Puig: Warum Honda die 850er mit Mir und Marini testet – trotz Abschied
Honda setzt beim ersten großen 850er-Test mit Pirelli-Reifen auf Joan Mir und Luca Marini – obwohl beide HRC verlassen. HRC-Teammanager Alberto Puig begründete in Brünn die überraschende Entscheidung.
Wenn die MotoGP am Montag nach dem Grand Prix von Tschechien erstmals die neuen 850er-Prototypen mit den künftigen Pirelli-Einheitsreifen testet, wird Honda einen ungewöhnlichen Weg einschlagen. Statt auf seine Fahrer der Zukunft setzt HRC auf seine Fahrer der Gegenwart: Joan Mir und Luca Marini werden die ersten Rückmeldungen zum Motorrad der neuen Generation liefern.
Die Entscheidung sorgt im MotoGP-Paddock für Verwunderung. Schließlich haben sowohl Mir als auch Marini bereits bestätigt, Honda zum Ende der Saison 2026 zu verlassen. Beide werden ihre Karriere bei anderen Herstellern fortsetzen und nie ein MotoGP-Rennen auf der neuen 850er-Honda bestreiten.
Naheliegender wäre deshalb die Wahl von LCR-Pilot Diogo Moreira gewesen. Der Brasilianer bleibt Teil des Honda-Projekts und wird 2027 mit dem neuen Motorrad in der MotoGP antreten – eventuell sogar für das Werksteam. HRC-Teammanager Alberto Puig sieht die Situation jedoch anders.
Warum Honda die RC214V mit Marini und Mir testen wird
«Wir werden unsere aktuellen Fahrer einsetzen, Joan und Luca», erklärte Puig gegenüber MotoGP.com. «Wir setzen auf die Fahrer, die unser Motorrad am besten kennen. Deshalb schlagen wir diesen Weg ein und erhoffen uns, von ihnen die bestmöglichen Informationen zum neuen Motorrad zu erhalten. Beim nächsten Test sehen wir dann weiter.»
Für Honda steht beim ersten Vergleich offenbar nicht die langfristige Personalplanung im Vordergrund, sondern die Qualität des Feedbacks. Mir und Marini kennen die aktuelle RC213V bis ins Detail und sollen deshalb die Unterschiede zwischen dem bestehenden MotoGP-Motorrad und dem neuen 850er-Prototypen am präzisesten bewerten können.
Auf die Frage, warum Moreira trotz seines langfristigen Honda-Engagements außen vor bleibt, wich Puig zunächst aus. «Es gibt noch einen weiteren Test», erinnerte der Spanier mit Blick auf die nächste Testgelegenheit in Spielberg.
Trotz der kritischen Nachfragen ließ Puig keinen Zweifel daran, dass Honda die Entscheidung bewusst getroffen hat. «Wir sind überzeugt, dass wir den bestmöglichen Plan haben. Wir sind damit zufrieden.»
HRC will Rookie Diogo Moreira «nicht verwirren»
Besonders interessant war Puigs Erklärung, weshalb Honda Diogo Moreira bewusst nicht auf die neue 850er setzt. Der HRC-Teammanager befürchtet, dass zu viele unterschiedliche Motorräder den MotoGP-Rookie in seiner Entwicklung bremsen könnten.
«Wir haben bei unserer Entscheidung sehr stark an Diogo gedacht», betonte Puig. «Wir wollen, dass er die aktuelle 1000er bestmöglich versteht. Wenn wir ihm in seinem ersten Jahr in der MotoGP ein zweites Motorrad zu testen geben, dann wäre das die dümmste Entscheidung, die man treffen kann. Dann würde man den Fahrer verwirren. Wir sind aber nicht hier, um Fahrer zu verwirren.»
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