Fergus Cameron (78) ist tot: Er brachte den GP-Sport auf Phillip Island
Bis 2022 war Fergus Cameron Managing Director des Phillip Island Grand Prix Circuit. Über Jahrzehnte zog der Australier hinter den Kulissen die Fäden, unter ihm entwickelte sich die Strecke prächtig.
Am Morgen des 9. September 2026 ist Fergus Cameron in seiner australischen Heimat verstorben, er hatte bereits seit einigen Jahren gesundheitliche Probleme und sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Der 78-Jährige war bis 2022 Managing Director der malerischen Rennstrecke auf Phillip Island im Bundesstaat Victoria, damals war er auch das letzte Mal bei einem Grand Prix dabei.
Immer an seiner Seite war in all den Jahren Ehefrau Chris, als wichtige Person für die Administration und Logistik zuständig und wertvoller Bestandteil des Grand Prix. Das Paar wohnte nur 10 Minuten der Rennstrecke entfernt. «Bisher hatten wir bei allen Grand Prix und Superbike-WM-Rennen immer einen Abend bei uns im Haus», erzählte Cameron beim letzten Interview von SPEEDWEEK.com 2022. «Wir haben befreundete Teammanager und Dorna-CEO Carmelo Ezpeleta, Mike Webb, Franco Uncini und so weiter zum Abendessen eingeladen. Es gab dann meistens einen Sing-Wettbewerb zwischen Australiern, Spaniern und Italienern. Das waren unterhaltsame Abende.»
Fergus Cameron wusste alles über Phillip Island
Es gab nichts, was Cameron über den Grand-Prix-Circuit auf Phillip Island nicht wusste. Zu erzählen gibt es über eine der schönsten Rennstrecken der Welt viel, denn bereits ab 31. März 1928 wurden dort auf einem nicht asphaltierten Straßenkurs erste Rennen gefahren, er war 10,4 km lang. 1935 wurde er auf 19,3 km erweitert. Aber nach 1941 wurde der Kurs wegen der intensiven Staubentwicklung stillgelegt.
1952 begannen ein paar Enthusiasten mit dem Design des permanenten Phillip Island Circuit; aber erst im März 1956 folgte die Eröffnung. Später im Jahr fand das erste Motorrad-Club-Meeting statt. Die Piste wurde jedoch in erster Linie für Autorennen genutzt, das größte Zugpferd war ein Tourenwagen-Event namens «Armstrong 500». Aber jeweils am Neujahrstag wurde der Victoria-GP für Motorräder durchgeführt, der spätere Weltmeister Tom Phillis gewann dort von 1959 bis 1961 zwölf Rennen auf Honda und Norton, er wurde zum «King of Phillip Island» ernannt.
1962 fand ein Eigentümerwechsel statt, als die Piste von Len Lukey gekauft wurde, der gemeinsam mit PIARC ein Wiederaufbauprogramm startete. 1967 ging es mit Rennen wieder los. Eine neue goldene Ära bahnte sich an, doch Lukey starb 1978, der Circuit verwahrloste wieder, es gab nur sporadische Race-Meetings. Bis heute erinnert die malerische Lukey-Heights-Kurve an ihn.
Der erste Grand Prix war 1989
Unvergesslich bleibt der erste Phillip-Island-GP 1989. Auf den schmalen Zufahrtsstraßen kamen 90.000 Zuschauer auf die Insel, sodass die Rückfahrt nach Melbourne wegen des Staus statt der üblichen zwei Stunden bis Montagmorgen 5 Uhr in Anspruch nahm.
1990 gastierte die 1988 gegründete Superbike-WM erstmals auf Phillip Island. Seitdem trat die SBK jedes Jahr dort auf – mit Ausnahme von 1993 und 2021.
2004 stieg der populäre Milliardär und Ex-Footballer Lindsay Fox mit seinem Unternehmen Linfox Property Group Pty Ltd als Investor ein. Er erwarb die Rennstrecke für einen kolportierten Kaufpreis von 13 Millionen australischen Dollar. Heute kümmert sich sein Sohn Andrew Fox um die Piste.
Cameron hatte nur 60 Tage Zeit
Zu Beginn wollten die Politiker vom Phillip Island Circuit nicht viel wissen, die Eigentümer waren auf sich allein gestellt. Es handelte sich um Bauern aus der Umgebung, die in der 1980er-Jahren mühsam die erforderlichen 700.000 Dollar aufgebracht hatten. Fergus Cameron hatte damals nur 60 Tage Zeit, um mit diesem Syndikat den Kaufpreis aufzutreiben. «Die Rennstrecke war eine Ruine. Die Gebäude waren heruntergekommen, die Fenster zerbrochen, überall weideten Schafe», erinnerte er sich vor vier Jahren.
Der größte Teil des Areals war damals landwirtschaftliche Nutzfläche, die Rennstrecke völlig heruntergekommen. Fergus Cameron, der selbst aus einem Farmbetrieb stammte, trieb innerhalb der geforderten 60 Tage genügend Geldgeber auf und übernahm 1985 den Phillip Island GP Circuit mit dem neu gegründeten Konsortium namens Placetac Pty Ltd. Dem pfiffigen Geschäftsmann war rechtzeitig zu Ohren gekommen, dass der Motorrad-Weltverband FIM 1989 der australischen Föderation einen Grand Prix zusagen werde. Ingenieur und Rennpromoter Bob Barnard und seine Barfield Company wählten Phillip Island als Schauplatz aus. Die Piste wurde um 0,5 km auf 4,445 km gekürzt und um den stattlichen Betrag von A$ 5 Millionen aufgewertet.
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