu sehen, wie rasant er sich entwickelt hat. Ich erkenne in der Formel-1-WM 2026 einige Lichtblicke, aber Kimi Antonelli ist für mich der hellste von allen.

Wie kann der Italiener mit nur 19 Jahren seinen erfahrenen Mercedes-Teamgefährten George Russell so in den Schatten stellen? Das mit den Jahren ist so eine Sache, denn selbst wenn der Italiener noch ein Teenager ist, dürfen die Leute nicht vergessen, wie lange er schon Rennen fährt und wie schnell die heutigen Rennfahrer reifen.

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Ein lustige Geschichte, die mir mein langjähriger Audi-Stallgefährte Dindo Capello 2025 erzählt hat. Ich habe Kimi wohl bei Testfahrten mit Audi getroffen, In Mugello oder Misano waren wir an der Arbeit mit den Sportwagen, und dieser Knirps kam mit einem Tretroller. Er sprudelte auf Italienisch, wie klasse er unsere Le Mans-Rennwagen fände.

Und er eröffnete Dindo und mir, dass er eines Tages in Le Mans fahren wolle. Er war mit seinem Vater Marco unterwegs, Kimi zu diesem Zeitpunkt ein fünfjähriger Kartfahrer, ich wusste nicht, wer das ist. Aber ich konnte spüren, dass dies ein Junge mit klaren Zielen und voller Leidenschaft ist.

Dann habe ich ihn auf einer Startaufstellung getroffen, da war er noch nicht GP-Fahrer, aber es war schon klar, wo sein Weg hinführen würde, das war vor vier Jahren oder so. Er kam auf mich zu, stellte sich vor und sagte Hallo. Er wusste genau, wer ich bin. Offenbar ein junger Mann, der sich für den Sport über den Tellerrand hinaus interessiert. Das fand ich interessant.

Vor der Saison 2025, das muss ich zugeben, war ich ein wenig nervös, als er so schnell in die Formel 1 gehoben wurde. Toto Wolff hat ihm bei Mercedes alle Möglichkeiten geschenkt, doch bei allem Talent war das auch ein gewisses Risiko.

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Das zeigte sich auch in besagtem Sommer, als die Leistungen nicht so gut waren und die Ergebnisse fehlten. Das war ein kritischer Punkt in seiner Karriere. Aber er hat sich da freigestrampelt.

Mit den 2026er Autos kommt er offensichtlich besser zurecht als mit der Rennwagengeneration zuvor. Heute strotzt er vor Selbstvertrauen. Schaut dir nur Bilder an in den letzten Runden eines Rennens wie in Monaco, wie er da den Wagen um die Ecken wirft – das geht so nur, wenn du mit dem Auto im Einklang bist und alles Vertrauen der Welt hast.

Wir haben ja zuvor von der Kritik an diesen Autos gesprochen. Ich bin überzeugt: Wenn du mental gut drauf bist, dann fährst du automatisch besser, auch in Bezug aufs Energie-Management. Mit diesen Autos brauchst du den ruhigen Gasfuss eines Piloten, der fest an sich glaubt. Und mit grossem Selbstvertrauen kannst du besser mit Druck umgehen und fährst besser. Wir sehen das auch bei Piloten in anderen Rennställen.

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