Ungeregelter Brexit: Erschwernisse für die GP-Teams
Auch der internationale Motorsport bekommt die Auswirkungen des Brexits zu spüren. Auf die sieben Formel-1-Teams, die ihre Werke in Grossbritannien haben, kommen viele Erschwernisse zu.
Lando Norris ist Formel-1-Weltmeister 2025, mit Rang 3 in Abu Dhabi hat er sich erstmals den Titel gesichert, als elfter Fahrer aus Grossbritannien. Aber wer ist dieser Lando Norris eigentlich?
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Bisher lässt sich nicht abschätzen, ob Boris Johnson bis 31. Dezember noch einen Deal mit der EU für einen geregelten Ausstieg aus der Zollunion aushandelt oder ob es trotz ständig neuer Fristen und fast vierjähriger Verhandlungszeit zu einem ungeregelten Brexit kommt.
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Was auch immer passiert: Im Motorsport wird sich 2021 für die Veranstalter und die Teams und Fahrer bei den Events in Grossbritannien einiges ändern. Die Briten steigen aus dem Staatenbund aus, 27 europäische Länder verbleiben im EU-Binnenmarkt – mit einer Bevölkerung von 450 Millionen Menschen. Von den 27 EU-Staaten bilden 19 Staaten eine Wirtschafts- und Währungsunion. Am 1. Januar 2002 wurde der Euro als gemeinsame Währung für diese Länder eingeführt. Da Grossbritannien aus dem Staatenbund und Handelspakt ausgeschert ist und jetzt ein "No deal"-Brexit droht, kommen auf die Racing Teams, die künftig auf der Insel an Motorsport-Veranstaltungen teilnehmen, ganz neue Herausforderungen zu.
Jeder Team-Lkw muss künftig bei der Einreise nach Grossbritannien ein Carnet vorweisen, ein internationales Zolldokument, das alle erforderlichen Zolldeklarationen beinhaltet. Die Handhabung ist zwar einfach und erfordert keine besonderen Zollkenntnisse. Das Carnet ermöglicht die vorübergehende zoll- und abgabenfreie Einfuhr von Waren in über 75 Länder im Rahmen von drei hauptsächlichen Übereinkommen: Ausstellungen, Messen und ähnliche Veranstaltungen, Muster zur Vorführung, Berufsmaterial.
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Aber jeder Team-Lkw, der 2021 zum Beispiel zum Grand Prix nach Silverstone fährt, muss in diesem Carnet jedes noch so kleine Bestandteil aufzählen, das über die Grenze transportiert wird. Also alle Ersatzteile, das Werkzeug, die Boxendekoration, die Rennfahrzeuge, die Anzahl der Ersatzräder, der Reifen, der Ersatzmotoren, Verkleidungen, alle Computer, Kopfhörer, Sturzhelme, die gesamte Elektronik und so weiter.
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Und genau dieses Material muss nach der Veranstaltung auch bei der Ausreise noch vorhanden sein. Es muss alles wieder exportiert werden, was vor dem Rennen ins Land gebracht wurde. Sonst werden Zollgebühren und Strafen fällig.
Das mag sich auf dem ersten Blick nicht sehr aufwändig anhören, und die älteren Teammitglieder kennen das System aus den 1990er-Jahren, als auch Österreich und einige Oststaaten noch nicht zur EU gehörten. Trotzdem müssen alle betroffenen Teams umdenken. Denn die Lkw könnten an den EU-Aussengrenzen stundenlang im Stau stehen, auch wenn bei einem Carnet nichts verzollt werden muss. Es können von den Zollbeamten lästige und zeitraubende Stichproben gemacht werden.
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Momentan werden täglich aktuelle Fernsehbilder ausgestrahlt, auf denen kilometerlange Lkw-Staus an der Küste in Dover/GB zu bestaunen sind. Denn alle Firmen wollen vor dem 31. Dezember ihre verkauften Waren noch zollfrei in den EU-Binnenmarkt transportieren. In der Formel 1-WM sind nur drei Rennställe nicht in England beheimatet: Ferrari, Sauber und AlphaTauri. Auf die restlichen sieben Teams, die ihre Werke in Grossbritannien haben, kommen also bei Rennen, die in Europa stattfinden, viele Erschwernisse zu. Langfristig könnte es passieren, dass die Anzahl der Grossveranstaltungen in England sinkt. Oder dass sich F1-Teams eine Zweitniederlassung im EU-Raum suchen und die britischen F1-Lkw nur mehr in dringenden Notfällen heimfahren. Für die Superbike-WM 2021 in England wurden bereits die WM-Läufe für die beiden Supersportklassen 300 und 600 ccm gestrichen. Für den Motorrad-GP in Silverstone wurde von der Dorna kein Rahmenrennen angesetzt – weder MotoE-Weltcup noch Red Bull Rookies Cup.
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Sogar unsere britischen Journalisten-Kollegen machen sich Sorgen. Und zwar wegen der Reisefreiheit. Wegen der Pandemie erlaubt die britische Regierung vorläufig nur unverzichtbare Geschäftsreisen in die Länder der EU. Da die Formel 1 im United Kingdom zehntausende Arbeitsplätze sichert, kann dieser Industriezweig wohl als lebenswichtig eingestuft werden. Aber darf jeder Triumph-Mitarbeiter zu den Moto2-Rennen reisen, bei denen die Briten die Einheitsmotoren liefern? Darf jeder britische Mechaniker künftig seinem Beruf bei den Grand Prix im EU-Gebiet nachgehen? Diese Fragen müssen alle noch geklärt werden. Ohne EU-Zugehörigkeit gehört auch der freie Personenverkehr für Großbritannien der Vergangenheit an. Werden die Briten künftig eine Arbeitserlaubnis brauchen, wenn sie ihr Geld in EU-Staaten verdienen wie zum Beispiel ein GP-Mechaniker? "Ich fürchte, wir werden wie alle anderen Nicht-EU-Länder daheim eingesperrt werden", meint der renommierte MotoGP-Berichterstatter Mat Oxley. "Denn ich bezweifle, dass mein Beruf als unverzichtbar eingestuft wird, wenn ich über Motorräder berichte, die irgendwo auf der Welt im Kreis fahren."
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Selbst britische Urlaubsreisende werden wegen der aktuellen Covid-19-Beschränkungen ab 1. Januar 2021 an der Einreise in EU-Länder gehindert, die hohe Infektionsraten aufweisen. Bisher gilt das sogar für Personen, die in Spanien, Portugal oder Frankreich einen Zweitwohnsitz haben. Nur eine Handvoll der 27 EU-Staaten mit einer geringen Infektionsrate erlauben Einreisen aus Nicht-EU-Staaten in ihre Länder. Angesichts der neuen Virus-Variante, die in Grossbritannien entdeckt wurde, gibt es bereits in diesem Jahr Reisebeschränkungen für die Briten. So lassen die Niederlande seit dem heutigen Sonntag bis mindestens 1. Januar keine Flugpassagiere aus dem Vereinigten Königreich mehr einreisen, um die Ausbreitung der Mutation zu verhindern, die deutlich ansteckender ist als die bekannte Variante. Auch Belgien und Italien folgten dem Beispiel, weitere Länder, wie etwa Deutschland, Frrankreich und Österreich erwägen Flugeinschränkungen. Formel-1-Kalender 2021 21. März: Melbourne, Australien 28. März: Sakhir, Bahrain 11. April: Schanghai, China 25. April: Austragungsort noch offen 09. Mai: Barcelona, Spanien 23. Mai: Monte Carlo, Monaco 06. Juni: Baku, Aserbaidschan 13. Juni: Montreal, Kanada 27. Juni: Le Castellet, Frankreich 04. Juli: Spielberg, Österreich 18. Juli: Silverstone, Grossbritannien 01. August: Budapest, Ungarn 29. August: Spa, Belgien 05. September: Zandvoort, Niederlande 12. September: Monza, Italien 26. September: Sotschi, Russland 03. Oktober: Singapur, Singapur 10. Oktober: Suzuka, Japan 24. Oktober: Austin, USA 31. Oktober: Mexiko-Stadt, Mexiko 14. November: São Paulo, Brasilien 28. November: Dschidda, Saudi-Arabien 05. Dezember: Yas Marina, Abu Dhabi
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