Maurizio Arrivabene, Ferrari: «Hab mich entschuldigt»

Von Rob La Salle
Formel 1
Maurizio Arrivabene

Maurizio Arrivabene

​Ferrari-Teamchef Maurizio Arrivabene spricht nur in geringen Dosen mit den Medien. Vor dem Grand Prix von Singapur macht der Vorgesetzte von Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen eine Ausnahme.

Schon im Testwinter 2017 fiel auf: Ferrari hatte sich offenbar zum Motto gemacht – liefern statt labern. Eine Mauer des Schweigens befremdete die Berichterstatter. Nicht nur die italienischen Medien waren baff. Mein Kollege Luigi Perna von der «Gazzetta dello Sport» urteilte: «Nach einem Winter des Schweigens, in dem Ferrari praktisch untergetaucht ist, gab es unter Medien und Tifosis enormes Interesse. Stattdessen fanden wir geschlossene Münder.»

Teamchef Maurizio Arrivabene hat seither fast nur noch im Rahmen der FIA-Pressekonferenzen Auskunft gegeben, wenn er quasi zum Reden gezwungen wird. Einen solchen Termin zu schwänzen, gibt vom Autoverband FIA die gelbe Karte. Ansonsten: niente. Ein Top-Team mit einem Teamchef, der sich den Medien entzieht. Einzige Ausnahme: Wenn ihn eine TV-Kameramannschaft nach einem Rennen umstellt. Dann gibt es eine karge Wortspende, ein paar Sätze vielleicht, für Sky oder RTL.

Für die italienische Autosprint, unverzichtbare Rennbibel der italienischen Fans neben der Gazzetta, hat Arrivabene eine Ausnahme gemacht und sagt über …

… Fahrer als Butler:
«Schon als ich in der Hitze des Gefechts in Monza sagte, wir hätten bei uns eben Fahrer, keine Butler, wusste ich – das würde Wirbel erzeugen. Seither habe ich Nachrichten mit Valtteri Bottas ausgetauscht, ich wollte mich bei ihm entschuldigen; ich wollte, dass er wirklich versteht, was ich gemeint hatte. Das ist mir damals rausgerutscht, das ist kein Etikett, das ich Bottas umhängen wollte. Ich schätze ihn sehr. Er hat das verstanden.»

… den Start in Monza:
«Beim Start gibt es keine Stallorder. Die einzige Anweisung, die ich den Fahrern jeweils mit auf den Weg gebe – macht keine Dummheiten! Es war davon die Rede, dass Kimi Vettel in eine ungünstige Position brachte. Aber was sollte er denn tun? Das hätten Lewis Hamilton und Sebastian Vettel anstelle von Kimi genau so getan.»

… die folgende Szene mit Vettel und Hamilton:
«Auch das hatte nichts mit Stallorder zu tun. Falls wir so etwas machen, dann im weiteren Verlauf eines Rennens. Ich schliesse nicht aus, dass es später dazu gekommen wäre. Aber die Fahrer waren sich dessen bewusst.

… Sebastian Vettel:
«Ich muss für dieses Team den Kopf hinhalten. Ob nun der Fahrer patzt oder die Mannschaft, einer muss dafür geradestehen, und das bin nun mal ich. Es wäre völlig falsch, nun mit dem Finger auf jemanden zu zeigen, wo es noch so viele Rennen zu fahren gibt.»

… Mercedes:
«Ich rede nicht gerne über Gegner. Wir müssen uns darüber im Klaren sein, dass wir zurückliegen. Wir haben zwar in Belgien gewonnen, aber wir haben nicht die WM-Führung übernommen. Die Strasse ist noch lang. Worum ich Mercedes ab und an beneide – eine gewisse Kaltschnäuzigkeit, die fehlt uns.»

… Singapur:
«Wir können nach Monza nicht einfach zur Tagesordnung übergehen. Wir müssen aus den Vorkommnissen etwas lernen. In den vergangenen Jahren waren wir in Singapur stark, die Piste ähnelt Monte Carlo. Dort war jedoch Red Bull Racing besonders gut. Also rechne ich mit einem Dreikampf.»

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