Sieg, Bangen und Erlösung: Pascal Wehrlein (Porsche) ist Doppel-Champion
Formel-E-Finale in London: Trotz des Rückfalls auf Platz 14 krönte sich Porsche-Fahrer Pascal Wehrlein in London zum zweiten Doppel-Weltmeister, wie zuvor Jean-Éric Vergne.
Der 31-jährige Sigmaringer Pascal Wehrlein war als Dritter der Gesamtwertung in die beiden letzten Rennen (auch letztmalig im ExCel London, ab nächster Saison ist Brands Hatch Schauplatz) gegangen und schien alles souverän zu kontrollieren: Pole am Samstag vor Teamkollegen Nico Müller, der die Verfolger – vor allem Jaguar-Rivale Mitch Evans – geschickt auf Distanz hielt.
Als Wehrleins Konkurrenten Pech hatten, weil sie den Boost noch vor einer Gelbphase abgeholt hatten, während andere später und damit billiger zur Zusatzleistung kamen, war das 16. Saisonrennen für den Ex-F1-Piloten gelaufen. Die WM-Gegner Jake Dennis (Andretti-Porsche) und Evans wurden Zweiter bzw. Achter.
Auch im Finallauf schien es für Wehrlein günstig, obwohl er im Qualifying im Halbfinale wie auch Müller gegen die Mahindras von Nyck de Vries und Edo Mortara unterlag. Evans startete nur hinter den beiden Porsche als Fünfter, Dennis gar nur von Rang 16.
Doch der Champion von 2023 kam im Finish mit mehr Energiereserve als alle anderen zügig nach vorn. In Runde 27 von 35 gab es drei Führungswechsel in er virtuellen WM-Wertung innerhalb von drei Kurven!
Wehrlein war stark unter Druck von Ex-Porsche-Kollegen Antonio Felix da Costa (Jaguar), der seinem Team natürlich zum WM-Titel verhelfen wollte und dabei auch Evans unterstützen konnte.
Wehrlein sollte den ebenfalls angreifenden Sébastien Buemi (Abschiedsrennen von Envision-Jaguar und der Formel E) vorbeilassen, wurde aber auch von da Costa bedrängt und wurde auf Platz 12 zurückgereiht. Dennis nützte mit Attack Mode die Situation und war plötzlich Achter und damit WM-Leader, während Evans Vierter war.
Der Neuseeländer, der nächste Saison für das neue Opel-GSE-Team fahren wird, hing aber bis zum Schluss hinter dem späteren Überraschungssieger Taylor Barnard und den beiden Mahindras fest.
Als Wehrlein vier Runden vor dem Ende noch mit Joel Eriksson im zweiten Envision kollidierte, war ein Punktgewinn endgültig passé.
Dabei kam auch Dennis’ Auto so zu Schaden, dass der Lokalmatador in der Box aufgeben musste. Wehrlein erhielt nach dem Rennen eine Fünfsekunden-Strafe, die in Rückversetzung um drei Startplätze für sein nächstes FE-Rennen umgewandelt wurde.
Doch das trübte den Jubel im Porsche-Lager nicht: Wehrlein beendete die Saison 12 mit 169 Punkten vor Dennis (164), Evans (160) und Titelverteidiger Oliver Rowland (Nissan, 137). Die Teamwertung gewann Jaguar mit 288 Zählern vor Porsche (271) und Mahindra (252). Bei den Herstellern war Porsche ohnedies überlegen (498 zu 400 von Jaguar und 292 von Stellantis).
«Ich bin unheimlich stolz darauf, wie wir am Wochenende abgeliefert haben und wie wir dem Druck standgehalten haben», erklärte der neue Weltmeister. «In den ersten 15 Saisonrennen haben wir die Messlatte sehr hoch gelegt; heute haben wir den Job zu Ende gebracht. Ich möchte allen im Team und allen im Werk danken, die geholfen haben, dieses Rennauto zu bauen. Wir sind der erfolgreichste Hersteller der GEN3-Ära. Ich liebe mein Team, einfach alle, die mit mir arbeiten und an mich glauben. Ein ganz besonderer Dank gilt Nico für seinen Beitrag.»
«Zwei FIA-Weltmeistertitel im Jahr, in dem Porsche 75 Jahre Motorsport feiert – darauf können wir alle sehr stolz sein», ergänzte Sportchef Thomas Laudenbach.
Jubeln durfte auch Barnard, mit 22 Jahren der jüngste FE-Sieger aller Zeiten mit dem Penske-Team, dessen Teilnahme an der 13. Saison noch nicht bestätigt ist. Teamkollege Max Günther verpasste in London (12. bzw. 11.) Punkte und wurde WM-18.
Buemi beendete seine letzte FE-Saison mit den Rängen 4 und 5 als WM-Zehnter unmittelbar hinter Landsmann Müller. Mortara kam dank der Plätze 7 und 3 auf WM-Rang 5, punktgleich mit Rowland. In den letzten Karriererennen sah Lucas di Grassi (Abt-Lola-Yamaha) keine Zielflagge.
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