Zarco-Ersatz Crutchlow nach Ungarn-GP «Allein rumfahren ist schrecklich»
MotoGP-Rückkehrer Cal Crutchlow kam bei seinem zweiten Ritt als Zarco-Ersatz ins Ziel. Der Veteran hatte sich auf dem letzten Platz nichts vorzuwerfen. Den Startcrash kommentierte er sachlich.
LCR-Stammpilot Johann Zarco wird dem GP-Zirkus noch eine Weile ferne bleiben. Insbesondere die schwere Knieverletzung schließt eine Rückkehr in den kommenden drei Monaten aus und auch darüber hinaus kann aktuell nicht konkret mit Frankreichs MotoGP-Held geplant werden.
Zugleich erklärte der LCR-Boss auch, dass Cal Crutchlow bis auf Weiteres als Dauervertretung für Zarco gesetzt ist, auch weil andere Honda-Werksfahrer selbst verletzt (Espargaro) oder nicht abkömmlich (Nakagami) sind. Damit deutet alles darauf hin, dass man den schlagfertigen Crutchlow mindestens bis zur Sommerpause und damit in Brünn, Assen und am Sachsenring auf der MotoGP-Honda sehen wird.
Während seines zweiten Einsatzes auf der RC213V schlug sich der 40-Jährige, der an Balaton mit Gattin und Tochter gereist war, äußerst respektabel. Wenig überraschend tauchte die Nummer 35 in den Sessions auf dem letzten Platz auf, doch Crutchlow bewies, dass er alles andere als im Rentnermodus unterwegs war.
Im FP1 hatten Crutchlow auf der für ihn neuen Piste üppige 3,5 sec auf die Bestzeit gefehlt und auch auf Honda-Kollege Mir waren es 2,3 Sek Im Zeittraining fand der Brite dann 0,6 sek., weitere zwei Zehntel im FP2 und die nächste halbe Sekunde im Q1. Den größten Schritt setzte Crutchlow dann über die Renndistanz. Der Senior-Racer berichtete selbst: «Abgesehen von den ersten Runden, in denen ich wie ein Opa um die Strecke gefahren bin – ich glaube, in Runde 1 war es sieben Sekunden, und 17 in den ersten drei Runden – kann ich zufrieden sein. Mir war klar, dass ich nicht auf die Position schauen kann, sondern auf mich. Und da habe ich mich über das gesamte Wochenende gesteigert. Meine beste Rennrunde war 0,9 sek. langsamer als die des nächsten Honda-Piloten (Moreira, P6) – und ich habe das Rennen durchgefahren. Mehr konnte ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht verlangen.»
War ich wirklich so schnell?Cal Crutchlow
Die Zielankunft war hart erkauft: «Körperlich war es, glaub ich, das härteste Rennen meines Lebens. Meinen letzten GP über die volle Distanz bin ich 2022 gefahren. Es war auch deshalb so anstrengend, weil mir die Referenzen gefehlt haben Ich bin die ganze Zeit allein gefahren – und allein fahren ist wirklich schrecklich. Einmal kam «Diggia» vorbei. Kurz dachte ich: «War ich bislang wirklich so schnell?», aber dann war schon klar, dass er in dem Startchaos drin gewesen sein muss. Er zog sofort davon.»
Davon hatte der Veteran trotz seiner Position hinten nur wenig mitbekommen. Crutchlow zu dem von Jorge Martin ausgelösten Massencrash: «Ich sah Bikes fliegen, habe mich selbst aber ganz nach innen orientiert, auch weil ich es außen noch rutschiger fand. Fakt ist, die Piste war in dem Bereich der Strecke in der Startphase rutschig.»
Crutchlow, der sein erstes MotoGP-Rennen vor 15 Jahren für Tech3 bestritt, ergänzte: «Niemand mag solche Situationen, aber sie sind nun mal nicht komplett zu vermeiden. Diese Ecke in Balaton ist dafür prädestiniert. Dazu kommt, dass die Starts nun mal sehr wichtig sind, aber es ist ja wohl klar, dass kein Pilot beabsichtigt, dabei zu Boden zu gehen.»
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