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Niedzwiedz und Retterath: Doppel-Geburtstag zweier Ring-Legenden
Der frühere Ford-Profi Klaus Niedzwiedz und Nürburgring-Original Hans-Joachim Retterath feiern ihren 75. Geburtstag. Und jeder schrieb seine spezielle Geschichte auf und an dieser Rennstrecke.
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So mancher mit leerem Tank gestrandeter Autofahrer wurde von Retti versorgtSo mancher mit leerem Tank gestrandeter Autofahrer wurde von Retti versorgtFoto: Archiv Retterath
So mancher mit leerem Tank gestrandeter Autofahrer wurde von Retti versorgt© Archiv Retterath
Klaus Niedzwiedz und Hans-Joachim Retterath feiern am heutigen 24. Februar 2026 ihren 75. Geburtstag. Fangen wir mal mit Klaus Niedzwiedz an, einer der noch die besten Jahre des Ford-Motorsports erlebt hat. «Niedze» gilt als einer der erfolgreichsten Piloten des einst so schlagkräftigen Ford-Werksrennstalls aus Köln. Seine beste Zeit hat er als Profi-Rennfahrer bei Ford in der DRM, WM und DTM erlebt.
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Seine Kölner Erfolgsgeschichte begann 1978, als er im Capri 3.0 S mit zehn Siegen aus zehn Starts die Deutsche Rundstrecken-Meisterschaft gewann. Danach durfte er ins Cockpit des 500 PS-Turbo-Capri aufrücken. Marco Werner, heute dreifacher Le-Mans-Sieger, schraubte seinerzeit noch als Zakspeed-Mechaniker am Auto seines Kumpels und späteren Förderers.
Auch den störrischen Ford C 100 wusste «Niedze» zu bändigen, gewann die Interserie und verhalf Ford so wenigstens zum einzigen Titel des ungeliebten und missratenen Sportwagens. Den Gewinn der Tourenwagen-WM 1987 verpasste der Westfale samt Partner Klaus Ludwig im Sierra-Turbo RS 500 nur um einen Punkt. Wenigstens reichte es mit Unterstützung der Team-Kollegen Soper und Dieudonne noch zum Gewinn des Team-Titels.
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Überhaupt wurde der Sierra-Turbo in der DTM, EM und WM zum erfolgreichsten Teil des Rennfahrer-Lebens von Klaus Niedzwiedz. So gelang ihm der geschichtsträchtige erste Sierra-DTM-Sieg 1985 auf der Avus. Und 1989 beim DTM-Finale in Hockenheim gingen auch die beiden letzten Siege zum Ford-Abschied aus der DTM auf sein Konto. «Den Gewinn der Meisterschaft 1989 habe ich nur deshalb knapp verpasst, weil unser Auto mit unsinnigen Gewichtszuladungen belastet war.»
So strandeten «Niedze» und seine Markenkollegen häufig wegen des vom Technik-Reglement der Sportbehörde in mehreren Schritten verordneten «unverantwortlich hohen Gewichts». Felgen und Radträger brachen, Reifen platzten, sogar ganze Achsen knickten unter dem Übergewicht ein. Als Höhepunkt der abstrusen Diskussion um die Gewichtszuladungen als Strafe für Siege gilt sein Mega-Crash beim DTM-Lauf 1988 auf der Nordschleife des Nürburgrings.
Ein Reifenplatzer bei mehr als 300 km/h überlebte er wie durch ein Wunder mit lediglich einem Armbruch und schweren Prellungen. Teile des völlig zerfetzten Sierra RS 500 fanden sich sogar in den Bäumen und auf der angrenzenden Bundesstraße B 258 neben dem Streckenabschnitt «Tiergarten».
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Übrigens schwebten schon drei Jahre zuvor alle Schutzengel über ihm, als der Motorrad-Freak ebenfalls am Ring mit seiner 500er Kawasaki bei gut 200 km/h böse stürzte. Komplizierte Bein- und Wirbel-Verletzungen erzwangen eine zehnwöchige Pause samt längerem Krankenhaus-Aufenthalt. Schon vor dem Ende seiner Profi-Laufbahn startete Niedzwiedz, dessen Name noch immer gerne mal in den abenteuerlichsten Varianten falsch geschrieben wird, in seine zweite Karriere als TV-Moderator und -Produzent. Für diverse TV-Sender produzierte und präsentierte er regelmäßig Magazin-Sendungen und Tests rund ums Auto. Einmal Racer, immer Racer – diese alte Weisheit trifft auch auf Klaus Niedzwiedz zu. So gab er hin und wieder auch noch jenseits der 60 am Nürburgring Vollgas, trat bei einigen 24h-Rennen nochmal an und brachte seine Autos meist als Klassensieger ins Ziel. Geblieben und noch vertieft hat sich seine Liebe zum Motorradfahren. Mit seinen inzwischen fünf Harley-Modellen (zwei Road King, zwei Heritage, eine Street Bob) hat er die ganz große Auswahl. Seit er fast das Jahr in Spanien lebt, ist Klaus zu einem echten Harley-Freak geworden. Fast 600.000 km ist er in den letzten Jahren mit seinen fünf Maschinen durch ganz Europa getourt, oft zusammen mit seiner Frau Nezha, mit der er seit fast 20 Jahren zusammen ist.
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Nezha war und ist zugleich auch seine Kamerafrau bei den in Eigenregie produzierten Autotests für diverse TV-Sender. Sie als Regisseurin hinter, er als Moderator vor der Kamera – eine ideale Kombination. «Und wenn es mal zu Meinungsverschiedenheiten beim Dreh kommt», so Klaus, «wird das sachlich ausdiskutiert.» Nun freut er sich, dass es auch mit 75 bei ihm «oben und unten noch immer ziemlich gesund zugeht». Demnächst wird er seinen deutschen Wohnsitz auflösen und für immer in Spanien bleiben. «Das Leben hat es bisher mit mir verdammt gut gemeint. Ich habe die schönste Zeit des Ford-Motorsports und der DTM erlebt, konnte mein Hobby zum Beruf machen und habe eine wunderbare Frau an meiner Seite.» Jubilar Retterath: Ein Stück vom Ring Es gibt wohl nur wenige Nürburgring-Fans, denen der Name Hans-Joachim Retterath samt seiner Kult-Tankstelle an der B 258 nichts sagt. Gute Freunde dürfen ihn auch «Retti» nennen. Am selben Tag wie Klaus Niedzwiedz feiert der umtriebige Multi-Unternehmer auch seinen 75. Geburtstag. Stolz merkt er an, «dass auch Weltmeister Alain Prost mit ihm am selben Tag Geburtstag hat und 71 wird».
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Hotelier, Chefkoch, Schankwirt, Kellner, Tankstellenbetreiber, Modellauto-Experte, Fanartikel- und Ticket-Verkäufer – alles in Personalunion. So könnte man den Multi-Mann und Unruhegeist Hans-Joachim Retterath heute beschreiben. Mit dem Nürburgring ist er fest verwurzelt, sogar das Licht der Welt hat er 1951 im Anwesen der Eltern an der B 258 erblickt – genau gegenüber der schnellsten Ring-Passage «Döttinger Höhe».
Mit einer guten Portion Geschäftssinn ausgestattet, hat der Junior das Erbe seines Vaters 1972 übernommen und die Tankstelle mit Pension im Laufe der Zeit zu einem höchst rentablen kleinen Imperium mit Kult-Status ausgebaut. Aus der Pension hat er ein schickes Hotel gemacht, das allerdings heute offiziell nicht mehr betrieben wird und in dem der Chef nur noch für langjährige Hausgäste ein paar Zimmer bereit hält. Und aus den beiden Zapfsäulen (Esso und Esso Extra) ist eine bestens florierende Tankstelle mit großem Fan-Shop geworden. Man kann es auch einen Treffpunkt für Renn-Fans aus der ganzen Welt nennen.
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Seine Geburtstags-Kollegen Niedzwiedz und Prost kennt «Retti» natürlich wie so viele andere Stars der Zunft persönlich. «Der Prost war in den 80er-Jahren schon mehrfach Hotelgast bei mir und mit dem Klaus Niedzwiedz hab‘ ich so manches nette Gespräch geführt. Der Unterschied zwischen ihm und mir bestand u.a. darin, dass er deutlich mehr weibliche Fans als ich hatte.» Retteraths Kundschaft kommt aus der ganzen Welt. «An den großen Renn-Wochenenden registrieren wir an der Tankstelle und im Shop oft bis zu 3.000 Autos und Motorräder, an normalen Sonntagen um die 1.000. Unter der Woche sackt der Zulauf dramatisch ab und im Winter landen wir fast bei null.» Schicke Sportwagen, teure Exoten und schwere Motorräder fahren blubbernd vor und mit durchdrehenden Rädern wieder ab. Das Gedränge an den Zapfsäulen nimmt oft chaotische Züge an, der angrenzende Parkplatz ist ebenfalls brechend voll. Einmal Pinkeln kostet extra. Aber nicht alle wollen tanken, so mancher steuert auch das kleine Hotel, das Restaurant, die Wurstbude oder die Sonderbereiche «Fan- und Buch-Shop» mit dem großen Modellauto-Bereich im hinteren Teil des Tankstellen-Kassenraums an.
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Angeboten werden hier tausende verschiedene Modelle, fast alle vom Marktführer Minichamps. Große und kleine Schätze, fein säuberlich in Wandelgängen mit Glasvitrinen aufgereiht, dokumentieren fast 70 Jahre Rennsport. Formel 1 und Formel 2, Sport-, GT- und Tourenwagen. Und auch kaum ein Racing-Buchtitel fehlt im Angebot. Als Fittipaldi vor der Haustür das Benzin ausging Rennsport-Fan Retterath hat so manche unglaubliche Geschichte auf Lager. Eine der besten ist sicher jene über Emerson Fittipaldi. 1972 testete der angehende Formel-1-Weltmeister auf der Nordschleife. Genau gegenüber der Tankstelle rollte der schwarze JPS-Lotus auf der langen Geraden ohne Benzin aus. Natürlich hatte Retterath den spuckenden Motor nebst anschließender Stille sofort registriert. Und er wusste, was jetzt zu tun ist. Bewaffnet mit einem gefüllten Zehn-Liter-Kanister und Polaroid-Kamera, spurtete er über die Bundesstraße durchs dichte Buschwerk auf die Rennstrecke. Dankbar schritt «Fitti» zur Notbetankung.
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Bevor «Fitti» wieder einstieg, ließ er noch geduldig einige Schnappschüsse über sich ergehen. Auf eines der Bilder von der Betankungsaktion schrieb er eine persönliche Widmung. Immerhin war «Retti» mit dieser Aktion weitaus erfolgreicher als bei jenen Versuchen, als Jugendlicher ohne Ausweis ins Fahrerlager zu gelangen. «Vorne hab’ ich mich reingeschmuggelt, und hinten haben mich die Ordner wieder rausgeschmissen.»
Meister Retterath ist aber keineswegs nur gewiefter Geschäftsmann, sondern auch selbst Motorsport-Fan bis in die Haarspitzen. So stehen seine Hotelgäste staunend vor Zeichnungen, alten Plakaten oder einer Glaswand in der Gaststube – dahinter hat er seine private Modellauto-Kollektion akkurat aufgereiht. Über eine Direktleitung der internen TV-Übertragungswege wichtiger Nürburgring-Events schaut er sich neben den 24 Stunden und der DTM auch die Rennen des VLN-Langstreckenserie an. Dazu natürlich auch noch Formel 1, MotoGP und was es sonst noch so gibt. Selbst in der Küche hängt er mit einem Auge am Bildschirm. «Ich bin ein unverbesserlicher Racefan, das wird man automatisch, wenn man hier neben der Rennstrecke aufwächst.»
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Apropos Küche – noch immer steht der nun 75-Jährige mit seiner schwarz-weiß karierten Schürze am Herd und kocht für seine Restaurant-Gäste. «Von nix kommt nix», weiß der ebenso clevere wie fleißige Geschäftsmann. Und weil er offenbar noch immer nicht ganz ausgelastet war, hat er vor einiger Zeit auch noch einen Kiosk mit Lotto-Annahmestelle direkt oben am Ring Boulevard platziert. Gibt es Söhne oder Töchter für die Nachfolge? «Nee», beantwortet der Chef eher emotionslos diese Frage. «Wenn meine Frau will, könnte sie ja alles übernehmen und weiterführen. Nur wird sie sich dann einen neuen Koch suchen müssen.» Annette Retterath hat ebenfalls viel Erfahrung als Geschäftsfrau und war jahrelang Chefin einer eigenen Werbeagentur. Momentan kämpft «Retti» mit gesundheitlichen Problemen und muss jede Menge Tabletten schlucken, «aber so schnell lass‘ ich mich nicht kleinkriegen.» Das hoffen auch seine vielen Fans. Auf die Frage, wie lange er das alles trotz seiner angeschlagenen Gesundheit noch machen will, kommt die Antwort prompt. «Solange bis ich umfalle und weg bin.» SPEEDWEEK.com gratuliert beiden Jubilaren sehr herzlich zu ihrem jeweils 75. Geburtstag und wünscht alles erdenklich Gute für die nächsten Jahre.
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