Cal Crutchlow vor Comeback: «Für kein anderes Team hätte ich es getan!»
Cal Crutchlow kehrt mit 40 Jahren in die MotoGP zurück und ersetzt in Mugello den verletzten Johann Zarco bei LCR Honda. Der Schock nach den ersten Testrunden in Misano ist verflogen.
Nach dem Horror-Crash von Johann Zarco in Barcelona stand früh fest, dass ein Ersatzfahrer benötigt wird bei LCR Honda. Das Problem: Aleix Espargaro kuriert selbst eine Verletzung aus, Takaaki Nakagami konzentriert sich auf die Entwicklung der neuen 850-ccm-Honda, und Stefan Bradl hatte 2024 angekündigt, keine Rennen mehr zu bestreiten. So fiel die Wahl auf einen alten Bekannten: Cal Crutchlow, der seine aktive Karriere 2020 beendete und zuletzt fast drei Jahre nicht in der MotoGP gestartet war. Zuletzt war er Yamaha-Testfahrer, wo er inzwischen nicht mehr Teil des Werksprojekts ist.
Crutchlow erhielt die Freigabe von seiner Frau
Den ersten Anstoß zur Zusage gab nicht Cal Crutchlow selbst, sondern seine Frau Lucy, die vom Team zuerst kontaktiert wurde. «Sie sagte zu mir: Du hast das dein ganzes Leben lang gemacht, also verstehe ich nicht, warum du es jetzt nicht tust», erzählte der Engländer. Zunächst hatte er aus einem anderen Grund abgelehnt: «Ich dachte, ich sei zahmer und weniger verrückt geworden. Dann habe ich gemerkt, dass das offensichtlich nicht stimmt.» Den Ausschlag gab erneut seine Frau: «Ihre Worte waren: Unser Leben war immer ein Abenteuer – warum sollten wir jetzt damit aufhören? Also sagte ich: ‚Okay, ich fahre.‘»
Dass er zusagte, lag auch an der Verbundenheit für das LCR Team, für das er zwischen 2015 und 2020 fuhr und drei GP-Siege feierte. «Für ein anderes Team hätte ich es nicht getan. Hätte das Ducati-Werksteam angerufen, hätte ich abgelehnt. Hätte Aprilia angerufen, hätte ich abgelehnt», stellte Crutchlow klar. «Ich mache es, weil Lucio (Checchinello) und das Team mich darum gebeten haben.» Er knüpfte das Comeback an eine Bedingung: Vorher wollte er testen. «Es wäre nicht richtig, nach so langer Zeit ohne Bike direkt mit 360 km/h ins erste Training und in Kurve 1 zu fahren.» Kurzfristig wurde ein Test organisiert.
Der Realitätscheck: Crutchlow fehlten nach erster Test-Session 10 Sekunden!
Der Test am Mittwoch in Misano fiel anfangs ernüchternd aus: «Ich fühle mich, als hätte mich ein Bus überfahren», berichtete Crutchlow. «Ich fuhr und dachte, niemand auf der Welt könne hier schneller fahren als ich. Ich war völlig am Limit. Dann schaute ich auf die Zeit und war zehn Sekunden zu langsam.» Im Lauf des Tages steigerte er sich, was den Ausschlag gab, Zarco zu vertreten. Die aktuelle Generation der MotoGP-Bikes sei schwieriger zu fahren. Das alles nur auf die Motorräder abzuwälzen, lag ihm aber fern: «Es ist schwierig, weil ich so lange nicht gefahren bin.»
Seine größte Sorge ist die körperliche Verfassung. Zwar sei er topfit – er halte sich mit Radfahren fit –, doch das genüge nicht: «Auf dem Motorrad fit zu sein, ist etwas anderes.» Hinzu kommt die Ergonomie. Die Bikes hätten sich stark verändert, ebenso seine Sitzposition. «Sobald ich es körperlich nicht mehr schaffe, ist es für alle besser, die Situation neu zu bewerten. Wir nehmen es Session für Session.»
Bei aller Skepsis war Crutchlow überzeugt, die beste Lösung in der aktuellen Situation zu sein: «Ich glaube nicht, dass es sonst jemand könnte. Und ich glaube nicht, dass sonst jemand verrückt genug dafür wäre.» Warme Worte fand er für den verletzten Zarco, den er als Freund bezeichnete: «Er erinnert mich an mich selbst. Er ist nicht der Talentierteste der Welt, aber er arbeitet hart.» Crutchlow sei sicher, dass der Franzose zurückkomme und mental noch stärker werde.
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