Sebastian Vettel: Dieser Unfall liess den vierfachen F1-Champion zweifeln
Sebastian Vettel fuhr sein halbes Leben lang Autorennen. In seiner langen, erfolgreichen Formel-1-Laufbahn kam es nur einmal vor, dass er ernsthaft daran gezweifelt hat, ins Cockpit zu steigen.
Fast sieben Jahre ist der fürchterliche Formel-2-Crash her, der Anthoine Hubert das Leben kostete. Am 31. August 2019 startete der Franzose auf dem berühmt-berüchtigten Circuit de Spa-Francorchamps in sein letztes Rennen im Rahmen der Formel 1. Er wurde Opfer einer Verkettung unglücklicher Umstände. Die Nachwuchshoffnung aus Lyon wurde nur 22 Jahre alt.
Der Tod erschütterte die gesamte Motorsport-Gemeinde, auch die anwesenden Formel-1-Piloten waren tief berührt, wie die Schweigeminute vor dem damaligen Belgien-GP zeigte. Bei einem Fahrer löste der schlimme Unfall sogar Zweifel an der eigenen Arbeit am Steuer aus: Sebastian Vettel erzählt in seiner Kolumne für die «New York Times»: «In mehr als zwei Jahrzehnten gab es nur ein einziges Mal, bei dem ich ernsthaft daran gezweifelt habe, wieder ins Auto zu steigen.»
«Das war beim Grossen Preis von Belgien im August 2019, nachdem ein junger französischer Fahrer, Anthoine Hubert, im Alter von 22 Jahren bei einem Rennunfall ums Leben gekommen war», fährt der vierfache Champion fort. «Ich hatte selbst schon Unfälle, aber glücklicherweise waren es nur leichte. Ich habe auch schon andere verunglücken sehen. Aber dieser junge Mann hatte sein ganzes Leben noch vor sich, und es endete einfach, während wir alle zuschauten.»
Ich begann, eine Verantwortung zu spüren, die ich zuvor nicht gekannt hatte.Sebastian Vettel
Vettel wollte das Formel-1-Rennen am darauffolgenden Tag nicht fahren. Er erinnert sich: «Ich rief meine Frau Hanna an und sagte ihr, dass ich am Tag nach dem Unfall nicht fahren wolle. Ich schlief in dieser Nacht schlecht; dennoch entschied ich mich, zu fahren.» Der 38-Jährige, der damals für Ferrari auf Punktejagd ging, wurde Vierter. Und er merkte: Die Tragödie von Spa hatte etwas verändert: «Nach diesem Wochenende sah ich meinen Sport mit anderen Augen, was mir jedoch erst nach meinem Rücktritt wirklich bewusst wurde.»
«Ich hatte nie Angst vor der Geschwindigkeit, aber nun konnte ich sie sehen und nicht nur spüren. Ich begann, eine Verantwortung zu spüren, die ich zuvor nicht gekannt hatte. Mir wurde klar, dass Geschwindigkeit, Fortschritt und Innovation nur dann von Bedeutung sind, wenn sie uns in die richtige Richtung führen», erklärt der Heppenheimer, der seinen Rennfahrer-Helm nach der Saison 2022 an den Nagel hing.
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