Piero Ferrari: «Michael Schumacher veränderte die Arbeitsweise bei Ferrari»
Ferrari verbeugt sich am GP-Wochenende von Italien vor Michael Schumacher, der in Monza 1996 siegte. Piero Ferrari, Sohn des legendären Enzo Ferrari, erinnert sich an den grossen Deutschen.
Ferrari macht einen grossen Knicks vor Michael Schumacher an diesem 2026er GP-Wochenende von Monza. Der unvergessene Deutsche hat vor dreissig Jahren hier im königlichen Park seinen dritten Grand Prix in Rot gewonnen (der erste war Spanien 1996, der zweite in Belgien), der Ferrari von Lewis Hamilton und Charles Leclerc ist so lackiert wie der Rennwagen von Schumi 1996, die heutigen Fahrer tragen besondere Overalls mit markanten Zeichen, wie etwa sieben Sternen für die sieben WM-Titel von Schumacher.
Bevor auf der traditionsreichen Monza-Bahn die Action losgeht, hat Piero Ferrari (81) – Sohn des legendären Firmengründers Enzo Ferrari – über den grossen Schumi gesprochen.
Piero Ferrari blickt zurück: «Zu Beginn der Schumacher-Ära war Ferrari noch nicht in der Lage, regelmässig um Siege mitzukämpfen, doch Michael gelang es dank seiner aussergewöhnlichen Qualitäten dennoch, grossartige Ergebnisse zu erzielen.»
«Sein Sieg in Monza im Jahr 1996 ist ein perfektes Beispiel dafür: Es war eine Leistung, die eines grossen Champions würdig war – an einem Ort, der für Ferrari eine besondere Bedeutung hat. Ich glaube, dieser Tag war auch für die Beziehung zwischen Michael und den Fans von grosser Bedeutung. Er war erst seit wenigen Monaten bei Ferrari und hatte bereits in Spanien und Belgien gewonnen, doch der Sieg in Monza vor diesem Publikum trug dazu bei, eine Bindung zu schaffen, die in den folgenden Jahren immer stärker werden sollte.»
«Michael verstand, was es bedeutete, für Ferrari zu fahren, und wie wichtig das für unsere Fans war, und ich glaube, dass er auch deshalb zu einem so wichtigen Teil ihrer Geschichte wurde und einen so besonderen Platz in ihren Herzen einnahm.»
Mit Michael Schumacher entstand bei Ferrari eine andere Mentalität im Team. Piero Ferrari weiter: «Ja, das stimmt. Zu Michaels Zeiten gab es eine grundlegende Veränderung in unserer Arbeitsweise. Bis dahin basierte die Entwicklung des Autos hauptsächlich auf den Eindrücken des Fahrers, seinen Anmerkungen und den auf der Rennstrecke gesammelten technischen Daten.»
«Michael ging jedoch einen Schritt weiter: Er begann auch, sein eigenes Verhalten im Auto zu analysieren. Ich erinnere mich, dass er die Telemetriedaten mit nach Hause nahm, um jedes Detail seines Fahrstils zu analysieren, zu verstehen, wo er sich verbessern konnte, und die Stellen auf der Rennstrecke zu identifizieren, an denen er den Unterschied ausmachen konnte. Dieser äusserst methodische, datengestützte Ansatz hatte tiefgreifende Auswirkungen auf die Kultur bei Ferrari und spiegelt sich auch heute noch in bestimmten Abläufen innerhalb des Teams wider.»
«Natürlich waren die Zeiten damals ganz anders. Damals gab es weitaus mehr Testfahrten, und all diese Analysen trugen dazu bei, sich so gründlich wie möglich auf das Training, das Qualifying und das Rennen vorzubereiten. Heute schränken die Vorschriften die Testmöglichkeiten stark ein, aber das Prinzip bleibt dasselbe. Michael hat gezeigt, wie wichtig es war, jedes Detail zu untersuchen, Daten als Werkzeug zur Verbesserung zu nutzen und sich mit grösster Sorgfalt vorzubereiten – auch abseits der Rennstrecke. Ich glaube, diese Fähigkeit, die eigene Arbeit zu analysieren und ständig nach Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen, ist eines der bedeutendsten Vermächtnisse, die er Ferrari hinterlassen hat.»
Natürlich ist Monza für Piero Ferrari kein GP-Wochenende wie jedes andere: «Jedes Mal, wenn wir nach Monza kommen, beeindruckt mich vor allem die Herzlichkeit der Fans. Monza war für Ferrari schon immer ein besonderer Ort, und es herrscht stets die Erwartung, dass das Team etwas Besonderes leisten kann – ganz gleich, wie die Saison bis zu diesem Zeitpunkt verlaufen ist. Die einzigartige Atmosphäre der Rennstrecke, die Unterstützung durch die Fans und die Leidenschaft, die man hier spürt, erzeugen eine besondere Energie für das gesamte Team und spornen alle dazu an, ihr Bestes zu geben, auch die Fahrer.»
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