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TourenwagenKolumne

Wie der AMG-Mercedes 300 SEL 6.3 zur «Roten Sau» wurde

Im Nachhall zu den großartigen 24-Stunden-Rennen der letzten Wochen auf dem Nürburgring, in Le Mans und Spa: Wie ein dicker roter Benz Motorsport-Geschichte geschrieben hat: die Rote Sau.

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Die rote Sau in voller Fahrt
Die rote Sau in voller Fahrt
Foto: Archiv Heyer
Die rote Sau in voller Fahrt
© Archiv Heyer

Wenn wir so wollen, begann die Geschichte der «Roten Sau» in der damals noch kleinen Werkstatt des Automobilhändlers Klaus Behrmann in Norderstedt vor den Toren Hamburgs.

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Behrmanns Auftritte mit seinem in professioneller Eigenregie vorbereiteten Renn-Benz fanden zwar auf kleinerer Bühne, dafür aber um nichts weniger erfolgreich statt als später jene Sensationsplatzierung des AMG-Dickschiffs unter Hans Heyer und Clemens Schickentanz beim 24 Stunden-Rennen in Spa 1971 – mit dem zweiten Gesamtrang hinter dem Werks-Capri unter Dieter Glemser und Alex Soler-Roig.

Also zuerst mal zu Klaus Behrmann. Wer auf die Idee kommt, eine tonnenschwere Edel-Limousine in einen Rennwagen zu verwandeln, der muss schon mit eine gehörige Portion Idealismus und Liebe zur Marke mit dem Stern gesegnet sein.

Beides traf auf den jungen Behrmann zu, der es später zu einem respektablen Automobil-Imperium brachte. Zu der technischen Pfiffigkeit fügte sich großes fahrerisches Talent, so dass seine dicken Mercedes, zunächst noch belächelt, wo er auftauchte, meist an vorderster Front landeten.

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Behrmann stattete sein Renngerät mit immer größerem Motor aus und verfügte in der Schlussphase über 7,2 Liter Hubraum und fast 400 PS. Damit trieb er sein Unwesen auf Rallye- wie Rundstrecken. Sein statistisch bestes Ergebnis war Platz 2 in der Deutschen Rundstrecken-Meisterschaft 1966.

Jetzt zu AMG: Als Mercedes-Benz im März 1968 auf dem Genfer Automobilsalon den 300 SEL mit 6,3 Liter-Achtzylindermotor vorstellt, erkennen die AMG-Inhaber sogleich das sportliche Potenzial dieses Autos.

Ein Neuwagen ist für das junge Unternehmen noch zu teuer, aber 1969 kann Hans-Werner Aufrecht einen Unfallwagen kaufen, dazu eine Rohkarosse, und in den nächsten zwei Jahren entsteht ein Renntourenwagen, der 195 Kilo weniger wiegt als das Ausgangsmodell und dank Motorenguru Erhard Melcher nun beeindruckende 428 PS unter der Haube hat.

Der große Einsatz soll beim 24 Stunden-Rennen von Spa-Francorchamps erfolgen, einem Lauf zur Tourenwagen-Europameisterschaft.

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Für das Rennen bekommen Heyer und Schickentanz die Order, Rundenzeiten um 4:20 Minuten zu fahren und sich nicht auf unnötige Positionskämpfe einzulassen.

Die Verbrauchsmessungen während des Trainings hatten einen Verbrauch von 50 Litern pro 100 Kilometer ergeben, dementsprechend waren die Boxenstopp-Intervalle festgelegt worden.

Beide Piloten halten sich strikt an die Anweisungen des Teams, drehen ihre Runden mit der Präzision eines Uhrwerks und liegen nach einem Viertel der Renndistanz auf Rang 4.

Die Boxencrew ist nur beim Reifenwechseln und Tanken gefordert, ansonsten gibt es keine technischen Probleme mit der «Roten Sau».

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Selbst der hohe Verbrauch im Training reduziert sich im Rennen um mehr als 10 Liter. Hätte man das früher erkannt und entsprechend größere Abstände zwischen den Stopps geplant, wäre vielleicht noch ein Angriff auf den führenden – und siegreichen – Ford Capri möglich gewesen. So wurde es ein schier unglaublicher zweiter Platz.

Das Resultat ist eine Sensation, sogar die Tagesschau berichtet darüber. Landauf, landab wächst die Hoffnung auf eine Rückkehr von Mercedes auf die Motorsport-Bühne.

So ist die Rote Sau zu einem Stück Automobilgeschichte geworden.

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