Renault: Mit 1000 PS beim Silverstone-GP

Von Mathias Brunner
Formel 1

Renault ist der Turbo-Pionier: 1977 traten die Franzosen erstmals mit einem aufgeladenen Triebwerk in der Formel-1-WM an. Beim Silverstone-GP gibt es einen kleinen Knicks vor der Historie.

Es gibt einiges zu feiern im kommenden Juli: 50. Grosser Preis von Grossbritannien und nach 25 Jahren erstmals wieder ein Auftritt dort von Turbo-Formel-1-Rennern. Dafür haben sich die britischen Organisatoren viel einfallen lassen: Renault bringt einige der wegweisendsten GP-Renner mit nach England, wie den legendären RS01 (den ersten Turbo-Renner) oder den John Player Special-Lotus 98T des legendären Ayrton Senna.

Am 17. Juli 1977 gab es in Silverstone für Renault nur Spott und Hohn: Teekessel wurde der gelbe Rennwagen der Franzosen verhöht, weil Jean-Pierre Jabouille öfter mal der V6-Turbomotor verrauchte. Aber die Franzosen waren Trendsetter: 1979 siegte Jabouille in Dijon beim Heim-GP (es war jenes Rennen mit dem epischen Duell zwischen Gilles Villeneuve und René Arnoux), wenige Jahre darauf war ein Turbo im GP-Sport unverzichtbar. 1983 fehlte Alain Prost im WM-Duell mit Nelson Piquet im Brabham-BMW nur ein Hauch, um zum ersten Turbo-Weltmeister zu werden.

Die kraftvollsten Turbo-Aggregate leisteten zwischen 1000 und 1300 PS im Quali-Trimm, sündhaft teure Minutenbrenner.

Für Filmaufnahmen fuhr Lotus-Pilot Romain Grosjean nun den RE40 von Alain Prost aus der Saison 1983. Romain lacht: «Nachher kam Renault-Motorenchef Rob White zu mir und meinte – ich schätze, nun wirst du dich jetzt nicht mehr über mangelndes Ansprechverhalten beim heutigen Turbo beklagen!»

Grosjean weiter: «Am auffälligsten ist die komplett andere Sitzposition. Du hast den Eindruck, du sitzt auf der Vorderachse! Die Fahrbarkeit des Motors ist äusserst gewöhnungsbedürftig – du gibst Gas, dann passiert mal eine Weile gar nichts, und dann kommt der ganze Bumms. Auch Bremsleistung und Abtriebswerte sind von einer anderen Welt. Das Auto rutscht nur herum und macht im Grunde, was es selber will. Aber das Fahren hat riesigen Spass gemacht, ich wünschte nur, ich hätte mehr Zeit am Lenkrad verbringen können.»

Rob White meint: «Heute wirkt die Technik etwas rustikal, aber ich bin schon sehr beeindruckt, was die Kollegen damals gebaut haben. Das war damals absolut der letzte Schrei, und einige Lösungen finde ich noch immer genial.»

Neben den drei Renault werden die Fans in Silverstone auch die legendären Williams von Nigel Mansell und Damon Hill zu sehen bekommen – den FW14B aus dem Jahre 1992 sowie den FW18 aus der Saison 1996.

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