Daniil Kvyat (Toro Rosso): «Helmfolien? Kindergarten»

Von Mathias Brunner
Formel 1
Daniil Kvyat

Daniil Kvyat

​Toro-Rosso-Fahrer Daniil Kvyat macht sich über das Hin und Her um die Helmabreissvisiere lustig: «Die Diskussion ist für mich zum reinsten Kindergarten verkommen.»

Zur Saison 2015 hat der Autoverband FIA den Piloten untersagt, Abreissvisiere einfach aus dem Cockpit flattern zu lassen. Hintergrund der neuen Vorschrift war: Wegwerffolien können sich in Bremslufthutzen verfangen, in den Frontflügeln, in Einlässen der Airbox. Die möglichen Folgen: zu hohe Bremstemperaturen bis hin zu geplatzten Scheiben, gestörte Aerodynamik an der Vorderachse, Motorschäden. Die Fahrer verwenden in einem Grand Prix bis zu einem halben Dutzend solcher Abreissvisiere, um zwischendurch wieder freie Sicht zu erhalten.

Leider wurde dann in Australien klar: Es gibt keine Alternative. Die FIA verschob daraufhin das Verbot auf den Spanien-GP, dann auf Monaco. Leider gibt es noch immer keine Lösung für das Problem.
Die FIA hat den Teams deshalb hier in Monte Carlo eine neue Richtlinie ausgegeben – ab sofort ist es wieder erlaubt, Folien aus dem Cockpit davonflattern zu lassen, allerdings nur maximal zwei pro Rennen.

Bei Treffen mit FIA-Vertretern konnten die Fahrer das Argument ins Feld führen: «Was passiert eigentlich bei einem Feuerunfall, wenn ich am Körper ein Säckchen mit alten Folien trage? Schmilzt der Kunststoff dann durch den Overall?» Charlie Whiting, einer der wenigen Männer in der Formel 1, die fast auf jeden Fall gedanklich gerüstet sind, reagierte verblüfft: «Ehrlich gesagt – daran habe ich nicht gedacht.»

Einer, der sich über dieses Hin und Her lustig macht, ist Toro-Rosso-Fahrer Daniil Kvyat. Der junge Russe gab nach der Fahrerbesprechung vom Donnerstagabend zum Besten: «Es ist nicht klar, wie es weitergehen soll. Das Ganze ist doch der reinste Kindergarten – ob du nun zwei oder zehn Folien benutzen darfst oder überhaupt keine. Oder nur auf der Toilette oder sonst etwas. Natürlich wurde das in der Fahrersitzung zur Sprache gebracht, aber es ist offensichtlich, dass FIA und Rennställen nicht ganz klar ist, was wir nun tun sollen. Als Fahrer sage ich: Ungefähr das Letzte, was ich will, ist in Monaco mit einem verschmutzten Helmvisier herumzufahren.»

Das besondere Problem in Monte Carlo: Die Lichtwechsel zwischen den Häusern, Öl, das sich im Leitschienenkanal weniger in der Luft verteilt als auf einer offenen, klassischen Rennstrecke.

Daniil Kvyat weiter: «Wenn du gerade in Monaco mitten im Pulk herumfährst, dann kann das so schlimm werden, dass du schon im ersten halben Dutzend Runden zwei Abreissvisiere brauchst. Der FIA sollte klar sein, dass wir auf diese Folien aus Sicherheitsgründen nicht verzichten können. Wir haben nun versprochen, uns aufs Minimum zu beschränken. Aber was ist schon das Minium?»

Zudem sollen die Folien auf Wunsch der FIA wann immer möglich nur in der Boxengasse weggeworfen werden. Nur: Pirelli rechnet für den Grand Prix mit nur einem Reifenwechsel als schnellste Renntaktik.

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