Vettel, Alonso, Hamilton & Co.: Pirelli-Test sinnlos?

Von Mathias Brunner
Formel 1
Pirelli hat viel vor

Pirelli hat viel vor

Pirelli wird zum WM-Finale in Brasilien 2014er Versuchsreifen bringen. Was soll das mit aerodynamisch und antriebstechnisch komplett anderen Autos bringen?

Paul Hembery ist nicht zu beneiden. Der britische Pirelli-Rennchef fordert seit Monaten mehr Informationen der Rennställe über die 2014er Autos und mehr Testmöglichkeiten. Aber die Teams rücken mit Wissenwerten zum künftigen Antrieb (1,6-Liter-V6-Turbomotor und Mehrfach-Energierückgewinnung) nur unwillig heraus, weil die moderne Formel 1 von Paranoia durchzogen ist – ja nichts preisgeben, die Konkurrenz könnte davon ja Wind bekommen! Im Grunde kommt das einer Beleidigung für Pirelli gleich – traut man den Mailändern nicht zu, mit solchen Informationen vetraulich umzugehen?

Gleichzeitig steht sich die Formel 1 mit dem selbstauferlegten Testverbot selber im Weg, der Autoverband FIA glänzt auch nicht mit Vernuft und Hilfsbereitschaft. Paul Hembery weiss schon heute: Bei den kommenden Wintertests und bei den ersten Rennen 2014 werden die Teams über angeblich unpassende Bereifung jammern, aber dieses Problem ist hausgemacht.

Nun prescht Pirelli vor: Zum diesjährigen WM-Finale in Brasilien werden allen Fahrern am ersten Trainingstag von Interlagos zwei Sätze Experimentalreifen zur Verfügung gestellt. Ob die Piloten den Reifen im ersten oder zweiten Training verwenden, ist ihnen freigestellt.

Das Ansinnen von Pirelli muss vom Autoverband noch abgenickt werden.

Im Fahrerlager kursiert seither die Frage: Wieviele Erkenntnisse lassen sich dabei sammeln, wo wir von aerodynamisch und antriebstechnisch komplett anderen Fahrzeugen sprechen?

Ein anderer Formel-1-Insider, seit 30 Jahren im Geschäft, will bei seiner Antwort anonym bleiben, um weder der Konkurrenz noch dem Formel-1-Alleinausrüster auf den Schlips zu treten. Er findet: «Die ganze Geschichte wird total aufgebauscht, seitens Pirelli, aber auch seitens der Rennställe. Ich gehe nicht davon aus, dass alles auf den Kopf gestellt wird.»

Franz Tost, Teamchef der Scuderia Toro Rosso, antwortet hingegen: «Wie der Reifen letzten Endes 2014 belastet wird, weiss gegenwärtig noch niemand. Jeder Test hilft den Teams, Erkenntnisse zu sammeln und seitens der Fahrwerkskinematik zu reagieren.»

McLaren-Sportchef Sam Michael ist ähnlicher Meinung wie der Tiroler: «Pirelli hat das Gleiche vor einem Jahr getan, und wir fanden es sehr hilfreich, einen Vorgeschmack auf die kommenden Reifen zu erhalten. Selbst wenn wir 2014 mit anderen Abtriebswerten fahren und die Motoren unterschiedliches Drehmoment entwickeln, so lernst du über gewisse Verhaltensweisen des Reifens eben doch etwas.»

Doch das wird nicht reichen. Pirelli-Rennchef Paul Hember verhandelt mit verschiedenen Teams und auch mit der FIA, um in den knapp zwei Monaten zwischen dem WM-Finale (24. November 2013) und dem ersten Wintertest (Jerez, ab 28. Januar 2014) ebenfalls testen zu können. Gemäss Testeinschränkung müsste es sich dabei um Renner handeln, die mindestens zwei Jahre alt sind.

Der Interlagos-Test aus pragmatischer Sicht von Pirelli: Da es noch keine 2014er Rennwagen gibt, sind Versuchsfahrten mit 2013er Rennern besser als gar nichts.

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