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Formel 1Kolumne

Unseren Glückwunsch: Alfa-Racer Gerd Schüler ist 80

Profi-Rennfahrer, Unternehmer und Disco-Betreiber in Personalunion – Gerhard Schüler zählte in den wilden 1960er- bis 1980er-Jahren zu den schillerndsten Figuren der deutschen Rennsport-Szene.

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Gerhard Schüler mit seinem geliebten Alfa GTA von 1967
Gerhard Schüler mit seinem geliebten Alfa GTA von 1967
Foto: Lifephoto Maka
Gerhard Schüler mit seinem geliebten Alfa GTA von 1967
© Lifephoto Maka

Wer kannte damals nicht die Discos "Cockpit" in Mannheim, "Grand Prix" in Ludwigshafen oder die exklusive Party-Location "Dorian Gray" unterm Frankfurter Flughafen? Und welcher Fan hat zu dieser Zeit nicht den Racer Gerd Schüler im Alfa GTA oder im Werks-Escort TC am Berg bewundert? Am 20. August 2021 wird der immer noch umtriebige Ex-Racer und Partymacher der Nation 80 Jahre alt geworden – unseren herzlichen Glückwunsch!

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Gerd Schüler gehört zu jener berühmten Mannheimer Racing-Clique der 1060er Jahre, die das legendäre Bergrennen Eberbach und das HMSTC-Saisonfinale in Hockenheim zu ihrem alljährlichen Racing-Happening erhoben. An Schülers Alfa Giulia Super TI schraubte noch der junge Kfz-Mechaniker-Lehrling Jochen Mass, sein Teamchef war der rennsportbegeisterte Mannheimer Alfa-Händler Helmut Hähn. Der durfte für sich in Anspruch nehmen, für so manche Rennfahrerkarriere den Grundstein gelegt zu haben. Das gilt sowohl für Schüler als auch für Mass, Harald Ertl und noch ein paar Andere. "Eine wahnsinnig gute Zeit war das damals", schwärmt Schüler noch heute, "ich habe jeden Tag genossen."

Im Laufe der Jahre wurde aus dem Berg-Spezialisten Schüler einer der vielseitigsten und erfolgreichsten deutschen Rennfahrer. Herausragend sind sein Bergtitel 1965 im Alfa (punktgleich mit Heinz Liedl im Steyr-Puch) und seine zehn Siege bei zehn Starts als Ford-Werkspilot im Bergchampionat 1969. Zusammen mit Dieter Glemser bildete Schüler 1969 übrigens auch das erste Werksfahrer-Duo der neu geschaffenen Ford-Rennabteilung unter Sportchef Jochen Neerpasch in Köln

Eigentlich hat Schüler gleich zwei Karrieren hingelegt – als Rennfahrer zwischen 1962 und 1974, und als Geschäftsmann nach Abschluss der sportlichen Laufbahn. Als einen der ganz großen Höhepunkte auf der Rennstrecke bezeichnet er den zweiten Platz im Porsche 908 beim 1000 km Sportwagen-WM-Lauf in Monza 1972 zusammen mit Reinhold Joest. "Im strömenden Regen haben wir uns ein traumhaftes Duell mit dem Ferrari 312 PB von Ickx und Regazzoni geliefert."

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Ausgerechnet Monza, wo Schüler vier Jahre zuvor als Alfa-Werksfahrer bei einem Lauf zur Tourenwagen-EM nur um Haaresbreite einer Katastrophe entging. Nach einem haarsträubenden Crash zog man ihn mit einem doppelten Rückenwirbel- und Beinbruch aus dem völlig zertrümmerten Auto Delta-GTA. "Ich hatte unheimliches Glück, daß ich nicht querschnittsgelähmt im Rollstuhl gelandet bin."

Ob Abarth TC, Alfa Giulia und GTA, Ford Escort RS, Opel Kadett oder Commodore, Porsche Carrera 6 und 908 oder zum guten Schluß noch der Lola Formel Super VW im ATS-Rennstall seines Kumpels Günther Schmid – rückblickend hat Schüler mit jedem seiner zahlreichen Wettbewerbsautos Freundschaft geschlossen.

Zu seiner besten Zeit als Groß-Gastronom betrieb er zusammen mit seinem Geschäftspartner Michael Presinger bis zu 50 Discos und Restaurants gleichzeitig. "Über die Zeitspanne von mehreren Jahrzehnten waren es sogar über 100 Betriebe", rekapituliert Schüler, "aber wir haben auch Fehler gemacht und teuer dafür bezahlt."

Zumindest mit der Edel-Location "Dorian Gray" im Frankfurter Flughafen hat er nichts falsch gemacht, die Groß-Disco mit einem Fassungsvermögen von rund 2000 Gästen wurde fester Treffpunkt für den Jet-Set und die Prominenz aus Showbusiness, Sport und Wirtschaft.

In bester Erinnerung sind noch die Formel-1-Partys von 1979 bis Ende der 1080er-Jahre im "Gray", zu denen immer donnerstags vor dem deutschen Grand Prix nahezu alle GP-Piloten einliefen. "Bernie Ecclestone persönlich hatte nach einer Vorbesichtigung der Location für den Besuch der Formel-1-Party sogar eine Art kollektiven Marschbefehl ausgegeben", so Schüler, der noch heute stolz darauf ist, dass er für das regelmäßige Erscheinen der F1-Superstars "nicht einen Pfenning Startgeld" bezahlen musste. "Wir haben diese Goldgrube leider nach 22 Jahren zum Ende 2000 schließen müssen, weil die neuen Brandschutzauflagen rein baulich nicht mehr umsetzbar waren", erläutert Schüler nicht ohne Wehmut in der Stimme.

Zusammen mit seiner Frau Tamara, mit der er seit 55 Jahren verheiratet ist, lebt der Jubilar in Neu-Isenburg bei Frankfurt und ist gerade dabei, sein aufregendes Leben in einem aufwändigen Bildband nachzuerzählen. Das Werk mit dem Titel "Kunstwerk Leben" mit den Themenschwerpunkten Rennsport und Dorian Gray soll im Herbst erscheinen.

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