Zeitenkrimi in Le Mans: Jubel um Johann Zarco, Marc Marquez scheiterte!
Mit Makro-Abständen lieferte sich die MotoGP-Elite ein spektakuläres Match um den direkten Q2-Einzug. Am Ende wurde Johann Zarco bejubelt. Während Bezzechi lieferte, muss Marc Marquez ins Q1.
Unter blauem Himmel hatten die Fans in Le Mans ein außergewöhnliches erstes freies Training der MotoGP gesehen. Mit Luca Marini auf Position 1 hatten noch weniger gerechnet als mit dem Drittschnellsten, Vorjahressieger und MotoGP-Dauerhelden Johann Zarco. Vor dem Franzosen wurde die erste Ducati unter Fabio Di Giannantonio gelistet, dahinter KTM-Hoffnung Pedro Acosta und der ebenfalls überraschende Alex Rins auf Yamaha.
Stunden später waren lockere Wolken aufgezogen, doch auch der Höhepunkt des Freitags in Le Mans würde auf trockenem Asphalt stattfinden. Bei 20 Grad ging es um 15 Uhr in das wichtige, einstündige Zeittraining. Schon im FP1 hatten 20 Piloten innerhalb einer Sekunde abgeschlossen, lediglich Le-Mans-Neuling Toprak Razgatlioglu und KTM-Tech3-Ersatzmann Jonas Folger konnten das Tempo nicht mitgehen.
Bevor sich die Elite der Motorrad-WM in den Kampf um die zehn besten Positionen stürzte, ging es für das Feld um weitere Arbeiten an einer Trockenabstimmung, auch wenn die Vorhersagen aktuell einen nassen GP-Sonntag anzeigen.
Mit Acosta, Bezzecchi und Di Giannantonio tauchten zunächst die bis dato erfolgreichsten Piloten der Werke KTM, Aprilia und Ducati auf. Die Session war keine fünf Minuten alt, da ging der erste Pilot zu Boden – Jorge Martin in der Schikane nach der Gegengeraden ausgerutscht. Da sein Bike noch lief, konnte Martin die Aprilia selbst zurück in die Box pilotieren.
Als die Strecke wieder von gelben Flaggen befreit war, meldeten sich die Honda-Piloten zurück. Luca Marini sprang auf Rang 6, Rookie Moreira schob sich auf 6 noch vor Johann Zarco auf 8. Pecco Bagnaia legte ebenfalls nach, verbesserte sich mit einer 1:30,8 min auf Platz 2. Spitzenreiter Acosta legte nochmals nach. Doch auch nun betrug der Vorsprung des Spaniers nur 0,055 sec. Weiter überschaubare 0,022 sec später, WM-Tabellenführer Marco Bezzecchi. Nach dem ersten Schlagabtausch wurde Weltmeister Marc Marquez mit 0,3 sec Rückstand auf Position 7 geführt.
Wie gut Honda bislang in Le Mans gearbeitet hat, zeigte sich, als mit Joan Mir auch der vierte RC213V-Pilot in die Top 10 vordrang. Knapp außerhalb der Q2-Trennlinie zunächst Fabio Quartararo und Tech3-Pilot Enea Bastianini. Eine klare Verbesserung zeigte Yamaha-Rookie Toprak Razgatlioglu. Der Superbike-Umsteiger verkürzte auf unter eine Sekunde, Platz 18.
Zu stürmisch ging Gresini-Pilot Fermin Aldeguer zur Sache, der nach 20 Minuten am Ausgang der ersten Schikane abflog. Kurz nach änderte sich die Reihenfolge an der Spitze. Mit einer 1:30,739 min ging VR46-Ass Di Giannantonio in Führung. Beeindruckend erneut die Leistungsdichte: Raul Fernandez büßte zu diesem Zeitpunkt als Zehnter 0,385 sec ein. Beachtlich – Jonas Folger. Nach langer Abwesenheit von fast drei Jahren steigerte sich der Bayer zur Halbzeit des Zeittrainings auf eine 1:33,5 min.
Marc Marquez: Pech im entscheidenden Moment
Sehr unauffällig weiter Marc Marquez. Der Dominator der Saison spulte 12 Runden ab und hielt sich als Achter im Rennen um die Q2-Plätze. Dahin hatte sich auch wieder Jorge Martin gebracht. Nach dem Besuch in der Aprilia-Racing-Box hatte Martin eine 1:30,873 min für Platz 6 abgeliefert.
Aufregung gab es dann in der Trackhouse-Box. Nach einem Defekt an der RS-GP von Raul Fernandez schossen Flammen aus dem Bike. Der Spanier stellte seinen heißen Prototyp im letzten Sektor und eilte per Scooter zurück in die Box. Noch 24 Minuten standen auf der Uhr.
Dann kehrte etwas Ruhe ein. Die 22 Piloten bereiteten sich auf die entscheidenden Runden vor. Als Erster war es Johann Zarco, der die Fans animierte. Die Honda mit der Nummer 5 hämmerte zwei Spitzenrunden und landete mit einer 1:30,197 min an der Spitze. Im Schlepptau hatte sich Teamkollege Moreira auf die siebte Zeit ziehen lassen. Früh griff auch Pedro Acosta an, die KTM-Rakete holte sich Platz 2.
Honda in Le Mans mit an der Spitze
Dann ging es Schlag auf Schlag. Quartararo, Marini und Ogura enterten nacheinander P3. Nun lagen alle Hersteller in den Top 10. Acosta stürzte 10 Minuten vor Schluss, schaffte es aber noch einmal zurück in die Box. Im Finale das nächste Ausrufezeichen von Honda. Joan Mir überflügelte die Konkurrenz und kratzte nun an der Marke von 1:30 min.
Während Acosta an der Box ankam, ging es für Enea Bastianini auf Platz 3, doch Sekunden später ging es wieder retour auf Rang 6 – die Ducati-GP26-Piloten Marc Marquez, Pecco Bagnaia und Fabio Di Giannantonio schoben sich vor «La Bestia».
Pecco Bagnaia konnte noch schneller. Sechs Minuten vor der Flagge holte sich der Italiener die Bestzeit. Bagnaia, Mir, Zarco, «Diggia» und Marc Marquez, so die Top 5. Unglaublich: Vier Minuten vor Schluss sprang Alex Rins auf Platz 3 – damit waren 4 Bikes aus Japan in den Top 5.
Frankreich jubelt nach furiosem Zarco-Schlussangriff
Dann schaltete sich Pedro Acosta noch einmal ein. Acosta sprang auf 5 – doch die schnellste Runde wurde gestrichen, es ging zurück auf Platz 10. Den perfekten Abschluss schaffte dann der Volksheld. Johann Zarco unterbot nach Fabio Di Giannantonio die 90-Sekunden-Marke. 1:29,907 min – Damit zog der Vorjahressieger als Schnellster ins Q2 ein.
Knapp wurde es für WM-Leader Marco Bezzecchi. «Bezz» kämpfte und schaffte den Q2-Einzug als Siebter in der letzten Runde. Marc Márquez war bis auf 13 zurückgefallen und auch der letzte Versuch scheiterte, weil Teamkollege Bagnaia gestürzt war und gelbe Flaggen ausgelöst hatte. Le Mans-Lehrgeld zahlten die Neulinge. Diogo Moreira und Toprak Razgatlioglu schlossen den Tag in Frankreich auf 19 und 20 ab. Erstatzmann Jonas Folger büßte bei einem Comeback 2,543 sec auf die Bestmarke ein.
Fazit nach Tag 1 in Frankreich: Das Feld der MotoGP hat sich weiter zusammengeschoben. Ducati, Aprilia, KTM und Honda sind mit ihren Top-Leuten nur dich Winzigkeiten getrennt. Zwischen Platz 1 und 2 waren es 0,01 sec. Innerhalb der Top-9, 0,289 sec. Erstaunlich: Yamaha-Pilot Alex Rins landete als Achter vor Ogura und Acosta. Selbst unter trockenen Bedingungen lässt sich kein Favorit in Le Mans ausmachen.
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