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Ein exklusiver Einblick in die komplizierte und schwierige Entwicklung der Funktechnologie, die ab 2027 die MotoGP – und ihre TV-Übertragungen – grundlegend verändern wird.
Inmitten all der Arbeit und des Drucks im Fahrerlager beim Grand Prix von Aragon richtete ein weiteres Unternehmen eine ungewöhnliche Bitte an die Fahrer. Unter den Augen von Sergi Sendra, Senior Director Media Production Technology der MotoGP Group, nahm eine auf Audiotechnik spezialisierte Firma bei mindestens 13 Piloten individuelle Abdrücke ihrer Ohren. Sie sind für die neuen Funksysteme bestimmt, die ab der kommenden Saison zum Einsatz kommen werden.
Sendra – leidenschaftlicher TV- und Medientechniker, ehemaliger Live-TV-Regisseur und Visionär der Onboard-Kameratechnik – und sein Team treiben die Technologie seit mehr als sechs Jahren voran. Mit all den Rückschlägen, Frustrationen und Fortschritten, die Innovationen mit sich bringen.
«2020 bat uns Carlos Ezpeleta, der damals noch in der Sportabteilung tätig war und heute stellvertretender CEO ist, erstmals darum, einen Test durchzuführen, bei dem die Fahrer während der Fahrt Nachrichten hören können», erzählte uns Sergi exklusiv. «Ich erinnere mich, dass wir uns anfangs Sorgen wegen der Funkfrequenzen und der Abdeckung machten. Außerdem brauchten wir etwas, das klein genug war, um im Höcker der Lederkombi untergebracht zu werden und gleichzeitig Nachrichten übertragen zu können.»
«Unser Ziel und weiterhin oberste Priorität war es, den Fahrern aus Sicherheitsgründen Nachrichten übermitteln zu können», erklärt er. «Wenn man eine Meldung über eine rote Flagge sendet, muss sie alle Fahrer gleichzeitig und ohne Verzögerung erreichen. Dafür braucht man eine digitale Audioübertragung über IP und keine analoge.»
Selbst Experten auf diesem Gebiet konnten kaum glauben, wie schwierig das umzusetzen war. 22 Fahrer unabhängig von ihrer Position auf der Strecke gleichzeitig und ohne Verzögerung mit hochwertigem Ton zu erreichen, stellte das Team vor völlig neue Herausforderungen.
«So etwas kann man nicht einfach als fertige Ausrüstung kaufen. Man muss es erfinden.» Das Ausmaß des Projekts war gewaltig. Die Zusammenarbeit zahlreicher Beteiligter war notwendig: Fahrer, Teams, Rennleitung, FIM, Helm- und Lederkombi-Hersteller sowie die Rennstrecken für die erforderliche Infrastruktur. Hinzu kamen sorgfältig ausgewählte Technologiepartner, die eigene Entwicklungsarbeit leisten, Hard- und Software herstellen und gleichzeitig die unterschiedlichen nationalen Vorschriften für Funkfrequenzen berücksichtigen mussten.
Der erste entscheidende Faktor waren die Fahrer. Alle MotoGP-Piloten verwenden Ohrstöpsel, um sich vor dem Lärm der ungedämpften Motorräder zu schützen, deren Geräuschpegel nahe am FIM-Limit von 130 Dezibel liegt.
«Sie sind absurd laut», erklärte Red-Bull-KTM-Pilot Brad Binder in Aragon. «Wenn in der Startaufstellung alle Motorräder im Drehzahlbegrenzer hängen, ist das heftig. Deshalb ist man für die zusätzliche Hilfe durch die Ohrstöpsel dankbar.»
Die Entwicklung der MotoGP Group führte über In-Ear-Lösungen, Lautsprecher, Knochenschall und harte, an die Formel 1 erinnernde Ohrpassstücke schließlich zu einer weichen Mischung, die dem Funkprojekt den entscheidenden Schub verlieh.
«Das Projekt ist riesig, weil wir 22 Fahrer haben – also 22 Meinungen und Vorlieben», erklärt Sendra. «Und ihre Meinung ist am wichtigsten, weil sie die Ausrüstung tragen und darauf reagieren müssen. Wir haben elf Teams, die ihre Technologie erneuern müssen, weil das, was sie heute verwenden, alt und überholt ist. Alles muss vernetzt und gleichzeitig aufteilbar sein. Wenn wir nur mit Ducati sprechen wollen, brauchen wir einen Ducati-Kanal. Wenn wir mit allen sprechen wollen, müssen wir auch dazu in der Lage sein.»
«Die erste Ebene war der Fahrer und ein unabhängiges Kommunikationssystem. Dann kam der Kopf: Wie bringen wir Mikrofone und Ohrstöpsel unter, ohne die Homologation des Helms zu beeinträchtigen? Das war ein gewaltiges Hindernis, weil die FIM ihre neuen Sicherheitsstandards hat und selbst darum kämpft, den bestmöglichen Schutz der Welt zu gewährleisten. Das ist völlig normal und wir müssen das respektieren.»
Auch die Tests mit den Grand-Prix-Piloten waren alles andere als unkompliziert. «Wenn man etwas testen will, muss man das bei einem Grand Prix machen, wenn die gesamte Technik und Infrastruktur vorhanden ist», erklärt Sendra. «Wir hatten nur begrenzte Möglichkeiten. Deshalb mussten wir auch viele private Tests durchführen – mit Dani Pedrosa und Michele Pirro, wobei Pirro uns sehr geholfen hat, außerdem mit den Espargaro-Brüdern und Lorenzo Savadori.»
«Man braucht die Bedingungen eines Grand Prix: alle Leute, die Antennen, die Telefone. Ein reales Szenario, das oft einzigartig, zeitlich begrenzt und eingeschränkt ist. Das hat die Entwicklung stark verlangsamt.»
KTM-Testpilot Pol Espargaro kennt die Schwierigkeiten aus eigener Erfahrung. «Es ist manchmal nicht einfach, etwas gemeinsam mit Athleten zu entwickeln, die sich vollständig auf den Rennsport konzentrieren und alle sagen: ‹Ich will nichts Neues, ich will nichts ausprobieren.› Ich habe ihm geholfen und Sergi immer wieder gesagt: ‹Mach weiter.›»
Nachdem In-Ear-Lösungen verworfen worden waren, weil sich unter den Fahrern kein gemeinsamer Nenner finden ließ, erwies sich auch die Knochenschall-Technologie als problematisch.
«Im Winter 2022 reiste ich nach Japan zu unserem Partner Audio-Technica», berichtet Sendra. «Wir suchten nach etwas anderem als In-Ear-Systemen und probierten Knochenschall aus. Wir begannen mit den Fahrern zu testen, aber es war schmerzhaft und erzeugte Druck. Also erkannten wir, dass wir etwas entwickeln mussten, das sich an die Helme anpasst.»
Auch Lautsprecher – eine Technik, die normalen Motorradfahrern von Bluetooth-Systemen bekannt ist – schieden aus. «Wir hatten einen kleinen japanischen Lautsprecher, der völlig harmlos aussah. Aber ihn in den Wangenpolstern unterzubringen, war ein Albtraum, weil bei den zehn Helmherstellern im Starterfeld kein einziges Wangenpolster identisch war», erinnert sich Sendra.
«Bei manchen konnte man den Lautsprecher direkt einsetzen, andere Polster hatten dort ein Loch. Wie befestigt man dann den Lautsprecher? Für einige Fahrer war es schmerzhaft, bei anderen funktionierte es nicht richtig. Wir entwickelten fünf Generationen von Lautsprechern: andere Materialien, kleinere Abmessungen, höhere Leistung. Parallel arbeiteten wir mit Marelli an der kleinen Einheit im Höcker, um die Qualität der Technologie zu verbessern. Allein dafür brauchten wir drei Jahre.»
Den Durchbruch erzielte die MotoGP Group schließlich mit einem weichen Material, das die In-Ear-Technik integriert. Klang und Passform mussten exakt stimmen. «Es musste bequem sein. Wenn das nicht gegeben ist, ergibt es keinen Sinn weiterzumachen», sagt Sendra. «Die Lautstärke und die Qualität mussten stimmen. Die Fahrer müssen ihre Arbeit erledigen können. Ganz allgemein gilt: Wenn die Geräusche um dich herum schlecht oder störend sind, verursacht das Stress. Es muss Teil deiner Umgebung werden. Wir wussten, dass wir die bestmögliche Gegensprechanlage brauchen, damit die Fahrer alles perfekt verstehen.»
Michele Pirro gehörte zu den ersten Fahrern, für die in Barcelona individuelle Ohrpassstücke angefertigt wurden. «Wir waren bei einem Test fast den Tränen nahe, als er hereinkam und sagte: ‹Es ist perfekt.› Danach dachten wir, wir hätten es geschafft. Aber wir brauchten weitere Meinungen. Wir glaubten, etwas zu haben, das funktioniert, doch wir entwickeln immer noch weiter. Es ist noch nicht fertig.»
David Alonso, der 20-jährige CFMOTO-Aspar-Moto2-Star und zukünftige Honda-MotoGP-Pilot für 2027, erklärte in MotorLand: «Es kombiniert unsere normalen Ohrstöpsel mit dem individuell angefertigten Passstück. Am Ende wird die Abdeckung größer sein und noch mehr Geräusche abschirmen. Das ist großartig für mich, weil ich das Motorrad nicht gerne höre.»
Die Lösung für die Fahrer fand zunehmend Zustimmung. Doch Sendra und sein Team mussten sich gleichzeitig um weitere Baustellen kümmern. Die Beschränkung auf wenige Anbieter sollte verhindern, dass es zu Ausfällen und Unregelmäßigkeiten kommt, wie sie angeblich in der Formel 1 durch verschiedene Unternehmen als Funkanbieter auftreten. Gleichzeitig musste die MotoGP die Teams davon überzeugen, ihre Technik aufzurüsten.
«Wir testen auch mit ihnen. Seit drei Jahren erklären wir ihnen, dass sie ihre Systeme erneuern und investieren müssen. Aber wir haben gesagt, dass wir ihnen helfen, es möglichst einfach machen und die beste Lösung bereitstellen werden. Gleichzeitig kümmern wir uns um die Frequenzen – was ein weiterer Albtraum ist, weil jedes Land sie anders verwaltet.»
Hinzu kommen die Rennstrecken von Argentinien bis Australien. «Man muss die Ausrüstung und die Antennenabdeckung so auslegen, dass jeder Fahrer an jedem Punkt der Strecke konstant senden und empfangen kann. Das war ein weiteres Ziel, das wir erreicht haben. Man kann nicht einfach ein weiteres Netzwerk zusätzlich zu den Onboard-Kameras, dem Fernsehen und der Track-Limits-Technik installieren. Deshalb mussten wir die Rennstrecken davon überzeugen, eine weitere einfache Glasfaserverbindung bereitzustellen. Einige hatten sie bereits, andere nicht. Wir brauchten diese Infrastruktur. Bei der MotoGP Group gab es einige großartige Leute, die sich darum gekümmert haben», betont Sendra.
Ähnlich wie bei den bisherigen «Shoulder Cams» und «Back Cams» werden die Fahrer künftig selbst zu unabhängigen «Sendern». Insgesamt gibt es bei einem MotoGP-Grand-Prix bereits mehr als 200 Mikrofone.
In der Formel 1 wird die Audioverbindung zum Fahrer unterbrochen, sobald er das Auto verlässt. In der MotoGP wird das anders sein. «Die Fahrer werden überall hören und sprechen können. Das wird eine gewaltige Veränderung und auch für die Strategie interessant. Das Opfer für den Fahrer besteht darin, maximal 200 Gramm zusätzlich im Helm und in der Lederkombi zu tragen.»
Letztlich sollen die Fahrer zwei Mikrofone tragen: eines im Helm und eines in der Lederkombi. «Formel-1-Fahrer tragen eine Sturmhaube, die das Mikrofon hält. Dadurch befindet es sich immer nah am Mund. Das ist bei uns unmöglich. Der einzige Fahrer, den ich mit einer Sturmhaube gesehen habe, musste sich danach übergeben», erzählt Sendra.
Das Mikrofon in der Lederkombi wird deaktiviert, sobald der Helm getragen wird. «Bei beiden Mikrofonen gibt es einen gewissen Abstand, was ein Problem darstellt. Und der Wind im Helm ist brutal», sagt Sendra. «Wir haben mit Fabio Quartararo experimentiert. Der Ton war unsauber, aber verständlich. Es ist eine interessante Herausforderung, daran weiterzuarbeiten.»
Ein prominenter Testfahrer für das Mikrofon in der Lederkombi war Marc Marquez – und zwar zu einem entscheidenden Zeitpunkt: als der Katalane 2025 in Japan den WM-Titel gewann. «Wir haben unser AudioCom-Netzwerk innerhalb von drei Tagen installiert», erinnert sich Sendra lächelnd. «Es war auch ein bisschen Karma in diesem Entwicklungsprozess. Wir hatten gearbeitet und gelernt und setzten auf dieses System. Wir erklärten Marc, dass wir ihn schreien und feiern hören sollten, falls er Weltmeister wird. Aber wir konnten nicht garantieren, dass es funktionieren würde.»
Zum Einsatz kamen ein Prototyp von Marelli und ein Mikrofon von Audio-Technica, das zuvor noch nie verwendet worden war. «Wir drückten die Daumen – und plötzlich bot sich dieses unglaubliche Testszenario.»
«Ich wollte an diesem Tag nicht im TV-Raum sein», erinnert sich der Katalane. «Ich wollte beim Audiotechniker bleiben. Als Marc die Ziellinie überquerte und Weltmeister wurde, sagte ich: ‹Schiebt die Regler hoch!› Wir hörten Marc schreien: ‹Ho he fet!› [Ich habe es geschafft]. Ich musste weinen. Die Drehzahl des Motorrads sank, Marc richtete sich auf dem Motorrad auf und schrie. Dadurch war der Ton perfekt.»
Bei jeder technischen Neuerung stellt sich allerdings nicht nur die Frage, ob etwas möglich ist, sondern auch, ob es sinnvoll ist. Motorsport auf höchstem Niveau erfordert Fokus, Konzentration, Flow und Adrenalin. Motorradrennfahrer bewegen sich seit jeher in der abgeschirmten Welt ihres Helms. Diese Konzentration durch externe Audiosignale zu unterbrechen, bereitet einigen Fahrern Sorgen.
«Es hängt davon ab, welche Nachricht kommt und wann sie kommt», erklärte Espargaro. «Momentan geht es um Sicherheitsmeldungen, und die werden an Stellen wie einer langen Geraden übermittelt. Das ist in Ordnung. Vielleicht gewöhnt sich der Fahrer daran. Kurzfristig könnten wir dadurch einige zusätzliche Informationen erhalten, die bisher über das Pitboard oder das Dashboard kommen. Bei meinen bisherigen Versuchen auf den Geraden war es nicht so schlecht.»
«Einige Fahrer sind immer noch skeptisch», räumt Sendra ein. «Einige sagten: ‹Redet nicht mit mir.› Es gibt eine ungeschriebene Regel, dass man während der Fahrt nicht mit ihnen spricht. Aber bei Tests haben wir ihnen zufällig Nachrichten während der Runden geschickt und keiner sagte anschließend, dass es gefährlich gewesen sei.»
Allerdings gibt es Streckenabschnitte, in denen die Piloten nicht gestört werden wollen. «Einige sagten, dass sie uns an bestimmten Stellen lieber nicht hören möchten», erklärt Sendra. «In Misano ist der hintere Abschnitt sehr schwierig und schnell. Fabio Quartararo sagte, dass er uns im ‹Curvone› lieber nicht hören möchte. Alex Rins sagte bei einigen Passagen in Mugello das Gleiche.»
Bei einer Sicherheitsmeldung wie «Rote Flagge!» müsse jedoch besonders sorgfältig vorgegangen werden. «Dann liegt es in den Händen der Teams, und wir müssen intelligent damit umgehen, weil wir sehen können, wo sich die Fahrer befinden. Das System im Höcker wird mit GPS verbunden. Es ist nicht das erste Mal, dass wir GPS in einer Lederkombi einsetzen, denn auch die Airbags werden darüber aktiviert. Aber erstmals können die Fahrer damit live verfolgt werden.»
Die nächste Entwicklungsstufe besteht darin, eine Kommunikation in beide Richtungen zu ermöglichen. Damit rückt auch der Unterhaltungswert in den Fokus. Für manche sind die Funksprüche der Formel 1 in den TV-Übertragungen und anderen Inhalten noch immer eine Spielerei, der es an Authentizität mangelt. Andere schätzen die zusätzliche Nähe zum Geschehen, während sich ein Rennen entwickelt – und einige Funksprüche haben bereits für pikante Momente gesorgt.
In der Formel 1 gehört der Funk seit zwei Jahrzehnten zum Alltag. Für die MotoGP wird er eine neue Dimension eröffnen und die Art und Weise verändern, wie die Zuschauer den Rennsport verstehen und erleben. «Ich glaube, das wird ein großartiges Element für das Storytelling», sagt Sendra. «Bislang hatten wir in der MotoGP im Grunde nur einen ‹Stummfilm›, bei dem man lediglich die Motoren der Motorräder hört. Das ist alles.»
Francesco Bagnaia reagierte zurückhaltender. «Es ist eine große Veränderung, bei der ich nicht weiß, ob wir sie brauchen. Aber wir müssen es ausprobieren. Also schauen wir mal.» Marc Marquez sieht vor allem Vorteile für die Show. «Ich denke, für die Show wird es besser sein», räumte er ein. «Ob es nützlich sein wird oder nicht, weiß ich nicht. Aber besser für die Show? Natürlich. Die Leute wollen solche Dinge sehen.»
Auch Alonso zeigte sich offen. «Ich bin aufgeschlossen. Ich denke, es kann Spaß machen. Und wenn ich an bestimmten Stellen mit dem Team sprechen kann, macht das ‹Spiel› noch interessanter. Ich glaube, die Teams werden schnell lernen, an welchen Stellen der Strecke es sicherer ist zu sprechen als an anderen.»
Mit dem neuen System müssen allerdings auch neue Regeln und Gewohnheiten entstehen. Die Fahrer müssen sich künftig von dem Moment an, in dem sie ihre Lederkombi schließen, darüber im Klaren sein, dass ihre Äußerungen aufgezeichnet werden können. Die Teams müssen ihre Kommunikation und ihre Abläufe formalisieren. Und die MotoGP Group muss sorgfältig auswählen, welche Worte, Geräusche und Emotionen öffentlich gemacht werden.
Selbst Jahrzehnte nach dem Beginn der TV-Übertragungen von Motorrad-Grands-Prix steht die MotoGP Group noch immer wegen der Darstellung und Wiederholung von Stürzen in der Kritik. Mit dem Ton kommt eine weitere komplexe Ebene hinzu. Es handelt sich um eine gewaltige Veränderung, die für alle Beteiligten eine extrem steile Lernkurve mit sich bringen wird.
«Wir lernen bereits dank eines Teams, das uns vertraulich mithören lässt», verrät Sendra. «Sie sprechen nicht besonders viel, weil sie die Kommunikation hauptsächlich nutzen, um Dinge abzustimmen und zu organisieren. Der Fahrer spricht nur mit ihnen, wenn er in der Box ist.»
Künftig könnten sich daraus ganz neue Möglichkeiten ergeben. «Ich hoffe, es passiert nicht wegen eines Sturzes. Aber wenn ein Fahrer auf der Strecke stehen bleibt, kann er dem Team mitteilen, ob es ihm gut geht, und auf dem Rückweg in die Boxengasse bereits die nächsten Schritte für die Session vorbereiten. Solche Dinge werden viel Zeit sparen.»
Dafür braucht es klare Regeln. «Wir müssen ein Protokoll festlegen», sagt Sendra. «Ich erinnere mich, dass Trackhouse-Teamchef Davide Brivio zu mir sagte: ‹Aber Sergi, wir reden gar nicht so viel über Funk.› Und ich sagte ihm: ‹Das liegt daran, dass ihr das System bisher nicht hattet!› Es wird ein Lernprozess, denn die Teams werden erkennen, dass ihnen dieses Werkzeug zur Verfügung steht.»
Die MotoGP ist mit dieser Entwicklung nicht allein. Auch die amerikanische AMA SuperMotocross-Serie beschäftigt sich intensiv mit Funkkommunikation. Der Supercross hat dabei durch seine Austragung in Stadien und die vorhandene Infrastruktur ebenso Vorteile wie durch die geringere Motorlautstärke. Bereits vor 15 Jahren waren Funksysteme Teil des lockeren Reglements und Konzepts des inzwischen eingestellten Millionen-Dollar-Einladungsrennens Monster Energy Cup in Las Vegas, wurden damals aber nie wirklich genutzt.
Seitdem hat sich die Technik weiterentwickelt und neue Möglichkeiten eröffnet. Supercross setzt ebenso wie die Motocross-WM bereits Drohnenaufnahmen für die TV-Übertragung ein und schafft damit Perspektiven, die in anderen Motorsportarten kaum zu sehen sind. Die Funkkommunikation ist der nächste Schritt. Auch dort müssen die Athleten überzeugt und Regeln für die Kommunikation geschaffen werden.
«Wir haben während der Supercross-Saison und einige Male im Motocross getestet», erklärte Dave Prater, Director of Supercross bei Feld Entertainment, vergangene Woche in den USA gegenüber dem renommierten Journalisten Lewis Phillips.
«2027 wird uns viele neue Erkenntnisse bringen. Ich weiß nicht, ob wir dann schon bereit sind, das System einzuführen, aber es wird weitere Tests geben. Wir sind bereits weiter, als wir erwartet hatten. Zunächst würden die Offiziellen mit allen Fahrern sprechen. Wir haben aber auch schon getestet, dass Teams mit ihren Fahrern kommunizieren, sowie mit einigen ausgewählten Piloten an den Pressefreitagen.»
Sechs Jahre Entwicklung sind ein langer Weg. Doch Motorradrennsport und MotoGP über Funk sind ein klares Signal für die Zukunft.
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