Wolff (Mercedes) zu Pech Antonelli/Glück Russell: Das darf nicht passieren!
Nur in der Formel 1 liegen Glück und Leid im gleichen Team so dicht beisammen: Antonelli ohne Punkte statt Sieger, Russell unverhofft auf dem Podest. Die Einschätzung von Mercedes-Teamchef Toto Wolff.
Was für ein verrückter Grand Prix von Grossbritannien! Da war alles drin, was den Formel-1-Sport so faszinierend macht – tragische Helden, grosse Kämpfer, rabenschwarzes Pech, unverhofftes Glück, die Fans wussten teilweise überhaupt nicht mehr, wo sie hingucken sollen.
Fazit aus Sicht von Mercedes: Kimi Antonelli hatte den Speed eines Silverstone-Siegers und war dabei, Leader Leclerc einzuholen, aber dann brach ein Luftleit-Element links vorne, das sich in der Aufhängung verklemmte, Antonelli mehrfach neben der Bahn, dann an der Box, Kimi wollte sich durchbeissen, aber erhielt eine Fünfsekunden-Strafe, weil er eben mehrfach neben der Bahn gewesen war.
Und Russell? Er stand die meiste Zeit im Schatten von Antonelli, hatte zu allem Übel noch einen Platten, doch am Ende gab es ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk aus Maranello – Ferrari holte in der Safety Car-Phase (Verstappen-Unfall) beide Fahrer an die Box, Leader Leclerc und den zweitplatzierten Hamilton, aber weil Mercedes Russell clever draussen liess, war George auf einmal Zweiter.
Dann nochmals Glück für Russell: Weil das Rennen unter Gelb zu Ende ging, hatte Hamilton keine Chance mehr, sich auf seinen früheren Mercedes-Teamgefährten zu werfen.
Da musste auch Toto Wolff nach dem turbulenten Grand Prix erst einmal tief durchatmen, bevor der das Geschehen wie folgt einstufte.
«Nach so einem Rennen bleibt natürlich ein bittersüsser Nachgeschmack. Wir haben einen zweiten Platz eingefahren, den George total verdient hat, weil es in den letzten Wochen bei ihm selten rund gelaufen ist.»
«Am Ende ist für uns P2 herausgekommen, zu einem Zeitpunkt, als wir eigentlich glaubten, dass wir kaum Punkte holen. Das ist der süsse Teil.»
«Der bittere Teil besteht darin, dass Kimi sich in Riesenschritten Leader Leclerc näherte. Gemäss unserer Berechnung hätte er ihn sechs Runden vor Schluss eingeholt, und dann hätten wir alle ein fabelhaftes Duell zu sehen bekommen.»
Wie konnte am Mercedes von Antonelli dieses Luftleit-Element abbrechen? Toto Wolff meint: «Wir vermuten, das hängt mit einem Ritt über einen Randstein zusammen, wohl in Kurve 9, wo der Randstein recht hoch ist. Aber das darf keine Entschuldigung sein. Fakt ist – dieses Teil darf nicht abbrechen. Wir werden jetzt im Rennwagenwerk klären, wieviel Kraft auf das Teil eingewirkt hat. Aber im Moment sind wir einfach nur enttäuscht.»
«Ferrari war stark heute, aber ich bin überzeugt, mit Kimi hatten wir das Tempo, hier zu gewinnen. Ferrari selber hatte wegen des Energie-Managements nicht damit gerechnet, hier stark zu sein, aber das waren sie. Ferrari ist ein echter Gegner.»
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