Zandvoort-GP-Chef Jan Lammers: «Ein wenig Respekt»

Von Adam Cooper
​Im Formel-1-Fahrerlager wird herumerzählt, es werde verflixt knapp bei der Rückkehr des Zandvoort-GP im kommenden Mai. Ex-GP-Pilot Jan Lammers (62) wehrt sich als Zandvoort-Sportchef gegen das Gerede.

Als im vergangenen Mai klar wurde, dass wir erstmals seit 1985 zu einem Formel-1-WM-Lauf nach Zandvoort zurückkehren, sagte mir ein niederländischer Grand-Prix-Reporter: «Wenn ihr glaubt, dass die Staus in Le Castellet 2018 Jahr schlimm waren, dann wartet mal ab, was 2020 in Zandvoort los sein wird.»

So wie am südfranzösischen Circuit Paul Ricard ist die Zufahrt zur niederländischen Rennstrecke an der Nordsee problematisch. Und auch an der Strecke muss Einiges getan werden, wie Jan Lammers bestätigt. Der 23fache GP-Teilnehmer war in der Formel 1 für Shadow, Ensign, ATS, Theodore und March unterwegs. Anders gesagt: Er hatte nie brauchbares Material. Mit konkurrenzfähigem Rennauto konnte er etwa in Le Mans 1988 zeigen, wozu er fähig ist – Sieg mit Jaguar, an der Seite von Andy Wallace und Johnny Dumfries. Heute ist der inzwischen 63jährige Lammers Sportdirektor des Grossen Preises der Niederlande in Zandvoort.

Lammers muss sich gegen das Gerede wehren, wonach die Anfahrt fragwürdig sei und die Rennstrecke nicht rechtzeitig bereit sein würde. «Es stimmt, es gibt noch viel zu tun, aber wir sind am Ball. Wir machen uns keine Gedanken darüber, ob wir das stemmen. Wir wissen, wir können das. Ich glaube, einige Leute werden im nächsten Mai ziemlich überrascht sein. Schon Ende September wird begonnen, eine erste Etappe wird vor Weihnachten abgeschlossen sein. Wir werden fertig, und wir werden eine schöne Anlage präsentieren.»

Und was ist mit dem angeblichen Verzug? «Ich kann die Situation gewisser Medien verstehen. Wenn es nicht viel zu berichten gibt, muss man kreativ werden. Es ist einfach, etwas Negatives zu finden. Aber es gibt nichts, worüber wir uns Sorgen zu machen brauchen. Die Strecke wird am 3. Mai bereit sein. Ich halte mich bei solchen Geschichten lieber an die Menschen, die am Projekt arbeiten und daher wissen, was Sache ist. Natürlich ist das alles eine Herausforderung. Wenn du 35 Jahre lang keinen Grand Prix ausgetragen hast, musst du dich erst wieder an alles gewöhnen. Aber ich finde, man sollte der Arbeit unserer Fachkräfte mit Respekt begegnen. Wir nehmen nichts auf die leichte Schulter, aber wir dürfen behaupten: Alles läuft nach Plan.»

Im Rahmen einer Pressekonferenz hatte Lammers im vergangenen Mai erklärt, was sich an der Traditionsrennstrecke alles ändern wird, wenn der GP-Zirkus zurückkommt. «Zunächst einmal rücken wir die Start/Ziel-Linie ein wenig näher zur Tarzankurve, damit die Startaufstellung von der Haupttribüne besser zu sehen ist. Der Ausgang der Gerlachbocht wird aus Sicherheitsgründen verbreitert. Die darauffolgende Hugenholtzbocht wird innen breiter, damit können die Piloten mehr Schwung auf die Passage Richtung Scheivlak mitnehmen.» Die Hugenholtzbocht ist übrigens benannt nach Pistenarchitekt Hans Hugenholtz, der auch die Strecken von Suzuka und Jarama entworfen hat.

Lammers weiter: «Der zweite Teil der Hans Ernstbocht wird verkürzt, aber erweitert, das sollte eine flüssigere Linie gestatten und den Stop-and-go-Charakter dieser Passage beenden. Die letzte Kurve vor Start und Ziel, benannt nach Rennfahrer Arie Luyendyk, wird leicht überhöht, um dort schon früh den Heckflügel flach zu stellen und damit auf der folgenden Geraden einen Gegner zu attackieren.»

Williams-Pilot George Russell in Spanien: «Ich hoffe, sie werden die verschiedenen Kiesbetten in Zandvoort nicht alle durch Asphaltflächen ersetzen. Denn heute ist es so: Ein Fehler und du wirst bestraft.»


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