Crutchlow fordert Fahrer-Allianz: «Die MotoGP muss von der Formel 1 lernen»
Cal Crutchlow sieht die MotoGP-Fahrer bei Sicherheitsfragen im Nachteil. Der LCR-Honda-Ersatzpilot fordert mehr Zusammenhalt – und verweist auf das Vorbild Formel 1.
Cal Crutchlow fordert seit Jahren eine stärkere Interessenvertretung der MotoGP-Fahrer. Nach Ansicht des ehemaligen Grand-Prix-Siegers fehlt es der Königsklasse vor allem an Geschlossenheit, wenn es um Sicherheitsfragen oder die Arbeitsbedingungen der Piloten geht. Als positives Beispiel nennt der LCR-Honda-Ersatzpilot die Formel 1, wo die Fahrer deutlich häufiger gemeinsam auftreten und ihre Interessen vertreten.
Die Diskussion erhielt beim Grand Prix von Tschechien in Brünn neue Nahrung. Dort herrschten hochsommerliche Temperaturen, die Crutchlow bereits im Sprint als grenzwertig empfand und zum Anlass nahm, erneut über den fehlenden Zusammenhalt der MotoGP-Fahrer zu sprechen.
«Es war verdammt heiß. Eines der heißesten Rennen, das ich je gefahren bin», schilderte der Brite nach dem Sprint in Tschechien. «Wir standen ewig in der Startaufstellung, versuchten wieder herunterzukommen, weil es einfach zu heiß war. Meiner Meinung nach müssen sie anfangen, über diese ganze Situation nachzudenken.»
Fehlt der Zusammenhalt im MotoGP-Fahrerfeld?
Wie eine Lösung konkret aussehen könnte, ließ Crutchlow offen. Er verwies jedoch auf andere Sportarten, in denen es bereits feste Wetterprotokolle gibt. «Ich weiß nicht genau, wie. Aber in anderen Sportarten gibt es klare Regelungen für extreme Wetterbedingungen.»
Das eigentliche Problem sieht der ehemalige MotoGP-Rennsieger jedoch bei den Fahrern selbst. Seit Jahren wird immer wieder über eine stärkere Interessenvertretung oder sogar eine Fahrervereinigung diskutiert. Nach Ansicht Crutchlows scheitert ein solcher Zusammenschluss jedoch am Konkurrenzdenken innerhalb des Feldes.
«Das ist dasselbe Problem wie bei einer Fahrervereinigung, über die ich schon oft gesprochen habe. Es wird immer einen Fahrer geben, der trotzdem fährt – und dann fahren am Ende alle», erklärte der Honda-Testfahrer. «Die Verantwortlichen wissen das. Selbst wenn alle sagen würden, wir fahren unter diesen Bedingungen nicht, würde einer die Box verlassen. Und dann würden alle anderen hinterherfahren.»
Druck der MotoGP-Hersteller zu groß?
Der Grund dafür sei einfach: Niemand wolle einem Konkurrenten einen Vorteil überlassen oder riskieren, vom eigenen Hersteller Nachteile zu erfahren. «Die Fahrer haben Angst, dass ihr Hersteller sagt: 'Du bist das Rennen nicht gefahren, also bekommst du kein Geld.' Das ist die Realität.»
Dass es auch anders geht, zeige die Formel 1. Dort treten die Fahrer bei sicherheitsrelevanten Themen deutlich geschlossener auf. Auf den Unterschied zwischen beiden Rennserien angesprochen, antwortete Crutchlow knapp: «In der Formel 1 halten sie zusammen.» Warum das in der MotoGP nicht gelinge, könne er selbst nicht beantworten. Mit einem Schmunzeln ergänzte der 40-Jährige: «Ich bin ja kein MotoGP-Fahrer mehr.»
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