Audi-Legende Stig Blomqvist ist 80: Mit links vom Fahrlehrer zum Rallye-Ass
Happy Birthday, Stig Blomqvist: Eine Fahrtechnik, die ihn zum Rallye-Weltmeister machen sollte, hatte der König des Linksbremsens auf frontgetriebenen Autos gelernt und zur Kunstform verfeinert.
Um in einem frontgetriebenen Auto schnell durch eine Kurve zu kommen, ohne dabei durch das untersteuernde Fahrverhalten nach außen getrieben zu werden, sollte der Fahrer mit dem linken Fuss bremsen. Denn dann blockieren die Hinterräder, die Hinterachse bricht aus, die Vorderräder ziehen das Auto durch die Kurve.
So hatte Stig Blomqvist, der am 29. Juli seinen 80. Geburtstag feiert, das in seiner Heimat Schweden auf Schnee und Eis gelernt.
Denn er startete seine Rallye-Karriere einst in einem Saab, einem eigentlich braven Alltagsauto. Genau dieses Linksbremsen sollte ihm aber auch am Höhepunkt seiner Karriere, in einem Werks-Audi Quattro, zugutekommen. Denn dieses damals revolutionäre Auto mit Allradantrieb tendierte am Kurveneingang auch eher nach außen. Zudem wollte sein Turbomotor, der damals wegen eines großen Laders noch ein so genanntes, großes Loch im Ansprechverhalten aufwies, stets bei Laune gehalten werden.
Also lautete die Lösung wie folgt: Der rechte Fuss des Fahrers blieb stur auf dem Gaspedal, der linke tanzte immer zwischen Brems- und Kupplungspedal hin und her. Das Ergebnis ist schließlich steter Vortrieb, ganz nebenbei wird auch kurz geschaltet, und dank vier angetriebener Räder geht’s dauerflott nach vorne.
Mit dieser Taktik holte sich der gemütlich wirkende und etwas maulfaule Schwede 1984 immerhin den Titel eines Rallye-Weltmeisters und 1985 noch das Vize-Championat, die größten Erfolge übrigens immer auf Autos der Ingolstädter Marke.
Auch Walter Röhrl, selbst ein großer Könner hinter dem Lenkrad, hatte zu Beginn seiner Zeit bei Audi sich den Ratschlag Blomqvists geholt. Er ließ sich von ihm jene Linksbrems-Technik zeigen, lernte sie schnell und verfeinerte sie ebenfalls.
Für Blomqvist hatte die Karriere in einer sehr speziellen Motorsport-Sparte seiner Heimat begonnen, dem Rallye-Cross. Auf einem Saab 96, jener ulkigen Auto-Kugel mit Ford-Motor, fuhr er erste Erfolge ein, gewann 1973 auf diesem Fabrikat zusammen mit Beifahrer Arne Hertz auch seinen ersten Weltmeisterschaftslauf, die Schweden-Rallye.
Es folgten weitere Saab-Modelle, auch mit Turbomotor, immer begleitet vom bereits erwähnten Linksbrems-Trick. Zuvor hatte Blomqvist, was viele seiner Konkurrenten gar nicht wussten, bei der Volkshochschule in seinem Heimatort Örebro erfolgreich eine Ausbildung zum Fahrlehrer absolviert.
Zu Audi Sport kam er 1982, und er sorgte sofort für eine Sensation, ebenfalls bei der Schweden-Rallye. Während seine Marken-Kollegen Hannu Mikkola und Michèle Mouton an den schweren Verhältnissen dort scheiterten und gar ineinander krachten, zog der stille Mann vom Land mit seiner besonderen Fahrtechnik auf und davon, gewann diesen WM-Lauf souverän.
Es sollte der erste von insgesamt acht WM-Siegen auf einem Audi Quattro werden, seine letzte Rallye fuhr er 2006 auf einem Subaru Impreza Gruppe N, wieder auf heimischem Schnee, wieder mit Linksbremsen.
Zum Ende seiner Karriere konnte Blomqvist auf 122 Rallyes zurückschauen, auf elf Plätze ganz oben am Sieger-Treppchen, er hatte unglaubliche 486 Wertungsprüfungen für sich entschieden.
Aber auch abseits europäischer Rallye-Pisten war er bekannt geworden. So jagte er 1983 mit Co-Pilot Björn Cederberg in einem Audi Quattro bei einer Rallye in Argentinien mit fast 190 km/h als Durchschnittstempo über unbefestigte Pisten, holte auf einem 840 PS starken Ford RS 200-Prototyp ein Jahr später den Sieg beim legendären Pikes Peak-Bergrennen in den USA.
Dass er es immer noch kann, bewies Blomqvist 2022 zuletzt beim berühmten Race of Champions. Damals bewegte er seinen ehemaligen Audi-Dienstwagen mit rund 500 PS so souverän über die Piste, dass selbst ein doppelt so starkes Elektro-Supermobil gegen ihn nur Zweiter wurde.
Auch da war wieder sein Linksbremsen in Perfektion zu bestaunen, das höchst feinfühlige Dosieren mit dem Gaspedal, jenes harmonische Gleiten durch engste Kehren – Autofahren als Kunstform.
Auch heute noch klemmt sich der karge Redner mit der Figur eines Bären hinters Steuer und zeigt, wenn denn gewünscht, sein enormes Fahrkönnen auf jenem Test-Areal Jokkmokk in Schweden, das inzwischen seinen Namen trägt. Vielleicht, wer weiß, dreht er an seinem Geburtstag dort auch ein paar sehenswerte Kringel?
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