Franco Morbidelli verlässt die MotoGP: Vom WM-Zweiten zum Ducati-Neustart
Franco Morbidellis MotoGP-Karriere endet nach neun Jahren. In der Saison 2020 wuchs Morbidelli auf der Vorjahres-Yamaha über sich hinaus. Danach folgten durchwachsene Jahre bei Yamaha und Ducati.
Die MotoGP-Karriere von Franco Morbidelli geht in wenigen Wochen zu Ende. Das VR46-Team bestätigte am Dienstag vor dem Heimspiel in Misano, dass die Zusammenarbeit mit dem 31-jährigen Italiener nach der Saison 2026 endet. Damit verabschiedet sich Morbidelli nach neun Jahren aus der MotoGP und stellt sich einer neuen Herausforderung.
2027 wechselt der dreifache MotoGP-Sieger in die Superbike-WM. Dort übernimmt er bei Aruba.it Ducati den Platz von Nicolo Bulega, der wiederum Morbidellis Platz bei VR46 erhält. Morbidelli bleibt damit Ducati verbunden, tauscht die Desmosedici GP aber gegen die Panigale V4R ein.
Damit endet eine MotoGP-Karriere, deren Höhepunkt inzwischen sechs Jahre zurückliegt. Morbidelli stieg 2018 als amtierender Moto2-Weltmeister in die Königsklasse auf. Im Jahr zuvor hatte der Schützling von Valentino Rossi die mittlere Kategorie dominiert und mit acht Siegen den WM-Titel gewonnen.
Sein MotoGP-Debüt gab Morbidelli 2018 bei Marc VDS auf Honda. Die Saison verlief ohne große Höhepunkte, dennoch setzte sich der Italiener im Kampf um den Titel des besten Rookies durch.
Der entscheidende Karriereschritt folgte 2019 mit dem Wechsel zu Petronas-Yamaha. In seiner ersten Saison auf der M1 blieb Morbidelli zwar ohne Podestplatz, etablierte sich mit mehreren Top-6-Ergebnissen aber in der erweiterten Spitzengruppe.
2020 kämpfte Morbidelli um den WM-Titel
Der Durchbruch gelang in der ungewöhnlichen Corona-Saison 2020. Beim Grand Prix von Tschechien in Brünn stand Morbidelli erstmals auf dem MotoGP-Podium. Wenige Wochen später folgte beim Heimrennen in Misano der erste Sieg.
Es sollte nicht sein letzter Sieg bleiben. Auch beim Grand Prix von Teruel in Aragon und beim vorletzten Saisonrennen in Valencia setzte sich Morbidelli durch. Mit drei Siegen war er zusammen mit Teamkollege Fabio Quartararo der erfolgreichste MotoGP-Pilot der Saison, wenn man allein die Anzahl der Grand-Prix-Erfolge betrachtet.
Im WM-Kampf musste sich Morbidelli dennoch Joan Mir geschlagen geben. Obwohl der Suzuki-Pilot nur ein Rennen gewann, wurde er mit 171 Punkten Weltmeister. Morbidelli beendete die Saison mit 158 Zählern als Vizeweltmeister. Bis heute blieb es das mit Abstand beste MotoGP-Jahr des Italieners.
Für 2021 galt Morbidelli deshalb als einer der Kandidaten auf den WM-Titel. Doch die Saison entwickelte sich in eine völlig andere Richtung. Knieprobleme machten ihm zu schaffen, eine Operation zwang ihn zu einer längeren Pause.
Als er im September in Misano zurückkehrte, wartete eigentlich der nächste große Karriereschritt. Nach dem vorzeitigen Aus von Maverick Vinales wurde Morbidelli ins Yamaha-Werksteam befördert und Teamkollege von Fabio Quartararo.
Doch ausgerechnet der Wechsel ins Werksteam leitete die schwierigste Phase seiner MotoGP-Karriere ein. Während Quartararo 2021 Weltmeister wurde und 2022 erneut um den Titel kämpfte, fand Morbidelli mit der M1 nicht mehr zu seiner alten Stärke zurück. 2022 war ein siebter Platz sein bestes Rennergebnis. Auch 2023 blieb der erhoffte Durchbruch aus. Nach drei schwierigen Jahren endete die Zusammenarbeit mit Yamaha.
Ducati ermöglichte den Neustart
Für 2024 erhielt Morbidelli bei Pramac eine neue Chance – und erstmals eine Ducati. Doch schon vor dem Saisonstart erlitt er beim Training mit dem Superbike in Portimao einen schweren Unfall. Dadurch verpasste er praktisch die komplette Saisonvorbereitung und musste sich während der ersten Rennwochenenden an die Desmosedici GP gewöhnen.
Im Laufe des Jahres steigerte er sich. Regelmäßige Top-6-Ergebnisse zeigten, dass Morbidelli auf der Ducati wieder konkurrenzfähiger war. Sein bestes Ergebnis erzielte er ausgerechnet in Misano, wo er im Sprint als Dritter erstmals seit 2021 wieder auf einem MotoGP-Podium stand. Die WM beendete er auf Rang 9 – im Vergleich zu seinen Markenkollegen blieb Morbidelli aber hinter den Erwartungen zurück.
Als Pramac für 2025 von Ducati zu Yamaha wechselte, blieb Morbidelli im Ducati-Lager. Valentino Rossis VR46-Team verpflichtete ihn und führte damit zwei Wege wieder zusammen, die über viele Jahre eng miteinander verbunden waren. Der Wechsel zahlte sich aus. Bereits beim zweiten Saisonrennen in Argentinien fuhr Morbidelli als Dritter auf das Podium. In Katar folgte ein weiterer dritter Platz. Dazu kamen zwei Sprint-Podestplätze. Mit WM-Rang 7 gelang ihm seine beste Gesamtplatzierung seit der Vizeweltmeisterschaft 2020.
Auch 2026 blieb Morbidelli bei VR46. Doch während Ducati seine Fahreraufstellung für die neue 850-ccm-Ära ab 2027 neu sortiert, zeichnete sich zunehmend ab, dass für den inzwischen 31-Jährigen kein Platz mehr im MotoGP-Aufgebot vorhanden sein würde. Nun herrscht Klarheit: Nach der laufenden Saison ist Schluss.
Vom MotoGP-Vizeweltmeister in die Superbike-WM
Morbidelli blickt auf eine bemerkenswerte Grand-Prix-Karriere zurück. Vom Superstock-600-Europameister arbeitete er sich über die Moto2 bis in die MotoGP vor. 2017 wurde er Moto2-Weltmeister, drei Jahre später fehlten ihm lediglich 13 Punkte zum Titel in der Königsklasse.
Vor allem die Saison 2020 wird mit seinem Namen verbunden bleiben. Drei Grand-Prix-Siege in Misano, Aragon und Valencia sowie der Vizeweltmeistertitel machten Morbidelli zwischenzeitlich zu einem der erfolgreichsten Yamaha-Piloten der MotoGP.
Nach seinem Wechsel ins Yamaha-Werksteam konnte er diese Leistungen nicht mehr bestätigen. Erst Ducati ermöglichte ihm ab 2024 einen sportlichen Neustart. Seine Verbindung zum Hersteller aus Borgo Panigale bleibt nun über das Ende seiner MotoGP-Karriere hinaus bestehen. Mit Aruba.it Ducati erhält Morbidelli für 2027 eines der begehrtesten Motorräder der Superbike-WM.
Dort wartet eine völlig neue Herausforderung auf ihn. Gleichzeitig kehrt Morbidelli damit gewissermaßen zu seinen Wurzeln zurück: Bevor er sich im Grand-Prix-Sport etablierte, machte er im seriennahen Rennsport auf sich aufmerksam und gewann 2013 den Superstock-600-Europacup.
Ganz beendet ist das Kapitel MotoGP allerdings noch nicht. Sofern der Katar-GP stattfinden kann, stehen noch neun Rennwochenenden in der Saison 2026 aus. Den Anfang macht an diesem Wochenende ausgerechnet Misano – jene Strecke, auf der Morbidelli 2020 seinen ersten MotoGP-Sieg feierte und vier Jahre später mit Ducati erstmals seit langer Zeit wieder auf einem Podium stand.
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