Deutsche Rennsport-Meisterschaft 1977: Geheimtipp Fiat X1/9?
Unser Autor Uwe Mahla erinnert sich an einen besonderen Test in Italien: Der Fiat X1/9 galt als Geheimtipp für die neue Gruppe-5-Ära der DRM. Doch der große Erfolg blieb ihm verwehrt.
Irgendwann im Spätsommer 1976 rief mich mein Freund und Clubkamerad Wolfgang Wolf, längst einer der berühmten NSU-Akrobaten, an und fragte: «Hast Du Lust, mit mir nach Italien zu fahren, ich kann da einen kleinen Gruppe-5-Fiat testen?» Da konnte ich als wissbegieriger Jung-Reporter nicht nein sagen.
Silhouette-Formel dominierte
Dazu muss man rekapitulieren, dass für die kommende Saison der Umstieg der Deutschen Rennsport-Meisterschaft komplett auf die neue Silhouette-Formel festgelegt war – eine Formel, bei der außer der ursprünglichen Bauweise und Karosserieform weitgehend alles freigestellt ist.
Die großen Werke wie BMW, Ford und Porsche konzentrierten sich dabei auf die entsprechende Modifikation schon im Rennbetrieb erprobter bzw. neue Modelle wie BMW 3er, Ford Escort und Porsche 934.
Grundsätzlich aber galt: Erfolgversprechend wären hier auch vergleichsweise exotische Typen wie der BMW M1, der Lotus Europa oder der Lancia Beta Monte Carlo. Warum? Vorbedingung für die Überlegungen, derartige Modelle im Gruppe-5-Wettbewerb einzusetzen, war: Sie müssten im Urzustand, also als Serienauto, alle Eigenschaften mitbringen, die eine erfolgreiche Modifikation zum reinrassigen Rennwagen ermöglichten. Die genannten Fahrzeuge wie 3er und Escort hatten mit dem Makel hergebrachter Konstruktionsmerkmale wie Motorposition, Antriebsart oder etwa Spurbreite zu arbeiten. Währenddessen warteten die «Exoten» mit Mittelmotoranordnung, entsprechend optimaler Gewichtsverteilung, wenig Luftwiderstand und viel Platz für breite Räder erheblichen technischen Vorsprung auf.
Als zeitlicher Vorgriff sei erlaubt, dass BMW mit dem M1 vom ersten Entwicklungsschritt an diesen Weg ging. Die Serienvariante wurde genau so entwickelt, dass sie alle wettbewerbsrelevanten Aspekte zeitgleich im Hinblick auf die Gruppe 5 vorgab bzw. berücksichtigte.
Ob der Fiat-Konzern mit dem Lancia Beta Monte Carlo genauso an das Thema heranging, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen, aber sein Erfolg – siehe Hans Heyers Triumphzug im Jahr 1981 – spricht für sich.
Fiat X1/9 als Gruppe-5-Rennwagen
Die Idee mit der Verwendung der extrem sportlichen Anlagen eines Automodells hatte auch der italienische Rennwagen-Konstrukteur Gian Paolo Dallara aus Varano bei Parma. Er entwickelte auf der Basis des von Bertone designten kleinen Mittelmotor-Sportwagens Fiat X1/9 ein 1.600 ccm-Gruppe-5-Rennwagen mit einer GfK-Karosserie.
Wolfgang Wolf steigt ein
Darauf wurde die bis dahin mit Fiat-Rennautos aus dem fränkischen Weidensees erfolgreiche Tuning-Spezialisten um Richard Leinberger aufmerksam. Mit einem Gesamtgewicht von knapp 700 kg, sagten sie sich, und einem 1,6 Liter-Vierventiler mit gut und gern 220 PS müssten wir doch eigentlich in der kleinen Division der DRM eine recht gute Figur machen. Und so kamen sie auf Wolfgang Wolf, einen weiteren Vertreter der Gattung schnelle Gärtner, den sie für das Unterfangen gewinnen konnten. Sie wussten, was sie da für ein Kaliber verpflichtet hatten – hatte er ihnen und ihrem angestammten Piloten Heinz Tubbesing doch jahrelang ein ums andere Mal mit seinem NSU TTS die Türklinken vom Fiat abrasiert.
Gemeinsamer Einsatz in der DRM beschlossen
Schauplatz Autodromo di Varano: Dallara hatte, wie eingangs erwähnt, zu Testfahrten mit dem X1/9 eingeladen. Ein Aspirant nach dem anderen durfte sich auf dem heißen Renner versuchen, Wolf fühlte sich auf Anhieb happy und hinterließ einen so überzeugenden Eindruck, dass alle Beteiligten sich noch an Ort und Stelle auf den gemeinsamen Einsatz in der DRM einigten.
Das Projekt klang so verheißungsvoll und fast wie ein Geheimtipp, dass selbst Herbert Schnitzer einmal kurzfristig mit dem Gedanken spielte… Im harten Einsatz der DRM kam es jedoch nicht zum erhofften Achtungserfolg. Der kleine Fiat fiel zwar häufig durch schnelle Zeiten auf, ansonsten aber hauptsächlich wegen Getriebeschäden regelmäßig aus, bis er schließlich ganz von der Bildfläche verschwand. Schade, denn mit etwas glücklicheren Händen hätte etwas Gutes draus werden können.
Nicht viel anders erging es einem ähnlichen Projekt, über das wir schon berichtet haben. Harald Ertl ging den gegenüber dem oben beschriebenen Weg in umgekehrter Richtung: Er nahm ein TOC-Sportwagen-Monocoque, und versah dies mit einer Lotus-Europa-Silhouette. Dazu ein 1,4 Liter-Zakspeed Turbo – fertig war die Gruppe-5-Rakete. Aber auch sie zündete nur Kurz und verschwand nach wenigen Einsätzen im Orbit.
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