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Nicolo Bulega kann sich in Cremona zum Superbike-Weltmeister krönen. Nach seinem heftigen MotoGP-Testcrash reiste der Ducati-Star mit getapter Schulter an – und einem 920 PS starken Lamborghini.
Für Nicolo Bulega könnte es das wichtigste Wochenende seiner bisherigen Karriere werden. Der Ducati-Star hat beim Heimspiel der Superbike-WM in Cremona die Chance, seinen ersten Titel in der Königsklasse der seriennahen Weltmeisterschaft sicherzustellen. Zusätzlichen Druck verspürt der Italiener deshalb nach eigener Aussage nicht.
«Nein, ehrlich gesagt spüre ich keinen Druck», versicherte Bulega am Donnerstag beim Treffen mit SPEEDWEEK.com in Cremona. «Ich freue mich einfach, dass wir in Italien fahren und ich hier in Italien die Chance habe, die Weltmeisterschaft zu gewinnen. Das ist schön.»
Für mindestens ebenso viel Gesprächsstoff wie der bevorstehende WM-Showdown sorgte allerdings Bulegas körperlicher Zustand. Der 26-Jährige erschien mit getapter Schulter im Fahrerlager.
Die Ursache liegt einige Tage zurück: Bei einem MotoGP-Test in Mugello war Bulega mit Ducatis neuer 850-ccm-Maschine für 2027 bei rund 150 km/h heftig gestürzt. Zwar wurden anschließend keine Frakturen festgestellt, doch in den folgenden Tagen machte sich die Schulter bemerkbar.
Deshalb verzichtete Bulega auf den für Montag angesetzten nächsten MotoGP-Test auf dem Red Bull Ring. Eine reine Vorsichtsmaßnahme, wie er in Cremona betonte.
«Ich habe mich entschieden, den MotoGP-Test nicht zu fahren, weil ich in Mugello den Sturz hatte», erklärte Bulega. «Ich hatte ein wenig Schmerzen in der Schulter, aber es war wirklich nur eine Kleinigkeit. Jetzt bin ich wieder okay.»
Mit Blick auf das wichtige Superbike-Wochenende wollte der WM-Leader keinerlei unnötiges Risiko eingehen. «Es ergab keinen Sinn, vor Cremona noch mehr zu riskieren. Wie ich schon gesagt habe, möchte ich hier gewinnen. Deshalb wollte ich für dieses Rennen kein zusätzliches Risiko eingehen und zu 100 Prozent fit sein.»
Seit dem Unfall saß Bulega auf keinem Motorrad mehr. Stattdessen konzentrierte er sich auf die Behandlung seiner Schulter. «Ich habe nur etwas Physiotherapie gemacht. Es ist nichts Ernstes», versicherte der Ducati-Pilot. «Es tat etwas weh, weil ich bei ungefähr 150 km/h gestürzt bin. Nach dem Sturz bin ich einige Meter durch das Kiesbett gerollt. Deshalb brauchte ich etwas Physiotherapie, aber es ist nichts Ernstes.»
Dass Bulega am Donnerstag nicht nur wegen seiner Schulter auffiel, hatte einen anderen Grund. Der Italiener reiste mit einem Lamborghini Temerario nach Cremona. Der 920 PS starke Sportwagen wurde ihm von Lamborghini für das Rennwochenende zur Verfügung gestellt.
«Es war schön», grinste Bulega auf seine Anreise angesprochen. «Ehrlich gesagt ist es ein unglaubliches Auto. Lamborghini hat mir den Wagen gegeben, damit ich damit nach Cremona kommen kann. Ich bin ihn in den vergangenen zwei Tagen gefahren. Er ist fantastisch.»
Günstig war das Vergnügen allerdings nicht. Auf die Frage, ob Lamborghini zumindest auch die Tankrechnung übernommen habe, antwortete Bulega lachend: «Nein, den Sprit habe ich bezahlt – und das ist schon genug.»
Die Geschichte des ungewöhnlichen Dienstwagens begann bereits beim vorherigen Rennwochenende in Magny-Cours. Dort wurde Bulega auf Formel-1-Star Lewis Hamilton angesprochen, der zum Italien-GP in Monza mit einem Ferrari F40 erschienen war.
«Er hat ein bisschen mehr Geld als ich – nur ein bisschen», scherzte Bulega damals. «Würde ich eine Woche lang kostenlos einen Lamborghini bekommen, wäre das schön.» Der Wunsch wurde offenbar erhört. Die Verbindung liegt nahe: Lamborghini gehört ebenso wie Ducati-Eigentümer Audi zum Volkswagen-Konzern.
Ein WM-Titel am Sonntag und anschließend der Lamborghini als Geschenk? Gegen diesen Ausgang hätte Bulega nichts einzuwenden. Selbst kaufen möchte er sich den Temerario allerdings nicht. «Der ist zu teuer. Ihr müsst Cecconi fragen, ob er ihn mir schenken kann», scherzte Bulega in Richtung Aruba.it-Teamchef Stefano Cecconi. «Schlecht wäre das nicht. Aber wenn ich selbst bezahlen muss... In der Superbike-WM sind wir zu arm. Ich kann mir keinen kaufen.»
Bevor über mögliche WM-Geschenke nachgedacht werden kann, wartet auf Bulega jedoch zunächst Arbeit. Einen großen Vorteil aus dem jüngsten Superbike-Test in Cremona erwartet er nicht. Wegen einsetzenden Regens konnte er damals lediglich rund 30 Runden absolvieren. «Wir beginnen hier fast bei null», stellte Bulega deshalb klar.
Zumindest die körperlichen Voraussetzungen sollen stimmen. Trotz getapter Schulter sieht der WM-Leader seinen heftigen Mugello-Abflug nicht als Hindernis. Jetzt muss sich ab Freitag zeigen, ob Bulega tatsächlich wieder bei 100 Prozent ist – und ob er sein Heimrennen in Cremona mit dem Superbike-WM-Titel krönen kann.
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