Silverstone: Warum die Formel 1 boomt und die MotoGP-Tribünen leer sind
Während die Formel 1 in Silverstone Besucherrekorde feiert, kämpft die MotoGP weiterhin um Zuschauer. Tech3-Teamchef Günther Steiner sieht das Problem jedoch nicht beim Veranstalter.
Die Entwicklung könnte unterschiedlicher kaum sein. Während der Formel-1-Grand-Prix in Silverstone Anfang Juli mit rund 564.000 Besuchern einen Zuschauerrekord aufstellte, kämpft die MotoGP am traditionsreichen Kurs in den vergangenen Jahren immer wieder mit enttäuschenden Zuschauerzahlen.
Im vergangenen Jahr wurden an den vier Veranstaltungstagen weniger als 100.000 Fans gezählt. Während die MotoGP auf den meisten Strecken ein Zuschauerwachstum verzeichnete, gingen die Zahlen in Großbritannien zurück.
Günther Steiner nennt den Grund, warum die F1 mehr Fans anzieht
Für Red Bull KTM Tech3-Teamchef Günther Steiner liegt der Grund jedoch nicht in einer mangelhaften Vermarktung des MotoGP-Events. Der Südtiroler, der die MotoGP gut mit der Formel 1 vergleichen kann, nahm die Organisatoren des MotoGP-Events in Silverstone in Schutz.
«Ich glaube nicht, dass die beiden Veranstaltungen unterschiedlich behandelt werden», erklärte Steiner. «Die Formel 1 ist momentan einfach in einer Situation, in der man praktisch gar keine Werbung machen muss. Würde man hier am Sachsenring ein Formel-1-Rennen veranstalten, kämen ebenfalls eine halbe Million Zuschauer.»
Der frühere Formel-1-Teamchef sieht vielmehr ein grundsätzliches Problem. «Wir müssen das Interesse an der MotoGP im Vereinigten Königreich insgesamt steigern. Das ist der entscheidende Punkt.»
Silverstone könne dabei zwar seinen Beitrag leisten, die Möglichkeiten seien aber begrenzt. «Natürlich kann der Veranstalter immer helfen und mehr Werbung machen. Man kann immer mehr tun. Ich habe ein gutes Verhältnis zu Stuart Pringle (Silverstone-CEO; Anm. d. Red.), und sie versuchen wirklich alles. Aber es ist nicht einfach.»
Steiner verweist darauf, dass sich die Formel 1 derzeit nahezu von selbst vermarkte. «Im Moment bekommt die Formel 1 auch ohne große Promotion ein volles Haus. Die Serie läuft einfach. Die MotoGP braucht dagegen Unterstützung.»
Keine Kritik an den Silverstone-Verantwortlichen
Nach seiner Einschätzung werden bereits verschiedene Maßnahmen umgesetzt, um den Grand Prix stärker ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. Als Beispiel nannte Steiner die Medienveranstaltung in London vor dem Rennwochenende. «Sie versuchen, die MotoGP nach vorne zu bringen. Mehr kann man im Grunde nicht tun.»
Deshalb hält der 61-Jährige wenig von der Kritik, Silverstone würde sich nicht ausreichend für die Motorrad-WM engagieren. «Ich glaube nicht, dass es am fehlenden Willen liegt. Es geht nicht darum, dass man nicht versucht, die Veranstaltung erfolgreich zu machen. Für Silverstone ist es wichtig, Gastgeber eines Motorrad-Grand-Prix zu sein.»
Die Herausforderung bleibt dennoch groß. Während die Formel 1 in Großbritannien von einem anhaltenden Boom profitiert, sucht die MotoGP weiterhin nach Wegen, um auf einem ihrer traditionsreichsten Märkte wieder an frühere Zuschauerzahlen anzuknüpfen. Der spannende und vollkommen offene Kampf um den WM-Titel könnte eine Hilfe sein, mehr Fans nach Silverstone zu locken, wenn die MotoGP Anfang August aus der Sommerpause zurückkehrt und in Northamptonshire gastiert.
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