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Rallye Raid AutoKolumne
Dakar 1985: Doppelsieg für den Porsche 959
Gedacht war der Extrem-Porsche als Supersportwagen, um Ferrari und Lamborghini Paroli zu bieten. Doch schon bald war klar, dass dieses Auto die Gene für härteste Rallye-Einsätze in sich trug.
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Der fabelhafte Porsche 959Der fabelhafte Porsche 959Foto: RM Sotheby's
Der fabelhafte Porsche 959© RM Sotheby's
Er war das Über-Auto der 1980er-Jahre, der Porsche 959. Kein Auto seiner Art hatte so viele neue Technologien unter einer extrem flachen Karosserie versteckt wie dieser deutsche Supersportler: Allrad-Antrieb, modernste Schlupfregelung, raffinierte Lösungen bis hin zum Reifendruck-Check in den 17 Zoll großen Magnesium-Rädern.
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Angeschoben wurde dieses Wunder-Auto von einem Sechszylinder-Boxer-Motor mit Turboaufladung und für damalige Verhältnisse unglaublichen 450 PS Leistung, sein Vortrieb endete erst bei 317 km/h Höchstgeschwindigkeit. Nie werde ich eine Mitfahrt bei Rallye-Star Walter Röhrl in diesem Auto vergessen, der es verstand, den Boliden optimal zu beschleunigen. Dabei entfuhr dem schlaksigen Oberpfälzer, der nicht gerade bekannt ist für emotionale Gefühlsausbrüche: „Dieses Ding drückt dich so in die Sportsitze, dass dir die Tränen der Rührung waagerecht aus dem Gesicht laufen.“. Auch wir als Redakteure einer Auto-Fachzeitschrift kamen damals bei den Messfahrten an unsere Grenzen, und doch zollten wir Begeisterung und Respekt für dieses ungewöhnliche automobile Kunstwerk.
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Porsche selbst wollte mit dem 959 aber nicht nur auf asphaltierten Straßen gegenüber dem starken Wettbewerb vor allem aus Italien brillieren, dessen Prototyp sie auf der Internationalen Automobil-Ausstellung 1983 in Frankfurt gezeigt hatten. Und so ersannen sie ein raffiniertes Projekt für die Dakar-Rallye.
Da für die Homologation dieses Autos aber 200 Exemplare notwendig waren, die nicht so schnell gebaut werden konnten, verpflanzten sie 1984 erst einmal 959-Technik, und damit auch Allrad, erstmals in ein 911-Chassis. Davon entstanden drei Exemplare, wovon eines prompt als Porsche 953 mit dem Franzosen René Metge am Steuer 1984 die Langstrecken-Rallye gewann.
Ein Jahr später traten die Zuffenhausener wieder an, diesmal schon als 959. Doch weil die rund 600 PS starken Biturbo-Motoren nicht rechtzeitig fertig geworden waren, wurden 911er-Triebwerke mit etwas weniger Leistung eingebaut. Der Erfolg blieb diesmal aus, doch bei der Pharaonen-Rallye im Herbst 1985 gewannen Saeed Al Hajri und John Spiller erstmals mit einem Original-959. Daraus schöpften die Porsche-Techniker viel Hoffnung und bereiteten sich nun generalstabsmäßig auf die Dakar-Rallye 1986 vor, wollten sie diesmal, nach ziemlichem Frust, wirklich mit Erfolg beenden.
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Dafür aber bekamen die Motoren etwas weniger Power, um mit dem in Afrika gängigen Normal-Benzin auszukommen, sie brachten nun „nur“ rund 400 PS auf vier angetriebene Räder. Auch das Sechsgang-Getriebe war modifiziert worden: Der elektronisch gesteuerte Allradantrieb regelte jetzt automatisch, je nach Oberflächenbeschaffenheit, die Kraftverteilung für Vorder- und Hinterrachse. Die drei 959 bekamen zusätzlich einen 330-Liter-Kraftstofftank, dank vieler Kunststoff-Teile geriet das Auto nun nur noch 1 260 Kilogramm schwer – Türen und Hauben bestanden sogar aus Kevlar. Um optimal antreten zu können, hatten die schwäbischen Ingenieure viel Hirnschmalz eingesetzt. So platzierten sie etwa die Motorsteuergeräte, empfindliche Elektronik-Kästchen, weit oben in den Autos, um auch bei den Flussdurchfahrten keine Probleme zu bekommen. Auch Ölkühler und die entsprechenden Leitungen wurden so verlegt, dass sie nicht durch die teils extrem harten Gelände-Ritte beschädigt werden konnten. So ging´s schließlich in den rund 13.000 Kilometer langen Wahnsinns-Marathon durch Wüsten und Savannen Afrikas. Weil 1986, wie auch in den Vorjahren, professionell präparierte Geländewagen und Lkws das Starterfeld dominierten, stachen die trotz Höherlegung extrem flachen Porsche 959 besonders heraus. Und sie sollten auch extrem erfolgreich diesen Wettbewerb beenden: Wieder gewann René Metge mit seinem Beifahrer Dominique Lemoyne vor den Teamkollegen Jacky Ickx und Claude Brasseur, auf Platz sechs folgten noch Roland Kussmaul und Wolf-Hendrik Unger.
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Der 959-Rallye-Projektleiter und sein Beifahrer waren gedacht als „rasende Werkstatt“ im Feld, leisteten den Wettbewerbsautos, die auf dem Weg durch die Sahara mit bis zu 242 km/h gestoppt worden waren, technische Unterstützung. Denn schon zu Beginn der mörderischen Rallye waren zwei von drei Porsche-Service-Fahrzeugen ausgefallen. Das erfolgreiche 959-Trio befindet sich übrigens immer noch im Besitz der Marke und wurde vor zwei Jahren etwas restauriert, sind mit teilweise 18 000 Kilometern auf dem Tacho absolut fahrbereit. Auch wenn sie jetzt still in einer Halle vor sich hin schlummern, haben sie durch ihren famosen Doppelsieg bei der Dakar-Rallye 1986 doch maßgeblich dazu beigetragen, den Nimbus des 959 in aller Welt hoch zu halten nach dem Motto: Was auf dieser Rallye erfolgreich ist, muss auch auf der Straße überzeugen. Lag´s am hohen Preis von einst 420 000 Mark oder an der sehr selektiven Verkaufs-Strategie von Porsche: Ein Markterfolg stellte sich mit nur rund 290 veräußerten Exemplaren jedenfalls nicht ein. Schließlich gab´s nur einmal dieses besondere Auto umsonst: Als der österreichische Star-Dirigent Herbert von Karajan seinen ersten Porsche 959 in einem Straßengraben unrettbar versenkt hatte, schenkte ihm seine Hausmarke als gutem Kunden ein zweites Exemplar.
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