Strafe für Kimi Antonelli in Monza: Italienische Fans warten seit 60 Jahren
Schafft WM-Leader Kimi Antonelli das Kunststück und macht sich zum ersten Italiener als GP-Heimsieger seit 1966? 16 italienische F1-Fahrer haben WM-Läufe gewonnen, aber in Monza sieht es düster aus.
Als Kimi Antonelli in China 2026 seinen ersten Formel-1-WM-Lauf gewann, machte sich der damalige Teenager zum ersten italienischen GP-Sieger seit Giancarlo Fisichella in Brasilien 2003!
Und wer nun glaubt, dass dies für die leidenschaftlichen italienischen Rennfans eine lange Wartezeit an, der sollte sich mal diese Statistik angucken: Der letzte italienische Sieger beim Heim-GP von Monza – Ludovico Scarfiotti vor 60 Jahren!
Der grosse Unterschied zwischen Scarfiotti 1966 und Antonelli 2026: Ludovico sass in einem Ferrari, Kimi sitzt in einem Mercedes.
Damit sind die Fans südlich der Alpen im Dilemma: Sollen sie ihr Ferrari anfeuern oder doch den Landsmann in einem Mercedes?
Ich kann mich gut an eine Aussage des 256-fachen GP-Teilnehmers Riccardo Patrese erinnern. Es war 1983 beim Grossen Preis von San Marino in Imola. Patrese hatte sich im Brabham an den führenden Ferrari von Patrick Tambay herangepirscht und überholt den Franzosen in der 55. von 60 Runden. Dann aber rutschte er in der Variante Alte von der Bahn. Die Fans tobten vor Freude, denn nun lag wieder ein Ferrari vorne. Tambay gewann.
Patrese sagte nachher ernüchtert: «Als Italiener bist du im eigenen Land nichts wert, wenn du nicht in einem Ferrari sitzt.»
Antonelli lässt die Fans träumen, denn die einzigen beiden Formel-1-Weltmeister aus Italien – Nino Farina und Alberto Ascari in den 50er Jahren, gewissermassen in der Steinzeit der Formel 1. Farina gewann 1950, Ascari triumphierte 1952/1953.
Ein Monza-Sieg von Kimi Antonelli wird jedoch ein hartes Stück Arbeit: Der WM-Leader muss einen frischen Motor einbauen lassen, noch ist nicht ganz klar, ob es sich lediglich um einen neuen Verbrenner handelt (zehn Ränge zurück) oder um eine komplette Antriebseinheit (Start von ganz hinten).
Immer wieder fragen sich Tifosi: Wieso sitzt dieser Kimi Antonelli eigentlich nicht in einem Ferrari? Wer hat das verbockt?
Der frühere Ferrari-Chef Luca Cordero di Montezemolo stammt wie Kimi aus Bologna und hat festgehalten: «Es wurmt mich schon ein bisschen, ihn in einem Mercedes zu sehen. Ich würde ihn liebend gerne in einem Ferrari erleben.»
Aber wieso ist das eigentlich so? Hatte Ferrari bei der Talentsuche den jungen Kimi einfach übersehen? Oder hat da jemand geschlafen?
Montezemolo dazu bei Sky Italien: «Ich weiss, dass unser damaliger Sportdirektor Massimo Rivola die Absicht hatte, Antonelli unter Vertrag zu nehmen.»
Giovanni Minardi (Sohn von Rennstallgründer Giancarlo Minardi) hat gegenüber der Gazzetta dello Sport festgehalten: «Wir begannen früh damit, daran zu arbeiten, Kimi möglichst schnell in eine Nachwuchsförderung zu bringen. Wir sprachen sowohl mit Ferrari als auch mit Mercedes – es war wichtig, klug zu handeln und denjenigen Partner auszuwählen, der die grössten Garantien bieten konnte.»
Marco Antonelli, Papa von Kimi, hat dazu im Portal Formula Passion gesagt: «Kimi war elf Jahre alt und durfte bei Ferrari sogar den Simulator in Maranello ausprobieren – denselben, der für die Schüler der Fahrer-Akademie von Ferrari entwickelt worden war. Alles war vorbereitet, um meinen Sohn bei Ferrari unterzubringen.»
«Aber Maurizio Arrivabene, damals Chef der Rennabteilung, sagte letztlich, mein Sohn sei zu jung. Einige Monate später meldete sich Mercedes bei uns, und der Rest ist Geschichte.»
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