MotoGP-Manager erklärt Bezzecchi/Aprilia-Einbruch: «Vase ist zerbrochen!»
Aprilia-Pilot Marco Bezzecchi führte die MotoGP-WM lange an, rutschte nach einer schwierigen Phase aber auf Rang 4 ab. Carlo Pernat sieht dafür mehrere Gründe – auf und neben der Strecke.
Marco Bezzecchi startete furios in die MotoGP-Saison 2026. Der Aprilia-Pilot gewann die ersten Grands Prix in Buriram, Goiania und Austin und setzte mit seinem emotionalen Heimsieg in Mugello ein weiteres Ausrufezeichen im Kampf um den WM-Titel. Lange Zeit führte der Italiener die Weltmeisterschaft an.
Doch in den vergangenen Wochen geriet seine Saison zunehmend aus der Spur. Nach der Kollision mit Teamkollege Jorge Martin im Balaton Park, der anschließenden Ohrfeige in Brünn samt Rennsperre sowie den schweren Stürzen in Assen und auf dem Sachsenring verlor Bezzecchi nicht nur viele Punkte, sondern auch die WM-Führung. In die Sommerpause geht er nur noch als WM-Vierter.
Wie Pernat die Rückschläge erklärt
Für den langjährigen MotoGP-Fahrermanager Carlo Pernat ist diese Entwicklung jedoch kein Zufall. Im Gespräch mit SPEEDWEEK.com verweist der Italiener zunächst auf die völlig veränderten Rahmenbedingungen innerhalb des Aprilia-Werksteams.
«Man muss sehr vorsichtig sein, wenn man über Marco Bezzecchi spricht», betonte Pernat. «Letztes Jahr hatte Marco das Glück, allein im Team zu sein, weil Jorge Martin nicht dabei war und Lorenzo Savadori sein Teamkollege war. Bei allem Respekt gegenüber Lorenzo: Er ist kein MotoGP-Stammfahrer. Das gesamte Aprilia-Team stand hinter Bezzecchi, er war alles für Aprilia.»
Pernat hebt hervor, dass Bezzecchi trotz seiner kämpferischen Mentalität heute vor einer deutlich schwierigeren Aufgabe steht. «Er hat den Charakter eines Kämpfers und hat eine sehr gute Atmosphäre geschaffen. Aber man darf nicht vergessen, dass er erst zu gewinnen begann, als Marc sich verletzt hatte. In diesem Jahr muss er Marquez und seinen Teamkollegen Martin schlagen – und Martin ist ein sehr unangenehmer Teamkollege.»
Dass Martin Ende der Saison zu Yamaha wechseln wird, verschärfe die Situation zusätzlich. «Martin will um jeden Preis gewinnen. Sein Teamkollege ist ihm dabei völlig egal. Man hat gesehen, was mit Bonora und den anderen passiert ist», spielte Pernat die kontroverse Szene in der Aprilia-Box an, als Martin seinen Frust in Richtung Paolo Bonora entlud.
Welche Rolle der Startunfall in Ungarn spielt
Nach Ansicht Pernats hat der Zwischenfall im Balaton Park das Klima innerhalb des Werksteams nachhaltig verändert. «Früher war das Team wie eine Champagnerblase – alles lief gut. Seit Ungarn läuft alles schief. Im Team werfen sie sich böse Blicke zu, die Fahrer sprechen nicht miteinander, die Renningenieure sprechen nicht miteinander. Die Stimmung ist jetzt schlecht. Irgendwie ist die Vase zerbrochen.»
Sportlich sieht der Italiener für Bezzecchi dennoch einen klaren Weg aus der Krise. «Er muss seine Einstellung ändern und es wie Marquez machen. Marc hat es nach seiner Rückkehr von seiner Verletzung geschafft, mit schwierigen Situationen umzugehen.»
Vor allem mental sei die Herausforderung heute größer als noch im Vorjahr. «Bezzecchi steht jetzt unter dem Druck von Martin innerhalb von Aprilia und gleichzeitig unter dem Druck von Marquez, der für mich der größte Anwärter auf den Weltmeistertitel ist. Das ist doppelter Druck – eine Situation, die er im vergangenen Jahr nicht hatte. Das ist ein sehr, sehr wichtiger Aspekt.»
Trotz des schwierigen Saisonverlaufs fällt Pernats Zwischenfazit keineswegs vernichtend aus. Im Gegenteil: «Meine Bewertung für Bezzecchis erste Saisonhälfte lautet: gut. Er lag einen Großteil der Saison an der Spitze der Meisterschaft.»
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