Nicolo Bulega über MotoGP-Aufstieg: «Es hat etwas länger gedauert»
Nicolo Bulega fährt 2027 für VR46-Ducati in der MotoGP. Der Superbike-Dominator spricht über seinen ungewöhnlichen Weg, die Rückkehr zu alten Weggefährten und seine Ziele.
Jetzt ist es offiziell:
Für Bulega geht damit ein Traum in Erfüllung, der zeitweise kaum noch erreichbar schien. Seine Karriere hatte ursprünglich den klassischen Weg durch das Grand-Prix-Fahrerlager genommen. Doch nach schwierigen Jahren in Moto3 und Moto2 wechselte er 2022 in die Supersport-WM und schlug damit eine völlig andere Richtung ein.
«Als ich mit dem Rennsport begann, träumte ich davon, es in die MotoGP zu schaffen», erinnerte sich Bulega. «Dann nahm meine Karriere aus verschiedenen Gründen einen anderen Verlauf. Ich wechselte in die Superbike-WM und konzentrierte mich darauf, dort eine erfolgreiche Karriere aufzubauen.»
Dass ihn dieser Umweg Jahre später doch noch in die MotoGP führen würde, hatte Bulega selbst nicht erwartet. In der Supersport-WM fand der ehemalige VR46-Nachwuchsfahrer zurück auf die Erfolgsspur. 2023 gewann er mit Ducati den WM-Titel und empfahl sich damit für den Aufstieg ins Superbike-Werksteam.
Dort etablierte er sich auf Anhieb in der Weltspitze. In seinen ersten beiden Superbike-Jahren wurde Bulega jeweils Vizeweltmeister. In der laufenden Saison dominiert er die Meisterschaft: Von den bisherigen 27 Rennen gewann Bulega 26 und befindet sich voll auf WM-Kurs. «Diese Jahre liefen weit besser, als ich erwartet hatte», gestand Bulega. «Deshalb haben wir darüber nachgedacht, diesen Schritt in die Königsklasse zu machen.»
Bulega: «Ich bin sehr stolz»
Für den Italiener besitzt die Verpflichtung auch deshalb besondere Bedeutung, weil er mit VR46 zu alten Weggefährten zurückkehrt. Bulega gehörte bereits als Nachwuchsfahrer zur VR46 Riders Academy und startete mit dem Team von Valentino Rossi in der Moto3-WM. 2019 bestritt er für VR46 zudem seine erste Moto2-Saison.
«Die MotoGP zu erreichen, ist ein Traum – und ich werde mein Debüt mit dem Pertamina-Enduro-VR46-Team geben», freute sich Bulega. «Ich habe mich für dieses Team entschieden, weil ich immer mit ihnen verbunden war. Ich war schon als Kind in der VR46 Riders Academy und kenne deshalb alle sehr gut.»
Gerade für seinen Einstieg in die Königsklasse sieht er darin einen Vorteil. «Diesen Schritt mit Menschen zu machen, die ich kenne, ist aus menschlicher Sicht einfacher. Außerdem arbeiten sie alle extrem professionell.» Seinen ungewöhnlichen Karriereweg betrachtet Bulega inzwischen mit Stolz und freut sich auf das Abenteuer MotoGP: «Ich bin glücklich, dieses Ziel erreicht zu haben, auch wenn es etwas länger gedauert hat und mein Weg anders verlief als der übliche. Es ist unglaublich und ich bin sehr stolz.»
Kein gewöhnlicher MotoGP-Rookie
Völliges Neuland betritt Bulega 2027 allerdings nicht. Ducati setzte ihn bereits als MotoGP-Testfahrer ein. Ende 2025 sprang er zudem bei den letzten beiden Saisonrennen im Ducati-Werksteam für den verletzten Marc Marquez ein und sammelte erste Rennerfahrung mit der Desmosedici.
Noch wertvoller dürfte seine Testarbeit für die neue 850-ccm-Generation sein. Bulega ist bereits in die Entwicklung des Ducati-Prototypen für das 2027er-Reglement eingebunden. Zudem kennt er die Pirelli-Reifen aus dem seriennahen Rennsport bestens. Pirelli löst zur kommenden Saison Michelin als Einheitsausrüster der MotoGP ab.
Für seine erste komplette MotoGP-Saison will sich Bulega zunächst keine konkreten Resultate vornehmen. «Ich möchte mir jetzt keine Ziele setzen», betonte der zukünftige VR46-Pilot. «Ich will versuchen, gute Arbeit zu leisten und von Rennen zu Rennen zu denken, vor allem am Anfang. Ich möchte einfach den bestmöglichen Job machen.»
Salucci: «Er ist bereit für diese neue Reise»
Auch VR46-Teamdirektor Alessio Salucci sieht Bulega inzwischen bereit für die Königsklasse. Er kennt den Italiener bereits aus dessen Anfangsjahren. «Wir freuen uns sehr, Nicolo im Pertamina-Enduro-VR46-Team willkommen zu heißen», erklärte Salucci. «Wir kennen ihn seit vielen Jahren. Er begann seine Karriere mit uns und wir haben gemeinsam großartige Ergebnisse erzielt.»
Seitdem hätten sich beide Seiten erheblich weiterentwickelt. «Sowohl er als auch das Team sind über die Jahre stark gewachsen. Jetzt sind wir hier, um gemeinsam Großes zu erreichen.» An Bulegas Talent habe es für Salucci ohnehin nie Zweifel gegeben. «Wir wissen schon seit seiner Jugend, dass er ein sehr talentierter Fahrer ist. Das hat er sowohl früher als auch aktuell bewiesen, indem er die Superbike-WM dominiert.»
Vor allem die persönliche Entwicklung seines ehemaligen Nachwuchsfahrers stimmt den VR46-Teamdirektor optimistisch: «Ich denke, er ist bereit, diese neue Reise mit der nötigen Reife und dem nötigen Bewusstsein anzutreten.»
2027 führt diese Reise Bulega schließlich dorthin, wo er schon zu Beginn seiner Karriere hinwollte. Der Weg in die MotoGP führte allerdings nicht wie ursprünglich geplant über Moto3 und Moto2, sondern über Supersport und Superbike. Gerade dieser Umweg macht Bulegas Aufstieg zu einer der ungewöhnlichsten MotoGP-Geschichten der vergangenen Jahre.
Schon gesehen?
Newsletter
Motorsport-News direkt in Ihr Postfach
Verpassen Sie keine Highlights mehr: Der Speedweek Newsletter liefert Ihnen zweimal wöchentlich aktuelle Nachrichten, exklusive Kommentare und alle wichtigen Termine aus der Welt des Motorsports - direkt in Ihr E-Mail-Postfach

