Italiens Nachwuchskrise: Was der Motorradverband dagegen unternimmt
Italiens Motorradverband FMI kämpft mit zu wenig Nachwuchs. Hinter den Kulissen wird an der Zukunft gearbeitet. Präsident Giovanni Copioli gab Antworten auf die Frage, wo die Talente bleiben.
Vier Jahre lang mussten italienische MotoGP-Fans auf einen heimischen Moto3-Sieger warten. Erst Guido Pinis Triumph in Austin 2026 beendete die Durststrecke, die mit Dennis Foggias letztem Sieg in Thailand 2022 begonnen hatte. Dabei war Italien in den 2010er-Jahren noch gemeinsam mit Spanien die dominierende Nachwuchsschmiede des GP-Sports. Nicht umsonst fahren heute Marco Bezzecchi, Francesco Bagnaia, Enea Bastianini, Franco Morbidelli und Fabio Di Giannantonio in der MotoGP und andere Fahrer holten zahlreiche Siege in der Moto3. Wo bleibt der italienische Nachwuchs?
Das Hauptproblem: Es fehlt das Geld
Die Federazione Motociclistica Italiana ist ein Koloss: 1700 Vereine, 110.000 Mitglieder und 16.000 aktive Rennlizenzen, dazu 23 Disziplinen vom Speedway bis zum Motorschlitten. Das Kernprojekt für den Nachwuchs sind die «Talenti Azurri» – in diesem Jahr wurden 89 Fahrer aufgenommen. Sie erhalten Trainingstage mit Verbandstechnikern, Motorräder für ihr Heimtraining und Stipendien. Die Gruppe absolvierte laut Capioli im vergangenen Jahr etwa 35 gemeinsame Trainingstage an verschiedenen Strecken.
Fahrer wie Luca Lunetta oder Guido Pini durchliefen das Programm jahrelang, bevor sie in die Weltmeisterschaft einstiegen.
Das Problem: Das Budget ist knapp. Der Verband wirtschaftet mit rund 27 Millionen Euro Jahresbudget. Etwa 5 Millionen steuert der Staat bei, was weniger als 20 Prozent des Etats entspricht. Olympische Verbände würden in Italien bis zu 90 Prozent staatliche Unterstützung erhalten. «Wenn wir mehr Geld hätten, wäre es einfacher», sagte Copioli. Den Rest muss die FMI selbst erwirtschaften, über Mitgliedsbeiträge, Dienstleistungen und einem großen Pool an historischen Motorrädern.
Fahrschulen für Talentsichtungen, Spanien als Konkurrenz
In den vergangenen Jahren baute die FMI ein Netz zertifizierter Fahrschulen nach dem Vorbild von Fußballakademien auf. Für 500 Euro Jahresbeitrag erhalten diese Schulen Versicherungsschutz und föderale Anerkennung. Kinder können dort kostenlos in den Sport hineinschnuppern. Mit diesem Konzept erreiche man etwa 10.000 Kinder pro Jahr.
Warum gelingt Spanien die Talentproduktion trotz kleinerem Verband leichter? Copioli nannte mehrere Faktoren. Das Klima sei im Winter besser, es gebe günstigere Streckenpreise und staatlich subventionierte Rennpisten. Ein Testtag in Mugello, Misano oder Imola koste laut Copioli etwa 200 Euro exklusive Mehrwertsteuer. Auf vergleichbaren Strecken in Spanien betragen die Kosten nur einen Bruchteil davon.
Der Italiener ist kein reiner Funktionär. Der Anwalt aus Riccione fuhr jahrzehntelang Rallys, saß auch auf Valentino Rossis Yamaha. Die Leidenschaft, die er entwickelte, helfe ihm im Umgang mit den Fahrern. «Ich bin nicht derjenige, der nur Bänder durchschneidet».
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