Vor Monaco-Quali: Antonelli top, Ferrari schwach, Norris verpfeift Hamilton
Die schnellen 22 Herren haben vor dem Abschlusstraining zum Grossen Preis von Monaco eine ziemlich kurze Zündschnur: Das gibt vor der Qualifikation zum Traditions-GP zu reden.
Eine Szene kurz vor Schluss des dritten Trainings zum Monaco-GP ist das beste Beispiel dafür, wie geladen die Stimmung ist. Lando Norris lief auf Lewis Hamilton auf und jammerte danach sofort am Funk: «Er ist mir in den Weg gekommen, das hat er mit voller Absicht gemacht.»
Hamilton seinerseits setzte diesen Funkspruch ab: «Norris hat’s in Kurve 15 hinein total übertrieben, er hat versucht, es so aussehen zu lassen, als würde ich ihn blockieren.»
Einige Fahrer haben einen dicken Hals, dies aus ganz unterschiedlichen Gründen. Und mit diesem Frust werden sie in die Quali gehen. Das ist gefährlich. Denn der langjährige GP-Fahrer Martin Brundle hat mal gesagt: «Wut ist ein schlechter Berater im Cockpit, die fördert nur Fehler.»
Wütend sind zahlreiche Fahrer über Haas-Pilot Oliver Bearman. Gut eine Viertelstunde vor Schluss setzte der Engländer seinen Rennwagen bei der Anfahrt zum Casino rechterhand in die Leitschienen. Das hat viele Fahrer die Möglichkeit gekostet, zum Schluss nochmals eine Quali-Simulation zu fahren.
Ollie am Funk: «Es tut mir so leid, Jungs, aber das ist nur wegen des verfluchten Aufsetzens.»
Tatsächlich war bei Zeitlupenbildern zu sehen, wie Staub aus dem Heck des Haas aufgewirbelt wurde, als die Bodenplatte heftig auf dem Asphalt schrammte. Aber das ist nur die halbe Wahrheit.
Denn der frühere GP-Fahrer Timo Glock hat erkannt: «Das Aufsetzen ist das Eine, aber Bearman hat den Wagen in dieser Situation komplett falsch positioniert. Er wurde von einem Williams auf der linken Seite irritiert und fuhr mindestens einen Meter zu weit rechts. Da gerätst du auf den schmutzigen Teil der Piste und das Heck bricht ratz-fatz aus.»
Wo ist der tolle Speed von Ferrari vom Freitag hingekommen? Nochmals Timo Glock: «Da gibt es zwei Aspekte zu beachten. Erstens hat Mercedes in Sachen Abstimmung gemessen am Freitag offenbar tolle Fortschritte erzielt. Bei Ferrari ist dieser nächste Schritt bislang nicht gekommen. Und dann beklagte sich Leclerc heute wiederholt über die Bremsen.»
Das ist ein Thema, das sich in Montreal angedeutet hatte. Ferrari hat an den Bremsen gearbeitet, und schon in Kanada fiel auf, dass Hamilton auf der Bremse stärker zu sein scheint als Leclerc. Timo Glock vertieft: «Es geht hier entweder um die rohe Verzögerung oder um das Feingefühl für die Bremse oder um eine Kombination von beiden. Fakt ist – Charles war schon in Montreal mit den Bremsen nicht happy.»
Happy hingegen ist WM-Leader Kimi Antonelli, der schnellste Mann im dritten Monaco-Training. Nochmals Timo Glock: «Ich fand die Körpersprache von Antonelli sehr vielsagend. Kimi kam total entspannt nach Monaco und sagte sogleich, wie sehr er sich auf die Action von Monte Carlo freue, er verströmt so viel positive Energie und platzt fast vor Selbstvertrauen. Und dann war er von der ersten Runde an voll da und war immer mindestens drei, vier Zehntel vor George Russell.»
«Zum Schluss des dritten Trainings sind es nun sogar mehr als sieben Zehntel geworden. Gut, Russell hatte auch keine freie Runde, aber das alles erhöht natürlich den Druck auf den Engländer noch mehr. Russell muss hinterherlaufen. George kommt nach jedem Lauf in die Box und erkennt auf dem Zeitmonitor: ‘Verdammt wieder drei, vier Zehntel hinten, wo soll ich die finden?’ So etwas nagt an dir, und dann kannst du es schnell mal übertreiben. Da haben wir bei Russell schon im dritten Training einige Ausrutscher erkannt.»
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