Deutsche Nachwuchsförderung funktioniert: Kratochwil und Siegert auf Pole!
Mit Experten statt Bauchgefühl will das Motorsport Team Germany den deutschen Motorradnachwuchs voranbringen. ADAC-Nachwuchsförderer Thomas Voss erklärt die Veränderungen.
Der Freitag beim Deutschland-GP auf dem Sachsenring lieferte den Verantwortlichen des Motorsport Team Germany die perfekte Bestätigung ihrer Arbeit. Fynn Kratochwil sicherte sich im Qualifying des Red Bull MotoGP Rookies Cup die Pole-Position für das Heimrennen, im Moto4 Northern Cup fuhr Robin Siegert ebenfalls auf Startplatz 1.
Beide gehören zum Förderprojekt, mit dem ADAC und DMSB den deutschen Motorradnachwuchs gezielt unterstützen. Neben finanzieller Hilfe erhalten die Talente professionelle Betreuung in Bereichen wie Fitness, Ernährung und Medien sowie zusätzliche Möglichkeiten, auf dem Motorrad zu trainieren.
Dass der deutsche Nachwuchs derzeit wieder häufiger positive Schlagzeilen schreibt, ist aus Sicht von Thomas Voss kein Zufall. Der stellvertretende Vorsitzende der ADAC Stiftung Sport erklärte im Rahmen des Motorrad-Grand-Prix auf dem Sachsenring, dass sich vor allem die Arbeitsweise hinter den Kulissen verändert habe.
Was sich bei der Nachwuchsförderung verändert hat
«Der ADAC und der DMSB haben schon vorher eng zusammengearbeitet. Was sich verändert hat ist, dass sich Leute wie Lukas (Tulovic), Philipp (Hafeneger) und andere dazugekommen sind. Der ADAC und der DMSB arbeiten seit vielen Jahren zusammen und das ist auch nicht voneinander zu trennen», betont Voss.
Entscheidend sei gewesen, zusätzliches Fachwissen in das Projekt zu holen. Aktive Piloten wie Lukas Tulovic stehen den Nachwuchstalenten für Ratschläge zur Verfügung. Zudem unterstützt Philipp Hafeneger das Projekt mit zusätzlichen Trainingsmöglichkeiten. Aber auch Projekte, wie Dario Giuseppettis Moto Race Academy spielen eine wichtige Rolle, um junge Fahrer für die verschiedenen Nachwuchs-Rennserien aufzubauen.
«Wichtig war, Experten ins Projekt zu holen, die vorher nicht dabei waren. Vorher wurden viele Entscheidungen ohne die nötigen Experten getroffen. Das hat sich in den zurückliegenden Jahren geändert», brachte es Voss auf den Punkt.
Zu den prominenten Unterstützern des Projekts gehörte in den vergangenen Jahren auch Ex-MotoGP-Pilot Stefan Bradl, der die Situation des deutschen Motorradnachwuchses einst öffentlich kritisiert hatte. Voss würde sich wünschen, dass sich der ehemalige Moto2-Weltmeister künftig wieder stärker engagiert. «Ehemalige oder aktive Sportler können uns helfen. Stefan hat sich leider ein bisschen rar gemacht. Ich wäre froh, wenn er sich wieder stärker einbringen würde.»
Hoffnungsvolle Signale für den deutschen Sport – profitieren auch die Motorsportler?
Neben der Nachwuchsförderung blickt Voss auch auf die politischen Rahmenbedingungen. Der Bundestag hatte dem Entwurf des Sportfördergesetzes in dieser Woche zugestimmt. Herzstück der Reform ist die Gründung einer unabhängigen Spitzensportagentur mit Sitz in Leipzig. Sie soll ab 2027 unter anderem die Förderung von Verbänden und Athleten koordinieren, Bundesstützpunkte weiterentwickeln und die staatlichen Fördermittel eigenständig vergeben. Ziel der Reform sind weniger Bürokratie und mehr Medaillen im deutschen Spitzensport. Voss hofft auf positive Impulse – auch für den Motorsport.
«Im Moment fällt es mir noch schwer, das abschließend einzuschätzen. Der Sport muss sich in einigen Bereichen neu aufstellen. Das Sportfördergesetz soll zwar in erster Linie olympische Sportarten fördern. Trotzdem bin ich der Meinung, dass auch nicht-olympische Sportarten – wie zum Beispiel der Motorsport – nicht aus dem Fokus geraten dürfen. Sie haben schließlich ebenfalls eine große gesellschaftliche und wirtschaftliche Bedeutung und sind keineswegs erfolglos», so Voss.
Die jüngsten Erfolge auf dem Sachsenring liefern den Verantwortlichen des Motorsport Team Germany jedenfalls weitere Argumente dafür, dass sich die eingeschlagene Richtung auszahlt. Mit der konsequenten Einbindung erfahrener Experten und einer ganzheitlichen Betreuung sollen künftig noch mehr deutsche Talente den Sprung auf die internationale Bühne schaffen.
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