Formel 1 heute mit Turbo, Formel 1 1971 mit Turbine

Von Mathias Brunner
Formel 1

​SPEEDWEEKipedia: Leser fragen, wir finden die Antwort. Heute: Die neue Turbo-Ära der Formel 1 geht ins dritte Jahr. Vor 45 Jahren machte kein Turbo Furore, sondern eine Turbine.

In loser Reihenfolge gehen wir in Form von «SPEEDWEEKipedia» auf Fragen unserer Leser ein. Dieses Mal will Rolf-Peter Paul aus Nürnberg wissen: «Ihr habt doch geschrieben, dass Renault Turbo-Pionier in der Formel 1 gewesen ist. Aber ich habe irgendwo im Hinterkopf, dass schon vorher mit Turbine gefahren wurde. Was war da genau?»

Einfach gesagt: Turbo ist nicht gleich Turbine. Renault debütierte 1977 mit einem Abgasturbolader in der Formel 1, aufgeladene Motoren gab es jedoch schon lange. Die Geschichte der Aufladung ist nur unwesentlich jünger als jene des Verbrennungsmotors.

Gottlieb Daimler (1885) und Rudolf Diesel (1896) versuchten durch Vorkompression der dem Motor zugeführten Luft die Motorleistung zu erhöhen und den Kraftstoffverbrauch zu verringern. Der klassische Abgasturbolader, wie wir ihn heute noch kennen wurde, vor rund 110 Jahren von einem Schweizer erfunden – von Alfred Büchi. In seinem Patent aus dem Jahre 1905 wird beschrieben, wie in einem Kolbenmotor durch die Energie der Motorabsage eine Erhöhung des Kraftstoff/Luft-Gemischdurchsatzes erreicht werden kann und, voilà!, haben wir mehr Leistung.

Die Turbine hingegen, das ist eine ganz andere Geschichte, und die hat mit Renault gar nichts zu tun. Doch auch hier war die Formel 1 durchaus nicht Trendsetter. Eine Gasturbine in einem Rennwagen, das gab es schon 1955. Allerdings bestritt dieses Fahrzeug nie ein Rennen – es handelte sich um eine Fingerübung von Ingenieuren der US Air Force, die eine Boeing-Turbine in ein Chassis zimmerten, das ihnen von der Reifenfirma Firestone zur Verfügung gestellt worden war.

Der erste ernstzunehmende Turbinen-Renner entsprang einer Zusammenarbeit zwischen Rover und dem Formel-1-Team BRM. Das Ergebnis war ein Sportwagen, der unter Graham Hill und Richie Ginther am 24-Stunden-Rennen von Le Mans 1963 teilnahm. Hätte man ihn unter den Benzinern gewertet, wäre der Renner immerhin Achter geworden. 1965 wurde eine weiterentwickelte Version Gesamt-Zehnter.

Nach dem Zwischenspiel Howmet (US-Sportwagen) und dem legendären Auftritt des Turbinen-Renner STP-Paxton ST6 beim 1967er Indy 500 (Parnelli Jones haushoch überlegen in Führung, aber kurz vor Schluss wegen eines Cent-Defekts ausgefallen) kommen wir zu Innovator Colin Chapman (wem sonst?).

Der Lotus-Gründer hatte für Andy Granatellis STP-Team den 1968er Indy-Keil namens Typ 56 gebaut, doch auch dieses Mal ging die Turbine leer aus: Unfall von Graham Hill, technische Defekte von Art Pollard und Joe Leonard. Leonard hatte geführt …

Nun wollte Chapman die Pratt & Whitney-Turbine in der Formel 1 ausprobieren. Das Modell 56B wurde 1971 von drei Fahrern bei drei verschiedenen WM-Läufen ausgeführt – von Dave Walker in den Niederlanden, von Reine Wisell in England, von Emerson Fittipaldi in Italien.

Die beiden grössten Probleme des Fahrzeugs: Es war zu schwer, denn es war auch mit Allrad-Antrieb ausgerüstet, und die Turbine sprach zu wenig spontan an.

In Zandvoort hätte der Australier Walker jedoch Rennhistorie schreiben können: Auf nasser Bahn überholte er dank des Allrad-Antriebs in den ersten fünf Runden zwölf Gegner, dann rutschte er leider von der Bahn.

Emerson Fittipaldi brachte in Monza den Wagen als Einziger ins Ziel, auf Rang 8.

Heute gibt es einen bestimmten Grund, wieso niemand mehr das Experiment mit eine Gasturbine wagt: Das Reglement erlaubt einen solchen Motor nicht.

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