Oliveira testete BMW für 2027: Vieles erinnert ihn an die MotoGP
2027 ändert sich in der Superbike-WM einiges. BMW-Pilot Miguel Oliveira könnte davon profitieren: Michelin-Reifen und Carbon-Bremsen kennt er bestens aus der MotoGP.
Für Miguel Oliveira ist 2026 vieles neu. Nach vielen Jahren in der MotoGP wechselte der Portugiese in die Superbike-WM und musste sich nicht nur an die BMW M1000RR gewöhnen. Auch die Pirelli-Reifen und die in der seriennahen Weltmeisterschaft verwendeten Stahlbremsen unterschieden sich deutlich von dem, was Oliveira aus seiner langen Grand-Prix-Karriere kannte.
In der Saison 2027 könnte sich das Blatt wenden. Dann wechselt die Superbike-WM von Pirelli zu Michelin. Gleichzeitig kommen einheitliche Carbon-Bremsen von Brembo zum Einsatz. Beides kennt Oliveira bestens aus der MotoGP.
Einen ersten Vorgeschmack erhielt der BMW-Pilot bereits bei Testfahrten in Cremona. Dort arbeitete Oliveira mit dem BMW-Testteam und probierte sowohl die Michelin-Reifen als auch die neuen Bremsen aus.
«Wir sind mit Michelin-Reifen und den Bremsen gefahren. Soweit ich weiß, war das bislang alles», berichtete Oliveira vor dem Rennwochende in Cremona.
Der Unterschied zum aktuellen Superbike-Paket war deutlich zu spüren. Für den ehemaligen MotoGP-Sieger bedeutete das allerdings keine Reise ins Unbekannte – eher das Gegenteil. «Es war definitiv ein anderes Gefühl, aber interessant», schilderte Oliveira. «Sagen wir es so: Ich stieg auf etwas, das mir vertraut war.»
MotoGP-Erfahrung könnte zum Vorteil werden
Genau darin könnte für Oliveira eine große Chance liegen. Während sich viele seiner Superbike-Konkurrenten 2027 erstmals auf die Charakteristik der Michelin-Reifen und Carbon-Bremsen einstellen müssen, bringt der Portugiese jahrelange Erfahrung damit mit.
Insbesondere die Umstellung auf Michelin dürfte erheblichen Einfluss auf die Abstimmung und das Fahrverhalten der Superbikes haben. Reifen beeinflussen unter anderem Balance, Geometrie und das Verhalten beim Bremsen sowie Beschleunigen.
Dass BMW bereits während der laufenden Saison mit dem neuen Paket testet, zeigt deshalb, wie umfangreich die Vorbereitung auf das kommende Jahr ausfällt.
BMW-Technikdirektor Chris Gonschor erwartet durch die neuen Regeln einiges an Arbeit. «In der kommenden Saison gibt es einige Reglementänderungen. Es steht ein großer Veränderungsprozess bevor – beim Fuel-Flow-Limit, bei den Bremsen und bei den Reifen», erklärte der Deutsche.
Entsprechend wichtig wird die Wintervorbereitung. «Wir erwarten eine Menge Arbeit. Deshalb brauchen wir im Winter ausreichend Testzeit, um alle Dinge richtig beurteilen zu können.»
Grund zur Sorge sieht Gonschor allerdings nicht. «Letztlich ist es einfach eine neue Saison mit einigen Änderungen bei Teilen und Komponenten. Es gibt also nichts, wovor man Angst haben müsste.»
BMW bringt bewährte Chassis-Idee in die Serie
Neben Reifen und Bremsen arbeitet BMW auch am Motorrad selbst. Für 2027 erhält die M1000RR Änderungen am Chassis. Dabei greift der Hersteller auf Erkenntnisse zurück, die bereits unter dem Super-Concessions-Reglement gesammelt wurden.
BMW hatte diese Möglichkeiten 2024 genutzt, um das Chassis der M1000RR anzupassen. Der Rahmen wurde an einigen Stellen modifiziert, um die Steifigkeit zu reduzieren. Teile dieser Entwicklung finden nun ihren Weg in die Serienproduktion und bilden damit auch die Grundlage für das zukünftige Rennmotorrad.
«Wir haben in der Vergangenheit gute Erfahrungen mit den Modifikationen gemacht, die uns durch die Super-Concessions ermöglicht wurden», erklärte Gonschor. «Diese Lösungen anschließend in die Serienproduktion zu überführen, ist eine große Leistung und zeigt die Möglichkeiten unseres Unternehmens.»
BMW entwickle die M1000RR kontinuierlich weiter. «Wir verbessern das Motorrad von Modell zu Modell und von Facelift zu Facelift. Einmal ist es der Motor, einmal die Aerodynamik und ein anderes Mal das Chassis. Für 2027 haben wir dem Chassis Priorität gegeben, um dort einen Schritt nach vorne zu machen. Dahinter steckt ganz klar ein Performance-Gedanke.»
Von der neuen Auslegung verspricht sich Gonschor konkrete Vorteile bei der Abstimmung. «Es ist definitiv ein Schritt nach vorne. Wir haben die Steifigkeitswerte so ausgelegt, dass sich das Motorrad etwas einfacher abstimmen lässt.»
2027 könnte Oliveira entgegenkommen
Für BMW bedeutet die Saison 2027 damit einen erheblichen Umbruch. Für Oliveira könnten einige dieser Veränderungen dagegen dafür sorgen, dass sich sein Arbeitsgerät stärker dem annähert, was er aus seiner MotoGP-Zeit kennt.
Vor allem der erste Michelin-Test in Cremona stimmt den Portugiesen zuversichtlich. Während er sich 2026 auf zahlreiche für ihn neue Komponenten und Eigenschaften eines Superbikes einstellen musste, könnte seine langjährige Grand-Prix-Erfahrung beim nächsten großen Reglementwechsel plötzlich zum Vorteil werden.
Seine erste Reaktion nach dem Test spricht jedenfalls dafür: Das neue Paket fühlte sich anders an als die aktuelle BMW – gleichzeitig aber erstaunlich vertraut.
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