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KTM-Chef Neumeister: «Weiß nicht, wie lange die Leine ohne Ergebnisse ist»

Stück für Stück arbeitet sich KTM aus der Krise. Geschäftsführer Gottfried Neumeister im Interview über das erste Halbjahr 2026 und wie die Zusammenarbeit mit den neuen Eigentümern aus Indien läuft.

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Zum Abschluss des Sanierungsverfahrens der Ende 2024 in die Zahlungsunfähigkeit geschlitterten KTM AG wurde Ende Mai 2025 offiziell, dass Minderheitsaktionär und Produktionspartner Bajaj den Mattighofenern die erforderlichen Mittel zur Rückzahlung der Schuldentilgungsquote, nach einem Schnitt noch 30 Prozent der ursprünglichen rund 1,6 Milliarden Euro, zur Verfügung stellt. Der Löwenanteil von 566 Millionen Euro wurde von Bajaj im Rahmen eines Kredits bereitgestellt, der später in Anteile umgewandelt wurde. Am 23. Oktober 2025 gab die österreichische Übernahmekommission bekannt, dass Bajaj dieses Aktienpaket übernehmen darf – und damit die Kontrolle über die damalige Pierer Mobility erhält, die Muttergesellschaft der KTM AG.

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Bajaj hatte wenig Verständnis für Motorsport

Seither ist fast ein Jahr vergangen. Ende September besuchte Bajaj-Finanzchef Dinesh Thapar aus Indien in Spielberg erstmals eine MotoGP-Veranstaltung, um sich selbst ein Bild zu machen, wie wichtig der Rennsport für KTM und den Absatz ist.

«Zu Beginn gab es wenig Verständnis für das Thema Motorsport», sagte KTM-Geschäftsführer Gottfried Neumeister im Gespräch mit SPEEDWEEK.com. «Sie kommen aus der Welt der Pendler, wo über den Preis verkauft wird, dort sind andere Attribute wichtig als bei uns. Es brauchte einige Reisen von mir nach Indien, um sie zu überzeugen. Wir hätten unser Bekenntnis für die nächsten fünf Jahre zur MotoGP nicht ohne deren Rückhalt abgeben können. Es gibt die Erlaubnis von oben, dass ich ein unabhängiges Team auf die Beine stelle, Bajaj hat also nicht das Management übernommen. Es gab auch die Gerüchte, dass die Produktion nach Indien verlegt wird, aber es gibt ein klares Bekenntnis zu Österreich. Wir haben über 440 Ingenieure, die Spitzenprodukte entwerfen und Maßstäbe setzen.»

Man muss mit Daten nachweisen, wie sich der Rennsport positiv auf die Verkaufszahlen auswirkt.

gottfried neumeister

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Neumeister weiter: «Ich kann die Vorstandsmitglieder frei wählen, in den ersten 18 Monaten war ich quasi allein, weil ich den Job niemandem schmackhaft machen konnte. Sie sagten mir: ‚Gottfried, du bist ein netter Typ, aber bring die Insolvenz hinter dich, bevor ich meinen Job kündige.’ Jetzt sind wir gut aufgestellt, Bajaj ist zufrieden damit die Gesamtübersicht zu haben, und wir kümmern uns um die Show. Aber natürlich hängt alles davon ab, dass wir Resultate liefern. Ich weiß nicht, wie lange die Leine ist, wenn wir keine Ergebnisse abliefern und Fortschritte erzielen. Man kann immer die Frage stellen, weshalb es Rennsport braucht und wir dafür so viel Geld ausgeben, wenn 500 Menschen entlassen werden. Dann muss man mit Daten nachweisen, wie sich der Rennsport positiv auf die Verkaufszahlen auswirkt. ‚Winning on Sunday, selling on Monday’ funktioniert für unsere Firma. Für diesen Satz wird mich mein Finanzchef hassen, aber im Rennsport braucht es eine gewisse Großzügigkeit. Wenn du einen Fachmann für die Reifen oder Aerodynamik hast, dann kannst du nicht versuchen an diesen Stellen zu sparen, weil du dann nicht mehr gewinnen kannst. Wir waren in einer Situation, in der wir keine neuen Teile kaufen konnten und mussten mit den alten fahren. Dieses Problem mussten wir bei KTM lösen und den Ingenieuren Sicherheit zurückbringen.»

Pedro Acosta beendete Durststrecke von KTM

Pedro Acosta sorgte beim Heimrennen auf dem Red Bull Ring für den ersten Grand-Prix-Sieg von KTM in der höchsten Klasse seit beinahe vier Jahren, damals triumphierte Miguel Oliveira in Thailand. In der Gesamtwertung liegt das Ausnahmetalent aus Spanien vor den Rennen auf Lombok am kommenden Wochenende auf dem vierten Gesamtrang hinter Jorge Martin (Aprilia), Marc Marquez (Ducati) und Marco Bezzecchi (Aprilia).

Erfolge in der MotoGP zeigen im Absatz ebenso Wirkung wie die vielen Titel, die KTM auch weiterhin im Offroad-Sport einfährt. «Im zweiten Quartal haben wir zum ersten Mal seit zwei Jahren auf EBIT-Level die Gewinnschwelle erreicht», hielt Neumeister fest. «Endlich wieder Profit zu machen, ist eine große Erleichterung für uns. Ohne so viele loyale Kunden und die Händler, die uns unterstützen, sowie die Menschen in Mattighofen, die zu dieser Marke stehen und bereit sind, sich einzusetzen, um einen Beitrag zu leisten, wäre das alles nicht möglich. Wir müssen aber unsere Füße auf dem Boden behalten, ein gutes Quartal macht noch keine gute Bilanz. Und zwei gute Quartale machen keine gesunde Firma. Jeder blickt auf uns und wir müssen beweisen, dass das nachhaltig ist.»

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Der KTM-Chef abschließend: «Wenn ich mir unser Umfeld anschaue, dann verlieren die anderen europäischen Hersteller im ersten Halbjahr. Natürlich sagt jetzt jeder, dass wir von einem niedrigeren Level kommen; es ist trotzdem sehr ermutigend, dass wir über dem Markt performen und fast 100.000 Motorräder verkauft haben. Menge ist nicht alles, wir müssen zuerst profitabel werden, bevor wir das Unternehmen skalieren können. Wir sind auf einem guten Weg, alle neuen Produkte kommen gut an. Davon hängt es ab, wie es mit der Firma weitergeht.»

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